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CAMINO REAL del SUR (7)

Camino Real del Sur
7. Etappe
Arona – Adeje

Immer heiter weiter auf dem Camino Real del Sur.
Wir kommen durch Landschaftsabschnitte die man normalerweise nicht begehen würde.
Nicht, dass sie zum Teil nicht sehr schön, sehr reizvoll, sehr interessant sind, jedoch die „Wege“-Beschaffenheit, wenn man sie überhaupt als solche bezeichnen kann, ist häufig mehr als schwierig und die Pfade ausfindig zu machen, erfordert die reinste Detektivarbeit.
Jedoch: Wir haben es uns nun mal vorgenommen, diesen alten Handelsweg nachzuvollziehen und darum setzen wir also auch heute wieder unverdrossen mit einer neuen Teilstrecke unsere Wanderung auf dem Camino Real del Sur fort.
Track01
Wanderwegstrecke: 13,4 km, 4 ¾ Stunde Gehzeit, ohne Apfelpause, ohne Rast, 590 m hoch und 660 m abwärts

Für GPS-Freunde gibt es hier die GPX-Datei im ZIP-Format

Der erste Teil vom Rathaus Arona bis zum Ortsteil Vento ist uns von den Conde-Besteigungen bekannt  und ist auch ausgeschildert.

Aber: Wissen kann auch mal schädlich sein, denn wir sind gewiss, wir müssen den Einstieg nehmen der identisch ist mit dem Aufstieg auf den Conde, nämlich den  Abstieg in den Barranco del Rey.
Hätten wir die Karte verinnerlicht, wäre es uns nicht passiert.

Wenn man es sich in den Kopf gesetzt hat, dem original Camino Real zu folgen, dann war der Anfang hierfür nicht richtig.
So ermahnt uns die Komoot-Sprecherin „Agatha“ nachdrücklich, dass wir die Tour schon so kurz am Anfang verlassen haben.

Also retour und nun folgen wir brav ihren Anleitungen und gehen auf den Camino Real del Vento zurück.
Dieser Abschnitt führt uns zwar auf einer asphaltierten Fahrstraße wieder zur TF 51. Jedoch es ist nicht schlimm: die Straße ist so gut wie nicht befahren, wir haben eine wunderbare Sicht auf die Küste, den Conde im Rücken, gehen an einem skurilen Haus und auch an einem schönen Haus im kanarischen Stil mit riesigen Büschen des Weihnachtssterns vorbei.

Kurz unterhalb des Friedhofes von Arona kommen wir aus und müssen nun ein  kurzes Stück die TF 51 entlanggehen. Rechts in einer Kurve biegen wir ab und marschieren nun auf den Barranco del Rey zu, der hier sehr leicht zu begehen ist. Auf Camino Real Pflasterung steigen wir zur Finca El Vallito mit Ziegen und eigenem Dreschplatz auf.
Bis hierher haben wir – mit Irrweg – eine Stunde gebraucht.
10 Minuten steigen wir auf und nach einer Biegung sagen wir erstmal: OHHH! P1210425a
Hinter uns mächtig der Conde vor uns die Küste, wir sehen den Hafen von Los Cristianos und den Puerto Colón,  unter uns Wasserbecken und eine Kläranlage. Die Insel La Gomera ist nur schwach auszumachen.
Auf Camino-Pflasterung geht es weiter, entlang an einem gemauerten Kanal, der noch Wasser führt und an einer verrosteten Wasserleitung.

Aber Achtung: Der Weg verführt einfach drauflos zu wandern, er führt schön im zick-zack bergab, das ist falsch. Man muss am gemauerten Kanal weitergehen.

Ein Schild macht uns darauf aufmerksam, wir bewegen uns mal wieder in P1210434aeinem Naturschutzgebiet.
Kurz vor 12 Uhr sehen wir auf einer Bergkuppe ein verfallenes Haus und da weiß Elisabeth, dass sich unterhalb Torviscas alto befindet.

In diesem Abschnitt hat uns „Agatha“ mal wieder etwas irr geführt. Wir entschuldigen sie, dass sie wohl kein oder nur ein sehr schlechtes GPS-Signal empfangen hat. Das sollte aber nicht das einzige Mal bleiben, leider.

Wir steigen also auf die oberste Straße von Torviscas alto ab, um sehr schnell wieder aufzusteigen und gelangen an einem großen Trinkwasserbehälter vorbei wieder auf einen verwunschenen Pfad, der dicht bewachsen ist und sich zwischen Margeriten-, Lavendelbüschen, Kaktusfeigen, Affodills und Tabaibas durchschlängelt.

Wir können einige Paraglider, die wohl vom Conde gestartet sind, beobachten und gelangen so nach insgesamt 2 ½ Stunden Gehzeit an ein Haus, von wo aus P1210447a wir den Blick auf eine große Reitanlage, einen großen Pferdestall haben. Da müssen wir vorbei, das wissen wir aus der Beschreibung von Franzisco Fariña.

Bis dahin klappt auch alles – mehr oder weniger – problemlos. Wir passieren riesige Zisternen, passieren die Pferdefinca.
Nur dann suchen wir und suchen wir, wo geht es weiter?

„Agatha“ teilt uns mit „folge diesem Weg 1,5 km“. Prima.
Wir gehen rasch auf der Fahrstraße, um dann zu hören „Du hast die Tour verlassen“.

Aber wo geht es weiter?
Da ist nun wieder die Stelle, dass wir uns die Karte ansehen und feststellen, wir müssen weit oberhalb dieser Straße weitergehen.

P1210429Also steigen wir wieder wild steil aufwärts, folgen Elisabeths These “ ein Weg geht immer an der Wasserleitung, dem Kanal entlang“ und tatsächlich, wir finden einen schmalen, steinigen Pfad der zwischen den Gräsern kaum auszumachen ist.

Kurz unterhalb des Grates ist doch tatsächlich eine Markierung an einem Stein: ein abbiegender Pfeil.

Weiter geht es aufwärts und auf der Kuppe halten wir uns rechts runter, schauen bereits auf Adeje.

Aber dann kommt eine Passage, die gefällt uns gar nicht.
Den ganzen Hang abwärts ist kein Pfad, kein Weg festzustellen, wir hangeln uns runter durch Sträucher, Ranken, – Kaktusfeigen müssten wir eigenlich nicht haben – um in den Barranco zu gelangen.

Dem folgen wir nun, gehen nach unserem Gespür, obwohl „Agatha“ meckert, wir haben halt mal wieder die Tour verlassen.
Auf der Karte stellen wir aber fest, dass wir einen großen Bogen abschneiden, wenn wir dem Barranco del Agua abwärts bis zu einer großen Bananen-Plantage folgen, uns dort rechts halten und auf eine Fahrstraße gelangen.

Beeindruckende Felsen

Wir werden mit dem Blick auf eine ausgefallene Felsformation belohnt, die den Gebilden in der Paisaje Lunar, der Mondlandschaft wenig nachsteht.

