Oktober 2019
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Erjos – El Palmar – Buenavista

Mit einer Wandergruppe gingen wir früher häufig von Erjos über einen Forstweg ein Stück im Lorbeerwald, rasteten und kehrten auf demselben Weg zu unseren Wagen zurück.

Elisabeth und ich haben uns schon länger vorgenommen, doch einmal zu erkunden, wo der Forstweg schlussendlich hinführt.

Heute ist es also so weit.

Wanderwegstrecke: 3 Stunden 50 Minuten, 12,59 km, inklusive 10 Minuten Pause

Mit dem Bus 460 fahren wir um 9:35 Uhr von der Busstation Playas de las Américas nach Erjos Dorfplatz. In 1 Stunde 15 Minuten sind wir dort.
Kappen, Sonnenbrillen auf, Stöcke auf die richtige Länge einstellen und los geht es:

Der Einstieg  – etwas anders als früher mit der Wandergruppe – jedoch derselbe den wir für den zweimaligen, unterschiedlichen Abstieg nach Los Silos wählten, bringt uns gegenüber der Bushaltestelle über den Zebrastreifen beim Kirchlein schnell zum Beginn unserer Tour.

Als wir sicherheitshalber nochmal die Infotafel studieren, denken, dass „PR TF 51/52 Las Portelas, 10,7 km – Monte del Agua 6,2 km“ der richtige Hinweis für uns ist, erklärt uns eine Einheimische bereitwillig, dieser Weg führt auch nach El Palmar.
Nun, das wissen wir also schon mal.

Den Hang hinunter, alles noch wunderbar grün, zwei kleine weiße
Kätzchen mit schwarzen Näschen amüsieren uns, was uns aber um die nächste Kurve erwartet, dafür sind wir nicht gewappnet:

Fast bis unmittelbar vor die Häuser von Erjos wütete im Sommer das Feuer. Unser Blick fällt auf verbrannte Bäume, alles schwarz.
Die großen Flächen Ginster links und rechts des Weges zum Aufstieg zu den Sendemasten, kohlschwarz. Die verbrannten Zweige ragen gespenstisch in den Himmel.

Was müssen die Bewohner von Erjos für Ängste ausgestanden haben.
Schade, dass wir das nicht wussten, wie nah das Feuer war, sonst hätten wir die Einheimische befragen können.
Vor einigen Jahren hat es Erjos etwas oberhalb vom Brand heimgesucht.

Kurz nach den Sendemasten das angekokelte Hinweisschild, dass wir „espacio natural protegido“ – Naturschutzgebiet – betreten.
Kurz darauf jedoch eine wohl erst vor kurzem aufgestellte Infotafel, die uns über das Geheimnis des Lorbeerwaldes am Monte del Agua  aufklärt:

„Etwa vor 65 Jahrmillionen war der Monteverde oder Laurisilva (Lorbeerwald) in verschiedenen Regionen des Planeten weit verbreitet (die Kanarischen Inseln gab es damals noch nicht). Während dieses Zeitraums, war der Wald Zeuge zahlreicher geologischer und klimatischer Episoden, die das Aussterben vieler Arten verursachten. Der Laurisilva hat sich jedoch an jeden Wechsel angepasst. Unter anderem reduzierte er seine Fläche auf bestimmt Gegenden mit günstigen Bedingungen. Auf den Kanaren, Azoren und Madeira lebt eine jener Versionen weiter, die allem Unbill getrotzt haben: der makaronesische Laurisilva.Tatsächlich gehören einige der ältesten, in Europa gefundenen Blätterfossilien denselben Arten an, die auch heute noch am Monte del Agua leben.
Hier widerstand der Wald auch Widrigkeiten wie Vulkanausbrüchen oder geringer, verfügbarer Fläche, die ihn gestärkt haben. Er wurde beispielsweise viel dichter (auf einem Hektar Wald gibt es 300 Tonnen lebender Materie) und zwischen den einzelnen Arten bestehen praktisch perfekte Beziehungen.“

Rasch schreiten wir auf dem breiten, gut zu begehenden Forstweg aus und erfreuen uns mal wieder an dem Lichtspiel, denn, wir haben  Glück mit dem Wetter und die Passatwolken sind noch nicht bis hier oben hochgezogen.

