Oktober 2019
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Oberhalb von Güimar – „La Hidro“

Barranco de Badajoz
Barranco El Río

Berühmte Naturforscher bezeichneten diese Region oberhalb von Güimar
„als die grandioseste auf der Insel nach dem Teide“.
Die Wanderung zeigt uns nicht nur innerhalb des Naturschutzgebietes „Siete Lomas“  beeindruckende Natur mit mächtigen Felswänden, tiefen Schluchten und einem üppigen, endemischen Pflanzenreichtum, sondern sie führt uns in die Gründungszelle von Güimar.
Hier erhielten im 16. Jahrhundert, nach der Eroberung Teneriffas, zwei Genueser Brüder Land, um eine Zuckerfabrik zu errichten. Wasser und Holz war reichlich vorhanden. Mit viel Fleiß und harter Arbeit erreichten die Brüder, dass aus dieser unwirtlichen Region eine der produktivsten der Insel wurde.
Der industrielle und landwirtschaftliche Komplex, der die Zuckerfabrik begleitete, diente als Anziehungspunkt. So siedelten sich hier Bauern zusammen mit Sklaven an und bildeten damit den Kern der Bevölkerung.
Außerdem war hier – weit weg von der Küste und den Piraten – ein sicherer Ort.
Zusammen mit der Zuckerfabrik wurde eine Eremitage, die San Juan Bautista gewidmet ist, errichtet.
Somit ist hier oben die Urzelle der Gemeinde Güimar.

Wander-Wegstrecke: Je nach Route: 2 ½ bis 4 Stunden
Wir beginnen den Aufstieg von der Kapelle San Juan an. Mit Blick zur Kapelle gehen wir links auf der asphaltierten Straße an den Häusern vorbei und biegen rechts in die steil aufwärts führende Straße „Camino de los Zarzales“ ein. Und da bekommen wir bereits den ersten Vorgeschmack wie steil es nun die nächsten ca. 90 Minuten aufwärts geht. Wir gehen durch eine landwirtschaftlich intensiv genutzte Gegend, links wie rechts gepflegte Terrassenfelder und kommen an den Zeugen der Wassernutzung vorbei. Auf der Straße gehen wir über viele Öffnungen, unter denen sich die Wasserverteilung befindet. Wir gehen an alten gemauerten Wasserkanälen vorbei und an den zweckmäßigen aber weniger schönen modernen Wasserleitungsrohren. Die Wassermengen fließen hier reichlich.

Die Araber, die Experten darin waren, verbrannte, trockene Erde in Gärten umzuwandeln, brachten die Wasserkultur nach Spanien und die Eroberer brachten dieses Erbe auf die kanarischen Insel. Ein Zeugnis davon können wir noch in einem Wasserbecken aus Stein gemauert sehen, das jeden kostbaren Tropfen Wasser aus den Höhen sammelte.

Weiter oberhalb kommen wir an einem sogenannten „aforimetro“ vorbei.  Dieses Bauwerk wirkte praktisch wie ein kleiner Staudamm, der das zu transportierende Wasser abmaß und verteilte. Ursprünglich funktionierten hier 4 Verteiler, heute nur noch 2, und von einem wird das Wasser bis Santa Cruz geleitet.

Weiter steil bergauf. Nicht verzagen. Wir kommen an ein kleines p1030648Wasserkraftwerk. „estación hidroeléctrica“, von den Bewohnern Güimars liebevoll „la Hidro“ genannt.
Wie heißt es? „Die Bewegung des Wassers entzündet das Licht von Güimar“.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Wasser aus den oberhalb liegenden Galerien genutzt, um hier in dem von der Compañia Eléctrica de Canarias errichteten Gebäude Wasserkraft in Elektrizität umzuwandeln.