Als wir an eine Gabelung kommen, uns links halten, wer meldet sich und ist mit uns zufrieden, da wir „auf die Tour zurückkehrt sind“? Agatha.

P1210473Jetzt nur noch den Aufstieg zum Friedhof von Adeje, das ist der Zeitpunkt, dass wir meinen lieben Mann mal wieder anrufen, damit er uns am Friedhof abholt.

Fazit:
Obwohl die Wanderung durch landschaftlich reizvolle Zonen führt, würden wir sie nicht zur Nachwanderung empfehlen. Es sind einfach große Strecken dabei, bei denen man nur mit viel Glück weiterkommt und die Richtung hält.
Ohne das Navigationssystem von Komoot und die Beschreibung von Francisco Fariña und dessen GPS-Daten sehen wir diese Wanderung als nicht machbar an.

ABER: Wir haben es uns nun mal in den Kopf gesetzt den ganzen Camino Real del Sur von Candelaria bis Santiago del Teide zu gehen und so werden wir uns – bei gutem Wetter, das wir bisher hatten – nächste Woche an die 8. Teilstrecke von Adeje aus Richtung Guía de Isora wagen.

Impressionen

CAMINO REAL del SUR (6)

Camino Real del Sur
6. Etappe
Mirador de La Centilena – Arona

„Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“.
Wieder ein Teilstück unserer großen Wanderung bei Traumwetter
Freude – Abenteuer – Lust und Frust

Track02
Wanderwegstrecke: 15,8 km, 4.42 Stunden inclusive 10 Minuten Apfelpause, 350 m runter und 430 m rauf
Für GPS-Freunde unsere Tour als Zip-Datei

Mein lieber Mann setzt uns am Endpunkt der letzten Etappe des Camino Real del Sur am Mirador ab. Man kann auch mit dem Bus 416 bis dorthin fahren, aber so war es halt bequemer.

Da Francisco Fariña, an dessen Wanderung wir uns halten, bis Aldea Blanca runter ging und erklärte, dass hier in diesem Gebiet der alte „Camino Real“ nicht mehr so gut nachzuvollziehen ist, da viel überbaut wurde, wollten wir eigentlich weiter oberhalb bleiben
Jedoch – bis wir uns versahen – schwupp di wupp – waren wir auf dem Zick-Zack-Pfad  nach unten.

Am 2. Oktober 2013 sind wir auf der Tour von La Centilena nach Aldea Blanco hier schon mal abgestiegen.
Heute treffen wir auf eine Infotafel die uns auch hier auf die Funde der Zeichnungen und Gravuren der Guanchen aufmerksam macht und tiefer unten wird  uns auf einer bestätigt, was wir schon wussten, dass in dieser Region 20 Vulkankegel auszumachen sind. Jedoch auf dem neuen Hinweis wird darauf hingewiesen, „dass das Vulkanfeld des Südens der Insel neue Böden schenkte, die heute landwirtschaftlich genutzt werden.
Diese Vulkankegel bestehen alle aus dem gleichen Material: Basalt-Pyrolastide = Tuff.  Dabei handelt es sich um die weltweit am häufigsten vorkommende Vulkanart, weshalb ähnliche Landschaften recht häufig auch an anderen Orten unseres Planeten anzutreffen sind.“

Links und rechts unseres Pfades blicken wir auf Orangenhaine, P1210300Weinanpflanzungen und die Plastikplanen der Plantagen. Blicken wir zurück, sieht das Restaurant El Mirador de La Centilena wie ein Adlerhorst aus und der Roque de Jama „bewacht“ alles.

Eine knappe Stunde haben wir für den Abstieg bis Aldea Blanca gebraucht und laut unseren GPS-Vorgaben sollten wir nach nur einem kurzen Stück entlang der Carretera General, der TF 657, rechts abbiegen, um jenseits des Barrancos wieder den Aufstieg  bis  links vom Mirador zu beginnen.

P1210307Pustekuchen! Kein Weg, kein Pfad. Zwar sind auch in der Karte 3 abgehende Wege eingezeichnet, ABER: Privatbesitz! Eine große Finca hat ihr Gelände hermetisch mit einem hohen Zaun abgeriegelt. Alle abgehenden Pfade sind somit blockiert.
Also tapfer – und mit Frust – weiter auf der Straße bis P1210309 kurz vor Buzanada marschiert. Am Ende de Zauns wagen wir es rechts in einen schmalen, mit Federrborstengras überzogenen Pfad abzubiegen, da uns sonst nur die Asphaltstraße in Buzanada  nach Valle de San Lorenzo bliebe.

Läßt sich anfangs auch gut an, wir beglückwünschen uns, bis dann wieder das Abenteuer beginnt: Auch beim besten Willen kein winziger Trampelpfad mehr auszumachen. Vorbei an einem riesigen Wasserbecken, das wir am oberen Ende im Becken queren, um weiter aufzusteigen. Jedoch nur, um uns am P1210320nächsten Becken entlangzuhangeln. Wasserbecken gibt es hier reichlich. Eins ganz bizarr: getrocknetes Erdreich bildet ein riesiges Puzzle.
Schließlich bleibt uns nur noch, in einem trockenen Kanal zu gehen, da das Gebüsch undurchdringlich ist.

Bei einer großen Wasserverteilungsanlage kommen wir schließlich aus und nun gibt es einen Weg. Dem folgen wir bis in den „Hinterhof“ von Valle de San P1210332 Lorenzo. Hier können wir viel Landwirtschaft bewundern: Reihen von Salat, Koriander oder Petersilie – das können wir auf die Entfernung nicht ausmachen. Ein Moringa-Feld,  in den Tuff-Feldern, die bewässert werden, ist wohl frisch eingesät, dazu Wein und nochmals Wein.

Wir laufen auf eine rötliche Mauer zu und halten uns hier rechts, Camino El Roquete,  schließlich gelangen wir in die Calle Chindia. Ja, die ist in unserem GPS Verzeichnis.
Aber wo weiter? Elisabeths „Agatha“ schickt uns über die TF 28 in ein Gebiet, hier hin und dort hin, wir resignieren, kehren auf die TF 28 zurück, folgen dieser ein Stück in den Ort bis wir an der Caja Siete das Schild entdecken:
Camino La Longuera. Da sind wir richtig.
P1210338Linker Hand erhebt sich das mächtige Gebäude „Lucha Canaria“. Lucha Canaria ist eine populäre Sportart. In fast jedem größeren Ort findet man einen Bau, in dem dieser Sport, dem Ringen nicht unähnlich, ausgeübt wird.
Manfred und ich haben uns einmal einen Kampf angesehen und wurden freundlicherweise von einem Banknachbarn in die Eigenarten dieses Sports eingeweiht. Da ist sogar der Abstand des Hosenbeins zum Oberschenkel vorgeschriebn, da dort der Gegner greifen darf.