Unterwegs bemerken wir an verschiedenen Stellen rote Täfelchen mit Nummern. Sicher wieder Hinweise, dass es sich hier um bemerkenswerte Punkte handelt. Aber leider haben wir keine Beschreibung. Sollten wir diese mal irgendwann bei einem Infobüro bekommen, werde ich die Erklärungen nachtragen.
Hier sehen wir sicher ein Musterexemplar eines Baumes.

Bei dem Hinweis “7“ denken wir, dass er zu einem Aussichtspunkt führen könnte. Also machen wir den Abstecher über einen bemerkenswerten Pfad und siehe da: richtig geraten. Ein wunderbarer Rund-Um-Blick auf grüne(!!) Hänge und das Meer. Bleibt nur zu sagen: Schön!

Nach einer Stunde haben wir bereits den Abstieg nach Los Silos erreicht, aber wir folgen weiter dem Forstweg.
Erstaunlich, sind wir sonst auf unseren Wanderungen weitestgehend alleine unterwegs, so ist dies doch offensichtlich ein sehr beliebter Weg und wir begegnen einigen Wanderern. Kein Wunder, der Weg erinnert mehr an einen Spaziergang.

Eine halbe Stunde später gelangen wir an den Abstieg nach El Palmar.
Nun verlassen wir die bequeme Forststraße und es geht über einen schmalen, schönen Pfad weiter.
Beim nächsten Hinweisschild  Bild wechselt der Weg auf Fels, Stein und im steten bergan bergab geht es vorbei an kanarischen Kiefern, Agavan, Erika- und Zistrosensträuchern, wilder Minze, letzte Reste von Glockenblumen,  Farne und das frische Grün der Gänsedistelblätter sowie imposanten Felsen weiter. Der Blick wird immer wieder auf die grün bewaldeten Hänge, das blaue Meer und die weiß-grauen Wolken freigegeben.
Als wir an die Stelle kommen mit freiem Blick auf El Palmar, entscheiden wir: das ist der Platz für unsere obligatorische Apfelpause, denn zugleich können wir das Schauspiel der heranziehenden Passtatwolken beobachten.

Als wir gerade wieder zusammenpacken hören wir Stimmen und drei Wanderer kommen von Talavera –  Los Silos – die dritte Variante – hoch.
Da sagt doch der eine Wanderer: „Mit den Damen bin ich schon mal gewandert“.
Elisabeth und ich wie aus einem Munde: „Nein“.
Was war: Der Wanderer hatte doch recht: Es war Jürgen, der sich uns damals auf der Tour von Aguamansa nach Arafo anschloss und der damals quasi unser Retter war als wir in so dichten Nebel gerieten, dass kein Weg und Steg mehr auszumachen war. Aber Jürgen hatte 2 GPS-Geräte und konnte uns genau sagen, wann und wie viel wir vom Weg abgekommen waren.
Dass wir ihn nochmal auf einer Wanderung treffen würden, damit hatten wir nicht gerechnet, da er auch immer nur für 14 Tage auf der Insel ist.
Dass dann das Hallo und Wie und Was groß war, ist verständlich.

Es hatte auch diesmal was Gutes, dass wir Jürgen trafen, denn er konnte uns sagen, dass wir von El Palmar auch auf gepflasterten Pfaden, die TF immer wieder querend, nach Buenavista weitergehen können.