Bis hierher waren wir bereits vor einigen Wochen gewandert als uns der Regen überraschte und wir auf demselben Weg zurückkehrten.
sany1526Heute wollen wir weitergehen bis zu einer Galerie. Zwar haben wir eine Karte dabei, da jedoch am Weg jeglicher Hinweis fehlt, steigen wir wieder am „la Hidro“ vorbei steil, steil bergauf. Lassen den rechts abgehenden Weg außer acht, bei dem vor gefährlichen Bienenvölkern gewarnt wird, und steigen unverdrossen bergauf. Am Ende des gemauerten Kanals biegen wir bei einem Steinmännchen links ab und lassen den geradeaus führenden Weg, durch eine tief hängende Kiefer fast versperrt, unbeachtet. Wandern unter einem Aquädukt her und nach 1 Stunde p1030659geben wir auf. Wie sich später herausstellte   – als wir einen ortskundigen Wanderer trafen – hätten wir noch 1 Stunde auf diesem wunderschönen Pfad, gesäumt von Zistrosen und Eukalyptusbäumen, weitergehen müssen, um beim Lomo del Cuchillo anzukommen. Der Hinweg ist auch der Rückweg.

Auf unserem Rückweg zur Kapelle San Juan treffen wir einen Canalero (für die Wasserkanäle zuständig), den wir nach der Galerie fragen. Er nimmt mich in seinem Geländewagen wieder mit hoch, vorbei am „la Hidro“, weiter an einem Haus im Rohbau vorbei, und parkt unterhalb eines p1030661yWasserbeckens. Von hier ein kurzer Aufstieg, in Höhe eines verrosteten Geländers auf der rechten Seite, einem unbeschrifteten Holzpfeiler auf der linken Seite biegt hier, durch ein kleines, unscheinbares Steinmännchen gekennzeichnet, der Weg ab. Erst steil bergauf, am gemauerten Kanal  entlang, unterhalb eines kleinen Gebäudes gehen wir auf dem Kanal. Es lässt sich unterschiedlich gut gehen. Zum Teil in  dem trockenen Kanal, zum Teil auf einer Mauerseite. Rechts meist Fels, auch Felsnasen, p1030669so dass man dicht am Abgrund geht. Achtung: Nur für Schwindel-freie! Nach 20 Minuten kann man bereits auf die Galerie sehen. Der Cañero meint, noch 5 Minuten bis dorthin. Also gehe ich weiter, komme noch mal an einer Wasserverteilanlage vorbei, eine scharfe Biegung, ein verrosteter Handlauf soll Sicherheit geben, das mache ich auch noch, als jedoch der Kanal nur noch aus einer Hälfte besteht, das einst als Sicherung gedachte Geländer total verrostet und windschief und zum Teil lose hängt, gebe ich auf. Vor mir habe ich noch eine Finca mitp1030666 vielen Terrassenanlagen, etlichen bellenden Hunden und sehe auch den Weg, der dort vorbei nach unten führt, eine breitere Straße quert und zur Galerie aufsteigt.
Die „fünf Minuten“ hat jedoch der Fuchs gemessen.
Denselben Steig über den Kanal gehe ich bis „la Hidro“ zurück.

Anfahrt:
Auf der Autobahn TF 1 aus Los Cristianos kommend bis zur Ausfahrt Güimar. Auf der TF 612 bis Güimar, halten uns beim Hinweis: “Fasnia, Granadilla“ links. Fahren an der Tankstelle vorbei, queren die Brücke anfahrt4xüber den Barranco und fahren sofort die erste Straße „Calle de Guaza“  rechts hoch. Das Hinweisschild lautet: “Güimar arriba, San Juan, Centro infantil, Cuatro Caminos“. Der Straße folgen wir, bis sie auf die  „Calle Lomo Grillo arriba“ und dann „Calle San Juan“ stößt, weiter rechts hinauf bis zur Kapelle San Juan.
Hier gibt es ausreichend Parkmöglichkeiten.

Restaurant:
Von der TF 1 Richtung Los Cristianos fahren wir die nächste Ausfahrt nach Güimar, Richtung la Caleta, Punta Prieta ab, fahren die Küstenstraße Richtung Punta Prieta weiter bis wir die
Tasca Garabato in dem Örtchen „La Puente“ an der TF 660, Km 4 entdecken. Telefon 922 52 80 84, Montags geschlossen.
lapuente
Ein absoluter Glücksfall: Nur 2 Tische, sauber, schönes Geschirr, freundliche Gastwirtin, Señora Maria Carmen, die uns Brunnenkressesuppe, Carne fiesta und Churros de Pescado anbietet, was uns hervorragend schmeckt.
Von der moderaten Rechnung sind wir auch angenehm überrascht.

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