Etwas oberhalb gönnen wir uns unsere Apfelpause. Es ist inzwischen Viertel nach Eins,  wir sind schon 3 Stunden unterwegs.

Aber weiter zu unserer Tour: Wir werden nun geleitet, fragen dann aber vorsichtshalber nochmal nach, da sagt uns die gute Frau: der camino real ist muy mal, sehr schlecht, wir sollen lieber zurück gehen und die Straße hochgehen.
Wollen wir aber nicht. Erst mal wieder ein Stück verkehrt, bis uns Agatha aufklärt: Du hast die Tour verlassen, die Tour liegt 70 m hinter Dir. Na prima.
Also zurück und tatsächlich entdecken wir in dem Gestrüpp einen sehr schmalen Trampelpfad. Aber wir sind ja schon recht bescheiden geworden und stapfen diesen hoch.
Aber es geht doch keine Wanderung ohne Barranco: Also erstmal wieder P1210346absteigen. Riesige Agaven wachsen hier, hilft aber alles nichts, auf der anderen Seite wieder aufsteigen zwischen Kaktusfeigen und Tabaibas.
Oben angekommen amüsieren wir uns über eine Taube, die in dem Rohr eines Lastenaufzugs eine Pause einlegt.

Camino-Real-Pflasterung treffen wir an, wir sind auf dem Camino-Real-de P1210355Arona, haben einen wunderschönen Blick auf den Roque de Jama, auf den Mirador de La Centilena und klopfen uns selbst auf die Schultern, welche Strecke wir heute schon zurückgelegt haben.
Bewundern auch wieder die so mühevoll angelegten landwirtschaftlich genutzten Terrassen und erreichen so schnell die Straße nach Túnez. Lustig finden wir ein Hinweisschild. „Kühe“, sollen hier wechseln, schon eher  Schafe oder Ziegen. Kühe haben wir hier auf der Insel noch nie gesichtet.

 

P1210353Oh, schon die ersten Mimosenblüten!

In Túnez lassen wir die hübsche Kirche links liegen, haben Spaß, dass uns ein Papagei  aus seinem Käfig tatsächlich „Hallo“ zuruft und studieren die Hinweistafel  eines  Wanderrundweges „Túnez – La Hondura“, um dann festzustellen, diese Wanderung haben wir bereits gemacht, nur war sie da noch nicht gekennzeichnet. (8.Oktober 2009 Wanderweg Túnez)

P1210368Und eins, zwei, drei, hast Du nicht gesehen, sind wir am Skulpturen-Park Mariposa!

Nur ganz kurz dazu: Das Galeristenehepaar Müller aus Stuttgart, hat sich hier einen Traum erfüllt und einen Park geschaffen, der es Wert ist, besucht zu werden.
Vorherige Anmeldung ist jedoch unerläßlich.
Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich bei unseren „Wanderungen“ am 12. April 2011 unter „Mariposa“ informieren.

Nun wissen wir, auch wenn wir auf der kaum befahrenen Straße auf Asphalt weitergehen müssen, wir sind bald in Arona, unserem heutiges Ziel.

Nun ein kurzer Abstecher durch die Gasse Virgen de los Dolores zum Calvario
P1210385aUnd nur 5 Minuten später sind wir Arona auf der Plaza auf dem sich die Kirche San Antonio de Abad und das Rathaus befinden.

Vorbei an alten hochherrschaftlichen Häusern gehen wir noch bis zur Bar am Ortseingang, um meinen lieben Mann anzurufen und ihn zu bitten, mal wieder für uns Taxi „IrmEli“ zu spielen. Inzwischen löschen wir unseren höllischen Durst mit einem kühlen alkoholfreien Bier. Ah, wie das zischt und gut tut.

Fazit:
Der Frust, den wir hatten, als wir an dem langen Zaun der Finca entlang gehen mussten, wurde wettgemacht durch den insgesamt  wunderschönen Abschnitt des Camino Real del Sur. Wieder sehr abwechslungsreich und was uns wirklich faszinierte waren die 20 Vulkankegel, die wir von den verschiedensten Positionen immer wieder im Blick hatten.

P1210303a

Na dann, freuen wir uns auf die Fortsetzung: Arona – Adeje

San Juán de la Rambla

San Juán de la Rambla
Playa de las Aguas – Playa del  Socorro

„Maravilloso pero peligroso!“  – Wunderschön aber gefährlich!

So beschrieb uns Elisa, unsere persönliche Spanischlehrerin und obendrein Kunsthistorikerin diese Wanderung und zeigte uns entsprechende Fotos.

Klar, diese Wanderung mussste sein, da waren Elisabeth uns einig und uns begleiteten Elisabeths Tochter Doro und unsere Freundin Michaela.

Track01Wanderwegstrecke: 4,9  km 2 Stunden 45 Minuten

Für GPS-Freunde die GPX-Daten als Zip-Datei

Die Anfahrt über die neue Autobahnstrecke von Adeje bis kurz vor Santiago del Teide ist die Überraschung des Tages. So benötigen wir bis zu unserem Startpunkt im Norden nur eine gute Stunde.

Im historischen Ortskern von San Juán de la Rambla parken wir um 10:30 Uhr an der Playa de las Aguas und steigen die gepflasterte Calle Adolfo Suárez hinauf. Schnell gewinnen wir Höhe, passieren hübsche, gepflegte Häuser, blicken auf den sonnenbeschienen Ort zurück und  wandern nun auf dem Camino Ribera del Mar weiter.

Nach 30 Minuten erreichen wir den Ortsteil Rosario und passieren die Eremita de la Virgen del Rosaria aus dem VII. Jahrhundert.

Der Weg mündet in den Camino Rambla de los Caballos. P1210231
Vor diversen Häusern werden die den Weg säumenden Bepflanzungen gegossen, eine offenstehende Türe lädt zur Besichtigung einer Krippe ein.

Es duftet nach Jasmin, die Sonne scheint, azurblauer Himmel, das Meer rauscht.

Wir fragen uns, was ist hier gefährlich. Es ist wie ein Sonntagsspaziergang.

Jedoch 10 Minuten später ist Schluss mit Pflasterung, wir steigen in den Barranco  Rambla de Ruiz ab, der hier ins Meer mündet. Zu einem Teil haben wir ihn mit dem Botaniker Christobal schon einmal erwandert.

Immer noch kein Problem. Der Abstieg ist leicht zu bewältigten.
P1210236Wie schon gewohnt, im Barrancogrund erstmal wieder suchen, wo geht es weiter. Dabei ist es ganz einfach: Gelangt man unten in der Schlucht an gleich rechts halten, diverse Steinmännchen auf riesigen Felsbrocken leiten uns.
Hier unten ist die Playa de Ruiz.