Also weiter, nächste Etappe: El Palmar.
Der Weg läßt sich gut gehen, nickender Sauerklee säumt den Weg und in gut 20 Minuten sind wir im Ort. An Palmen, Weinfeldern, einem Ziegenstall vorbei führt das letzte Stück über eine Betonpiste mit Steinen verziert  und wir erreichen die ersten, hübschen Häuser von El Palmar.
Waren wir vergangene Woche so von einem großen Exemplar des Weihnachtssterns begeistert, dann wird dies heute noch von einer kurzen Allee von Weihnachtssternen übertroffen.
Wir halten uns rechts und kommen an den Kirchplatz, studieren die Infotafel, die einen netten Brauch erläutert, queren den Platz und über die Calle La Cruz gelangen wir rechts gehend  auf die TF 436.

„Für wenige Tage im Jahr ändern die Glocken ihre Melodie, denn an diesem Ort hat sich ein alter Brauch bis in unsere heutige Zeit erhalten. Eine Woche vor dem Dorffest im September lassen die Anwohner diese kleine Glocke, begleitet vom rhythmischen Trommelschlag uralter kanarischere Volkstänze, wie dem Tajaraste, dem Tango von El Hierro oder del El Corrido, bei Sonnenaufgang und am Abend erklingen. Damit wird an eine Zeit erinnert, als es in den Häusern noch keine Uhren gab und die Menschen im Morgengrauen mit dem Glockengeläut geweckt und daran erinnert wurden, dass sie zur Arbeit müssen. Heute gehört dieser Brauch, zusammen mit dem Tanz des Balle e las Libreas, zu den Höhepunkten des Patronatsfestes.“

Es ist jetzt 13.40 Uhr und da  wir wissen, dass der Bus 355 nach Masca erst in gut 2 Stunden kommt, der uns dann bis Santiago del Teide und mit dem 460er schließlich wieder nach Playas de Las Américas  bringen kann, beschließen wir nach Buenavista weiterzugehen, um dort die schnellere Anbindung über Icod de los Viños zu bekommen.

Kurzes Befragen der auf einer Bank sitzenden Einheimischen, wo es lang geht, „immer weiter runter“, gehen wir an dem rechts liegenden  Kinderspielplatz und den hübschen Skulpturen, die den an der Kirche  beschriebenen Brauch nachstellen, vorbei und biegen kurz darauf bei einem Verkehrsschild „Einfahrt verboten“ links ab und laufen über eine Teerstraße direkt auf ein blau gestrichenes Haus zu.
Hier links weiter gelangen wir an einen alten Dorf-Waschplatz, auch noch mit Erklärung.

„Die öffentlichen Waschplätze besaßen auch eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Bis zur Anlage der Wasserstolen wurde die Wäsche in Tümpeln gewaschen, die sich in den Schluchtbetten bei Regenfällen bildeten. Diese schwere Arbeit lag ausschließlich in den Händen der Frauen, die sich aber so abseits ihrer häuslichen Tätigkeiten und Arbeit auf den Feldern zum Gespräch treffen konnten. Über die Kanäle hinaus, durch die man das Wasser nach Buenavista leitete, erbaute man 1936 auch solche öffentlichen Tröge und Becken, die noch bis Ende der 60er Jahre genutzt wurden. Als dann die Häuser mit fließend Wasser versorgt wurden, gerieten sie schnell in Vergessenheit.“

Nach einigen Biegungen haben wir nun stets Buenavista und das Meer vor unseren Augen und es geht an schönen Finkas auf der Teerstraße steil abwärts. Von einem zum anderen Haus bellen uns die Hunde an.
An einem Casa rural Tenerife vorbei gelangen wir auf die TF 436 folgen dieser ein kurzes Stück, um bei dem weißen Haus links auf einen der alten Handelswege – camino real – kennzeichnend durch seine Pflasterung mit den dicken, unregelmäßigen Steinen, steil weiter bergab zu wandern.