An Bananenpflanzungen entlang geht es wieder aufwärts und dann bekommen wir eine Ahnung was Elisa mit „gefährlich“ meinte. Der jetzige Abstieg bis zum Meer führt auf einem steilen, sandig-steinigen Pfad abwärts. Achtung! Rutschgefahr! Erst noch eine wacklige Brücke überwinden, an Schilf (?), Bambus (?) vorbei erreichen wir das steinige Meeresufer. Die Playa de los Terreros.
Eine Stunde haben wir bis hierher gebraucht.

Was nun kommt ist abenteuerlich und verdient tatsächlich die Bezeichnung „peligroso“ gefährlich, denn wir hangeln uns nun Bucht um Bucht über kleine, P1210253  dicke, große Steine, Felsen weiter. Jeder Tritt will genau überlegt werden. Ist der Stein stabil ? Rutscht er weg ?  Geht es noch ein Stückchen weiter weg vom Meer an die Felswand ran –  es ist offensichtlich Flut –  damit uns die phantastisch anzusehenden, sich brechenden Wellen  mit ihrer Gischt, die in den Regenbogenfarben schillern, nicht erreichen.
Die Stöcke sind hinderlich, da wir teilweise auf allen Vieren kraxeln, auf dem Hosenboden abrutschen.

Die nächste Playa läßt  nicht lange auf sich warten. Playa de los Gimona.

Nach insgesamt 2 Stunden Geh-Kraxel-Zeit erreichen wir eine kleine Anhöhe, steinfrei (!) – überragt von einem großen Baum, einer Araukarie. Der richtige Ort, um unseren Füßen eine Erholung zu gönnen und wir legen unsere obligatorische Apfelpause ein. 10 Minuten gönnen wir uns und weiter geht es zur letzten Bucht,  Playa del Socorro.
Wir haben unser Ziel erreicht!

Surfer! Badende! Sonnende!
Bisher ist uns hier unten am Meer entlang keine Menschenseele begegnet.

Wir steigen wieder mal auf, erst haben wir noch den Gedanken – oben angekommen – links bis zum Mirador de San Pedro zu gehen, aber es ist zu warm, uns reicht es. Also gehen wir bis zur Bushaltestelle an der Autobahn TF 5 und nach  kurzer Zeit kommt der Bus, der uns zurück nach Juán de la Rambla bringt.

Wir steigen eine Station zu früh aus, so dass wir halt noch ein Stück auf dem Standstreifen an der Autobahn entlang gehen müssen, dann runter in den Ort zu unserem Parkplatz. Geschafft!

Fazit:
Elisa hat recht: wunderschön aber gefährlich.
Es ist fantastisch, so dicht an der Meeresbrandung entlang zu wandern. Um die sich brechenden, bombastischen Wellen zu beobachten, muss man jedoch stehen bleiben, da es zu gefährlich ist, den Blick beim Gehen von den zu überwindenden Steinen, Felsen abzuwenden.

Wie anstrengend dieses Gehen ist kann man daran ersehen, dass wir die Busfahrt der Wanderung retour über dieses „Gelände“ vorzogen.

Es war mal eine ganz andere Wanderung in einer von uns noch nicht sehr erkundeten Gegend.

Aber: Was nicht ist kann ja noch werden!

Spaziergang

Abenteuerlich

CAMINO REAL del SUR (5)

Camino Real del Sur
5. Etappe
Granadilla – Mirador de La Centilena

 oberhalb von Valle de San Lorenzo  

Elisabeth und ich wir beglückwünschen uns, dass wir nach der schrecklichen 3. Etappe nicht die Flinte ins Korn geworfen haben sondern unserem Plan, den gesamten Camino Real del Sur von Candelaria nach Santiago del Teide zu gehen, treu gebieben sind.

Die heutige Etappe war einfach schön!
Herrlicher Sonnenschein!
Wolkenloser, himmelblauer Himmel!
Keine Schwierigkeiten!
Weg fast auf Anhieb immer richtig gefunden!
Abwechslung am laufenden Meter von landwirtschaftlich genutzten Flächen, schönen, freistehenden Häusern, Caserios, bis hin zu diversen Kirchen und Sehenswürdigkeiten oder bemerkenswerten Dingen, Kunst imGarten.
San Miguel hat uns begeistert.

Track02

Wanderwegstrecke: 12,7 km in 4 Stunden 50 Minuten

Für GPS-Fans die Tour als GPX-Datei im Zip-Format

P1200983Mit dem Bus Nr. 416 fuhren wir bis Granadilla und gingen erst bis zur Kirche San Antonio de Padua, zum einen, weil wir hofften, wir könnten sie heute vormittag besichtigen – leider vergebens – zum anderen wollten wir den Anschluß des Camino Real del Sur hier weiterführen.
Wir machten einen Schlenker auf dem Weg zum Rathaus P1200973 ins Tourismusbüro, um doch noch einen Plan des alten Pfades zu bekommen. Wir wurden beschieden: Nein, gibt es nicht, die Strecke ist zu gefährlich.
Jedoch wird im „Vorhof“  des Rathauses mit wuchtigen Ficusbäumen auf einer Infotafel der Camino Real P1200971Granadilla – San Miguel dargestellt und beschrieben.
Hier befindet sich auch das Kloster San Franciscanus de San Luis.
Wir wissen, dass wir in die Calle Aguilillas  abbiegen müssen, aber vor lauter Schauen und Erzählen laufen wir erst mal dran vorbei.
Im zweiten Anlauf klappt es dann und wir müssen sofort sehr steil, schweißtreibend aufsteigen bis zur „Paisaje Aguilillas“.

Jedoch, wir sind immer wieder überrascht, wie schnell man Höhe gewinnt. Der Trick dabei ist, nicht nach vorne oder oben zu schauen sondern auf die Füße und Schritt vor Schritt zu setzen.
Diesen Trick haben wir vom Straßenkehrer Beppo aus „Momo“ von Michael Ende.
„Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“
Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte:
„Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

Bei drei hölzernen Telegrafen-Masten können wir dann schon den Asphalt P1200992verlassen und biegen in eine grüne Hölle ein mit schönem Blick – wie schon oft gehabt – auf das Meer, den Hafen von Granadilla – die Berge, selbst Guajara und Sombrero wie Teide – wolkenlos!

Wir wandern wieder auf original Königswegpflasterung!

Nur knapp 10 Minuten später erreichen wir die Calle Las Chozas, passieren den Fußballplatz, queren die TF 21 bei km 84 und bei einer Ansammlung P1210001Eukalyptusbäumen tauchen wir wieder in das Grün ein.
Kaktusfeigen, Tabaibas, Wermut und und und eine hohe Mauer aus Vulkangestein säumt den Pfad. Die Hänge sind gesprenkelt mit den weiß leuchtenden Margeritensträuchern und die Montaña Roja in El Médano sowie die vielen Vukankegel fangen den Blick.
An einer Wasserverteilungsanlage und einem mal gut gefüllten Wasserreservoir gehen wir vorbei. P1210008
Der Weg führt an der Kapelle der „Virgen de las Nieves“ vorbei (geschlossen). Auf dem Kirchplatz gibt es sogar einen alten Backofen.

Landwirtschaft wird hier intensiv betrieben. Die Beete sind gut bestellt und mit Jable, dem hilfreichen Tuffsteinchen schon vorbereitet für die nächste Aussaat,  Anpflanzung oder die Samen wurden schon ausgebracht?  Inzwischen gehen wir wieder eine kurze Strecke auf Asphalt und passieren einige versprengte Häuser, die ihre Mauern liebevoll mit Kakteen geziert haben und abwärts geht es wieder in eine Schlucht auf Camino Real Pfad.
Wir steigen auf und gelangen in die Calle La Peña, blicken zurück über das Dach eines verfallenen Hauses und staunen selbst, wie schnell wir immer „Strecke“ machen.

Wir sind im Örtchen Charco del Pino angekommen.

P1210016Vor uns geht der Blick auf den Mirador Chiñama – den Aufstieg sparen wir uns heute und kurz darauf sind wir auch schon wieder auf einem Kirchplatz, Plaza de P1210031Charco del Pino.
Auf der auch hier angebrachten Infotafel werden wir auf die Geschichtsträchtigkeit aufmerksam gemacht, dass hier in der Nähe die Ureinwohner mit ihren Herden an die Tränke zogen, dass später Bauern, Mönche und Fischverkäufer den königlichen Weg entlang zogen.
Die Kirche – Iglesia de San Luis IX –  natürlich verschlossen – war früher eine Einsiedelei – sie beherbergt das Originalbildnis des Heiligen Bischofs Ludwig, König von Frankreich, der die Dornenkrone Christi in der Hand hält, die er während der Kreuzzüge aus dem Heiligen Land nach Paris bringen ließ.

Ein kleines Stückchen müssen wir auf der TF 28 gehen, jedoch kurz nach km 78, beim Ortsausgangsschild „Charco del Pino“  geht es links schon wieder „in die Büsche“.

Kaktusfeigen, Kaktusfeigen! Seit die Farbe, die u.a. für Lippenstifte gebraucht wurde, syntetisch hergestellt wird, hat das Einsammeln der Cochinilleschildlaus, deren Wirt ja die Katusfeigen, Opuntien sind, ausgedient und damit auch ein Erwerbszweig.

P1210039Offensichtlich versucht man Gelände wieder für die Landwirtschaft urbar zu machen. Wir beobachten einen Mann, der eine der Vulkansteinmauern erneuert und Kaktusfeigen rodet.

Unser Weg ist gut auszumachen, gut zu gehen, und oh Wunder: Schon wieder steht eine Informationstafel unverhofft in der Landschaft.

„Tramo del Camino Real del Sur – Barranco de la Orchilla“ P1210045
Hier wird wieder auf die Wichtigkeit dieses Weges in früheren Zeiten verwiesen, der die Hauptstadt mit dem Süden verband.
Auch der Landwirtschaft wird ein Absatz gewidmet.

Aus dem Bus haben Elisabeth und ich gerätselt, wie wir wohl diesen tiefen, engen Barranco queren werden. Wir vermuteten, dass wir auf der TF 28 über die Brücke gehen müssten.

Nun wissen wir: NEIN, nicht die Straße: runter in den Barranco bis zum Grund der Schlucht und auf der anderen Seite wieder hoch.

Wuchtige, beeindruckende Felsen ragen auf, Aeonien und das zwar hübsch im Wind sich wiegende borstige Federborstengras – das ebenso aggresiv und schädlich ist wie in Deutschland das asiatische Springkraut, da es die heimische Flora zurückdrängt – sind die Wegbegleiter und wie sind wir mal wieder überrascht, dass wir diese Schlucht in 20 Minuten bewältigt haben.

Wen man sich überlegt, hier wurden Kamele, Pferde und Esel mit Lasten beladen von ihren Begleitern durchgeführt: Alle Achtung!

Oben angekommen wandern wir an einer Ziegenfarm vorbei.

War natürlich die Pflasterung im Barranco schmal so wandern wir zum ersten P1210072 Mal auf einem breit-gepflastertem Abschnitt, gleich einer Avenida.

Am „La Casa-Granero de Viña Vieja“ (Alte Rebe) lesen wir erst wieder die Infotafel und stoßen dabei auf den Besitzernamen „Soler de Chasna“ dem wir ja erst auf der Wanderung „paisaje lunar“ begegnet sind.
P1210079Es gab hier einen Garten, einen Ofen und eine Quelle. Ganz wichtig.
Leider ist dieses schöne Anwesen dem Verfall preisgegeben und in der Quelle schwimmt Unrat. Schade!

An Weinrebenfeldern wandern wir zügig bis zur Kirche von San Miguel de P1210082Abona.
Auch hier wieder diverse Infotafeln, die sich im Hinblick auf die Wichtigkeit des Camino Real del Sur wiederholen. Neu ist hier jedoch die Beschreibung des alten Ortskerns von San Miguel mit seinen Häusern aus dem 18. und 20. Jahrhundert gesäumt wird.
Bei unserer Weiterwanderung stellen wir fest, dass die Aussage „Diese Gebäude zeichnen sich dadurch aus, dass sie allesamt gut erhalten sind und die typische Bauweise der mittleren Höhenlagen im Süden von Teneriffa darstellen“ wirklich zutrifft.

Auch sind entlang dieser Hauptstraße von der Kirche aus an ehemals wichtigen Gebäuden Hinweistafeln angebracht sind, z.B.
P1210089– das Geburtshaus von D. Juan Bethencourt Alfonso im Jahre 1817, einer berühmten Persönlichkeit in der kanarischen Kultur. Er war Arzt, Anthropologe, Professor, Historiker und Journalist.
– die jetzige Bibliothek von San Miguel, ist in einem Haus untergebracht, das im 18. Jahrhundert von der Familie Alfonso Calzadilla errichtet wurde. Es hat eine wechselhafte Geschicht:  wurde erst dem Gemeinderat überlassen, nachdem König Ferdinand VII untersagt hatte, politische Versammlungen in religiösen Gebäuden abzuhalten die vorher auf dem Kirchplatz abgehalten wurden, es war  Gefängnis bis 1944, dann staatliche Schule, Mittelschule, Wohnung und nun Bibliothek.
– „Calle de la Iglesia“ = die Kirch-Straße, es wird aufgeführt, wie wichtig sie für den Austausch von lokalen Erzeugnissen und  frischem Fisch von der Küste, wie wichtig sie für das urbane Leben war: wohlhabende Familien wohnten mit ärmeren im selben Viertel


– die eheamlige Gofiomühle – dass sie nicht mehr in Betrieb ist, konnten wir sofort an dem fehlenden typischen Geruch feststellen, wie man ihn noch in Granadilla und Adje schnuppern kann
– der ehemalige Generator, der 1922 installiert wurde und San Miguel als erste Gemeinde im Süden von Teneriffa mit einer öffentlichen Straßenbeleuchtung versorgte
– Casa del Capitán, war das Wohnhaus von Don Miguel Alfonso Martínez und seiner Familie. In dem ca. 100 Jahre alten Gebäude, im typischen kanarischen Stil erbaut, befindet sich nun ein Museum mit dauernden und wechselnden Ausstellungen und eine Töpferei.
Vor Jahren haben wir es mal besucht und waren recht angetan.