Wie von Jürgen vorhergesagt, queren wir wieder die TF 436, und nun bei km 3 verlassen wir das Naturschutzgebiet und die Fortsetzung des wenig kniefreundlichen Weges ist unmittelbar gegenüber.

Noch eine Querung und hier Achtung: nicht von dem rechts liegenden großen Ziegengehege vom Gemeckere und Gebimmele ablenken lassen sondern direkt gegenüber wieder in den Abstieg einsteigen.

Bei einem Wasserbecken und einer Reklametafel der Telecrédito nochmal die TF 436 queren und der camino real ist immer noch gut erhalten.

Die letzte Querung erfolgt im Barrio de la Cuesta und kurz unterhalb des Ortsausgangschildes von Buenavista . Nun geht es auf einer Teerstraße – Halleluja – an Wasserbecken, Fincas, Orangen- und Bananenplantagen vorbei in den Ort.

50 Minuten haben wir von El Palmar nach Buenavista gebraucht.
Wir kommen an der Avenida Juan Medéz „El Viejo“aus, folgen dieser rechts und nach kurzem Fragen nach der Bushaltestelle werden wir die nächste Straße links geschickt und schon sehen wir den Busbahnhof.

Wieder kurze Frage, wann die nächste Möglichkeit besteht,  nach Icod de Los Viños zu kommen, nimmt uns der Busfahrer gleich zu seiner Linie  107 mit, die in 5 Minuten, um 14:45 Uhr, losgeht.
Auf der einen Seite prima, keine Wartezeit, auf der anderen Seite schade, dass wir keine Zeit mehr haben, uns Buenavista nochmal näher anzusehen und einen Café zu trinken.
In 20 Minunten sind wir in Icod de Los Viños und nun haben wir von 15:05 Uhr bis 16 Uhr Zeit.
Die dem Busbahnhof angegliederte Bar gefällt uns nicht, kalt und ungemütlich, so gehen wir ein paar Schritte weiter runter und bei der Bar „Teidrago“ sagen wir „ja“. Milchcaffé und ein Teilchen, dann noch ein Probiergläschen für uns Zwei vom roten und weißen Wein, da eine Bodega dazugehört, so verkürzen wir uns die Wartezeit und um 16 Uhr geht es dann mit vorerst nur 5 Personen im großen Bus  in 1 Stunde 45 Minuten zurück zum Busbahnhof in Playas de las Amerícas.

Fazit:
Weitgehend – im ersten Teil – gleich einem Spazierweg, dann Strecken, wie wir sie lieben über Stock und Stein, dann weniger kniefreundlich der camino real in einer phantastischen Landschaft.
Aber, es sei nicht verschwiegen, es gibt schönere Touren obwohl wir uns im berühmten Lorbeerwald befinden!

Anfahrt:
Mit dem Bus Linie 460 um 9:35 Uhr vom Busbahnhof  Playas de las Américas in 1 Stunde 15 Minuten bis Erjos, Dorfplatz

Rückfahrt:
Wie wir es gemacht haben:
14:45 Uhr Linie 107 von Buenavista bis Icod de los Viños
16:00 Uhr Linie 460 Icod de los Viños – Playas de las Américas, Ankunft 17:45 Uhr

Etwas zum Schmunzeln:
Im oberen Teil von Buenavista wurde ganz offensichtlich die Straße verbreitet und mit neuen Straßenlaternen ausgestattet.
Und was sehen wir ?
Mitten in der Straße steht eine Straßenlaterne der alten Straße.
Allerdings – zugegeben  – gut gesichert.

1 Kommentar zu „Erjos – El Palmar – Buenavista“

  • M. v. Blücher:

    Eine schöne und spannend geschriebene Wanderung unserer 2 schönsten und eifrigsten Wanderinnen im Süden der Insel. Jedesmal eine Überraschung bereit, ein fröhliches Lied auf den Lippen und schallendes Gelächter beim Treffen von besonderen Leuten. Weiter so – wir kommen auch!!

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