Zudem entdecken wir außergewöhnlich Fensterdekorationen von der P1210111Spitzendecke an der Außenwand über den besonderen Adventsschmuck in den Fenstern. In einem netten Lädchen, in das wir einen Blick werfen, werden wir mit selbstgebackenen Plätzchen beschenkt.
Ach, wir fühlen uns hier richtig wohl!

Wir wandern noch an dem Hotel Rural vorbei mit Olivenbaum auf der Dachterrasse, hier haben deutsche Freunde zweimal logiert und waren – wenn man hier oben von den kühlen Temperaturen im Normalfall absieht  – sehr zufrieden.

So, nun haben wir den Ort abgeschritten und  befinden uns in der Calle El Calvario.
Noch eine Erklärungstafel zu Calvario, dann biegen wir in die Calle La Cruz ein und  folgen dem Wander-Hinweisschild „Aldea blanca 6,6 km“ vorbei an einem gut gefüllten Wasserbecken. Den Blick schon gerichtet auf unser heutiges Ziel Mirador de La Centilena, folgen wir dem nächsten Hinweisschild „Aldea blanca 6,5 km“ und weg sind wir vom Asphalt.

Ein Blick in einen Barranco und nun bleiben wir an einem Gartenzaun erstmal stehen und staunen, fotografieren und sammeln Anregungen für unseren Freund Georg Helten, denn hier hat auch ein Künstler Eisen, vermutlich Schrott, zu Kunstwerken umgewandelt.

Auf „Königspflaster“ schreiten wir kräftig aus – inzwischen ist es 14 Uhr und der „Stern“ brennt erbarmungslos, gefühlte 30 Grad ohne jeden Schatten.

ABER: Wir kommen nun in bekannte Gefilde. Die wunderbare Stricklave auf P1210142diesem – früher von uns als Rundweg gegangenen Weg – am 11. Februar 2013 unter „ Mirador de la Centilena – La Hoy – Fuente de Tamaida“ beschrieben
führt uns in den Barranco.
Wieder eine Informationstafel, der noch mehrere folgen werden. Nur soviel zu dieser: Es wird aufgezeigt, dass hier die Urbanisation von San Miguel begann, es gilt als die Wiege, denn es gab mehrere Quellen. Wasser!

Bei der Gabelung halten wir uns links, um nach einem Stück rechts zur Quelle abzusteigen.
P1210154Auch hier wieder Überraschung: Zur besseren Begehung wurde ein Steg errichtet.
Diesmal verkneifen wir uns zu den Quellen hochzukraxeln, dafür zwängen wir uns durch die riesengroßen Felsbrocken und: ja, wir steigen wieder auf.

Um 14:30 Uhr erreichen wir die Asphaltstraße und sind in La Hoya.
Noch schnell die paar Schritte links runter bis zu dem 1993 renovierten P1210164 Ziegelofen, die Erklärungen, wie aufgebaut und wie gearbeitet wurde, überflogen und dann machen wir unsere verdiente, obligatorische Apfelpause.
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Seit unserem letzten Besuch hier hat sich nichts verändert, sieht man davon ab, dass das Wohnhaus nach dem Hotel rural sein Hofgitter pink-lila in den Farben der üppig blühenden Boungaville gestrichen hat.

Eine weitere Informationstafel klärt uns auf, wobei ein ein Übersetzungsfehler dazu führte, dass aus camino real (Original) Autobahn wurde.

P1210172Text

Die Quellen unterhalb allerdings führen momentan wohl kein Wasser.
An Hinweistafeln wurde nicht gespart, die sind für uns alle neu: P1210190
Auf einer wird auf die Einzigartigkeit dieser Gegend hier im Süden hingewiesen. 52 archäologische, registriete Fundstellen, von denen 32  vorgeschichtliche Felsmalereien enthalten. Zudem fand man Wohn- und Begräbnishöhlen.

Wir hatten uns schon einmal intensiv versucht, Felsmalereien ausfindig zu machen, ist uns jedoch nie gelungen.

So, wir rüsten zum Endspurt: Noch einen kräftigen Schluck Wasser und der Aufstieg zum Mirador de La Centilena nehmen wir in Angriff.

Vorbei an einem alten verfallenen Haus, offensichtlich einem abgestürzten und P1210193ausgebrannten Auto lesen wir nochmal die Information über das Naturschutzgebiet und Naturdenkmal Roque de Jama, den wir ja erst kürzlich von zwei Seiten zu besteigen versuchten. ( 24.11.2015).

Kurz vor halb Vier haben wir das Restaurant und zugleich den Aussichtspunkt „La Mirador de Centilena“ – das nach Plänen von P1210204Cäsar Manrique erbaut wurde – erreicht und werden schon von meinem lieben Mann, dem Taxi IrmEli erwartet.
Übrigens: Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass sich im unteren Teil des Gebäudes eine Kochschule befinden soll, dass ist längst Vergangenheit.

Fazit:

Diese Etappe, dieser Streckenabschnitt war einfach schön! So vielfältig, so lehrreich.
Gut, dass wir nicht aufgegeben haben!
Nun freuen wir uns schon auf die nächste Fortsetzung von hier oben vom La Mirador de Centilena nach Arona? Oder doch bis Adeje? Mal sehen, wie weit die Füße Tragen.

Beispiele der Pflasterung

 

Paisaje lunar – Mondlandschaft

Bevor unsere lieben Freunde wieder nach Deutschland zurückkehren, wollen wir Ihnen mit dieser Wanderung noch einmal vor Augen führen, wie abwechslungsreich, wie schön „unsere“ Insel ist.

Die Mondlandschaft ist eine der Sehenswürdigkeiten Teneriffas und ist  mustergültig ausgeschildert, markiert mit weiß-gelben Streifen.

Wanderwegstrecke: 13,9 km, knapp 5 Stunden mit Schauen, Staunen und Lesen der Informationen bei den 7 Täfelchen

Track01

Ca. 400 m Aufstieg und 400 m Abstieg

Für GPS-Fans die Daten in Zip-Form

Am 16. Oktober 2008 habe ich  die Wanderung ausführlich beschrieben, so dass ich mich nur wiederholen würde.

ABER! Eins dann doch:
Ursprünglich haben wir geplant, diesmal bis zu dem markierten Rundweg zur Paisaje lunar mit dem Wagen zu fahren. Jedoch das erste Stück bis zur zweiten Schranke ist nach wie vor nur mit besonderer Vorsicht zu befahren.
Da es ja nun schon immerhin 7 Jahre her ist, dass wir die Forststraße gegangen sind, wussten wir nicht, in welchem Zustand sich die Straße heute befindet.
Also entschieden wir, wir lassen das Auto stehen und gehen.

Wie hatte ich damals geschrieben „Was waren wir überrascht! Der breite Weg ist planiert worden, die kriminellen Schlaglöcher sind beseitigt, also gut befahrbar.“
Diese Aussage stimmt immer noch und wer sich ca 1 ½ Stunden Marsch hin und zurück sparen will – und die kurze Passage bis zur zweiten Schranke gemeistert hat –  kann durchfahren. Jedoch auch der Weg an sich ist schön mit seiner Sicht auf Vilaflor, den höchstgelegenen Ort Spaniens und zur Küste wie hoch zum Teide und zum Guajara und markante Felsgruppierung zieren ihn.

Auch führte ich damals aus, dass sich entlang des Rundweges zur Mondlandschaft Täfelchen mit Nummern von 1 – 10 befinden, wir aber keinen entsprechenden Plan besitzen und so nicht wissen, was uns da erklärt werden soll, wir jedoch darauf vertrauen, dass wir später in Erfahrung bringen, um welche Sehenswürdigkeiten es sich handelt.

Wir haben inzwischen die Informationen:
Ich fasse kurz zusammen:
In einer Broschüre, die das Cabildo Insular de Tenerife herausgegeben hat (ISBN 84-87340-85-7), kommen Bauern, Hirten, Steinmetze, Maultiertreiber und Kiefernnadelsammler zu Wort, die über ihre Arbeit berichten hier auf dem Camino Real, dem Kölnigsweg von Chasna, der Vilaflor mit Orotava verband. Es handelte sich um den am häufigsten erwähnten Inselweg. Von vorspanischer Zeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verband er diesen Landstrich mit dem Inselnorden. Zu jener Zeit war der Fußmarsch über die Las Cañadas die schnellste und bequemste Art, die andere Inselseite zu erreichen.

Startet man an der Kirche San Pedro so kann man alle 10 Täfelchen „abwandern“.

Nummer 1:
Die Gründung von Vilaflor
1530 wurde der Ort Vilaflor de Chasna von der Familie Soler gegründet.
Unmittelbar nach der Gründung des Ortes ließ der aus Katalonien stammende Pedro Soler sein Wohnhaus und eine kleine Kapelle zu Ehren des Heiligen Peters errichten.
Wahrscheinlich ahnte damals niemand, dass sich dieses im Vergleich zu den fruchtbaren Boden des Inselnordens hoch gelegene Bergland eines Tages in die Hauptstadt des Landdstrichs Abona verwandeln und Vilaflor einer der beeutendsten Orte der Insel werden würde.

Nummer 2:
Ein Wald, den es zu entdecken gilt
Auf ihren Expeditionen beschrieben die Naturforscher das erste Mal die Besonderheiten der Kanarischen Kieferwälder.
Hier befinden wir uns an einer Stelle des Königsweges von Chasna, der El Atajo genannt wird und auf dessen alten Kopfsteinpflaster einst hoch gebildete Naturforscher aus Europa reisten.
Vielleicht hätten sie über die ungewöhnlichen Formen und Farben der Felsen etc. geschrieben, aber sicherlich seitenlang über den Wald, den Kanarischen Kiefernwald.
Im Süden Teneriffas treffen wir von 800 m über dem Meer bis in eine Höhe von 2000 m auf Kiefernbäume, die sich an die in den Bergen herrschenden hohen Temperaturunterschiede und an die sauren Böden hervorrragend angepasst haben.
Nur sehr wenige Pflanzenspezies sind in der Lage, dieser Erde ausreichend Nährstoffe zu entnehmen, um existieren zu können.

Nummer 3:
Landwirtschaft in den Bergen – eine wahre Herausforderung
Die Terrassierung der Berghänge und der Tuffstein ermöglichten es den Landwirten, die steil abfallenden, sauren Böden zu bestellen.
Die Technik bestand darin, die Hänge in „Treppen“ zu verwandlen und auf jeder der „Stufen“ ein Terrassenfeld anzulegen.
Die Terrassierung gestattete nicht nur die Anlage von mehr Anbauflächen, sondern auch die effizientere Nutzung des Regenwasser, das auf diese Weise nicht in die Schluchten abfloss und die fruchtbare Erde mit sich schwemmte.
Zu dieser fabelhaften Anbautechnik kommen noch die Vorteile des Tuffsteins hinzu, der zahlreiche Terrassenfelder bedeckt. Diese kleinen weißen Vulkansteine haben so viele Poren, dass sie kaum etwas wiegen. Er hält den Boden, fast ohne Bewässerung, frisch und feucht und reflektiert mit seiner weißen Farbe die Sonnenwärme. Zudem verdichtet sich der Boden nicht, so dass die Bestellung der Felder wesentlich leichter fällt. Schließlich speichert er die auf die Felder gestreuten Düngemittel und gibt die Nährstoffe dann nach und nach an den Boden ab.

Nummer 4:
Eine blühende Landwirtschaft
Die Landwirte bauten auf den meisten Feldern Getreide, Kartoffeln und Weinreben an.
P1200875Hier befinden wir uns an der Finca Galindo, der einzigen heute noch bewirtschafteten Plantage auf unserem Weg. P1200959
Auf diesen Terrassenbeeten wurden über lange Zeit Hülsenfrüchte und Getreide angebaut, die gute Ernteerträge einbrachten. Mit Hilfe eines angemessenen Fruchtwechsels verwandelten diese Anbauprodukte außerdem die Böden in eine wahre Vorratskammer an Pflanzennährstoffen.
In den vergangenen Jahren hat der Niedergang der Landwirtschaft zugunsten des Dienstleistungssektors dazu geführt, dass zahlreiche Felder aufgegeben wurden. Auf den heute noch bestellten Feldern, wie diesen vor uns, werden fast ausschließlich Weinreben, Obstbäume und vor allem Kartoffeln angebaut.

Nummer 5:
Von dem leben, was der Wald gibt
Über mehrere Jahrunderte hinweg stellten Holz, Harz und Kiefernnadeln eine wichtige Einnahmequelle für zahlreihe Bewohner Chasnas dar.
P1200887Dieser Jahrhunderbaum ist einer der ältesten Überlebenden einer Zeitepoche, die den Lebewesen des Kanarischen Kiefernwaldes ganz und gar nicht günstig war.
Bis noch vor wenigen Jahrzehnten stellte dieser Wald eine unersetzliche Quelle von Ressourcen dar.
Die Kiefern wurden nicht nur wegen ihres hervorragenden Holzes hoch geschätzt, sondern auch aufgrund ihres Harzes, das zu einer Art Naturbeize verbrandt wurde, um Teer für die Abdichtung von Schiffen und Fässern zu gewinnen.
Mit der Zeit führte dieser übermäßige Nutzung zu einer erheblichen Verminderung der Kiefernwälder, weshalb es erforderlich wurde, ihren weiteren Nießbrauch gesetzlich zu regeln.
Heue ist in den Wäldern nur noch das Einsammeln von Kiefernnadeln gestattet (hierfür gibt es Lizenzen).
Das Einsammeln der Nadeln ist in zweifacher Hinsicht nutzbringend: Einerseits vermindert es ein Übermaß an brennaren Materialien im Bergwald und damit die Waldbrandgefahr, und andererseits dienen die Nadeln zur Gewinnung von Düngemitteln sowie der Auslegung von Ställen oder sie können dazu dienen, eine bequeme Lagerstatt zu schaffen.

Nummer 6:
Auf der Suche nach den besten Weiden

El Marrubial war eine Wegkreuzung auf den Hirtenrouten ins Gebirge.
Die Viehhaltung, besonders die von Ziegen, stellte sogar schon vor der Eroberung der Insel einen (1496) einen fundamentalen Wirtschaftszweig auf den Kanaren dar.
Bis noch in allerjüngster Zeit lebten zahlreiche Familien von Viehzucht und Viehwirtschaft. P1200957
Dies war der Fall der Familie  Rutil Hernández, einer Familie von Ziegenhirten, die dieses Haus bis etwa vor 75 Jahren bewohnte.
El Marrubial, das Andornfeld, war zu jener Zeit bedeckt von dieser krautartigen Pflanze, die Heilkräfte besitzt und auch Teil der Ernährung der Ziegen war.
Von Sommerbeginn an mussten die in diesem Gebiet gehaltenen Ziegen allerdings ihren Andorn mit anderen Herden teilen, die von der Küse hoch in die Berge getrieben wurden.

Nummer 7:
Wege über die Gipfel
P1200946Die schwersten Lasten wurden von Maultiertreibern über die zerklüfteten Inselberge transportiert.
Wenn wir uns in die Zeit der ersten Naturforscher, Getreidebauern und Wanderhirten zurückversetzen könnten, hätten wir in Vilaflor einen Maultiertreiber verpflichten können, uns auf diesen Wanderungen zu begleiten. Sie transportierten auf den Rücken ihrer Tiere, normalerweise Esel P1200944oder Ochsen, manchmal aber auch Pferde, Maulesel oder Kamele, Waren und Lebensmittel in Packsätteln, Säcken und Fässern, so unter anderem Holzkohle, Getreide, Kiefernnadeln, Ackerzeug, Gebrauchsgüter, Viehfutter usw.
Auf diesem langen Marsch gingen die Treiber stets zu Fuß und führten ihre treuen Wegbegleiter, entschlossen alle Schluchten und Bergkämme zu überwinden, die auf ihrem Wege lagen, über Pfade wie diesen hier.

Von hier aus können wir bereits die Gipfel Teneriffas bewundern, von denen eines der Elemente kam, das keinesfalls fehlen durfte: das Wasser. Damit es den Tieren nie an dem köstlichen Nass fehle, legte man die Wegstrecke so an, dass sie an Plätzen wie diesem hier vorbeiführte, dem Bett der Eris del Cennero-Schlucht.
Doch das Wasser wurde auch auf den tiefer gelegenen Feldern, Gärten und in den Häusern gebraucht, weshalb man es in Rinnen und Kanälen hinableitete.

Nummer 8
Die Kunst, das Wasser zu leiten
Die Steinmetze verstanden ihr Hanwerk sehr gut und nutzten für die Kanäle an den Wegesrändern stets die Materialien, die es in der Umgebung gab.
Hier oben gab es die hoch geschätzten Chasnera-Platten, die es an keinem anderen Ort der Welt gibt. Ja, es heißt sogar, dass sie in Amerika nach dem Stein verlangen.
Die Arbeit eines Steinmetzes besteht darin, den Stein aus dem Fels zu schlagen und so zu behauen, dass man mit ihm einen Weg pflastern, eine Mauer errichten oder einen Kanal wie diesen hier errichten kann.
P1200940Der inzwischen stillgelegte, mehr als hundert Jahre alte Kanal trug den Namen „Bajante de Ucanca“ und leitete das Wasser von der Degollada de Ucanca bis zu den Häusern und Feldern von San Miguel, Vilaflor und Granadilla.
Zum Bau des kilometerlangen Kanals verwendete man dunkelbraunen Vulkanstein, der mehr oder weniger kompakt, aber leicht zu behauen ist.
Als Verbindngsmittel zwischen den Steinen diente ein Mörtel aus Kalk, Sand und Wasser.
Das große Gefälle des Berghanges stellte allerdings ein weiteres Problem dar, das es zu überwinden galt, damit das Wasser keine zu große Geschwindigkeit
erreicht. Aus diesem Grund wurden in bestimmten Abständen Beruhigungsbecken wie dieses hier angelegt, die den Wasserfluss bremsten.

Nummer 9
Eine Landschaft, die es wert ist, erforscht zu werden
Die „Mondlandschaft“ „paisaje lunar“ ist für die Fachleute eine der geologische interessantesten Formationen.
Hier befinden wir uns an einem der geologisch seltsamsten Orte Teneriffas, den man früher „Los Escurriales“, heute jedoch „Mondlandschaft“ nennt.
Man hat herausgefunden, dass sich diese Landschaft vor etwa einer halben Million Jahren bei einer der zahlreichen Vulkaneruptionen bildete, bei denen auch die südlichen Randhänge der Insel entstanden.
Jüngste Untersuchungen deuten darauf hin, dass das weißliche Auswurfmaterial der Hügel Teil einer Rauch- und Aschewolke war, die mit riesiger Kraft aus dem Vulkan geschleudert wurde und sich hier aus großer Höhe herabsinkend ablagerte.
Als die Aschewolke diesen Ort erreichte senkte sie sich, einem immer wieder unterbrochenen Nieselregen gleich, auf den Boden. Indem die Asche nach und nach abkühlte, verbanden sich die Körner miteinander und bildeten eine dicke Schicht hochempfindlichen Bodens.
Zu einem späteren Zeitpunkt wurde dieser Aschenboden von Auswurfmaterialien anderer Eruptionen bedeckt.
Seit jener Zeit haben Wind und Wasser alle diese Materialien erodiert, am stärksten jene  Ascheflächen, die frei an der Oberfläche lagen.
Wir können die stummen Zeugen der geologischen Geschichte Teneriffas  bewundern: Vulkanbomben, vom Wasser glatt geschliffene Felsen, wild zerklüftete Lavafelder.

Es handelt sich hier um eine der empfindlichsten Landschaft der gesamten Insel.

Daher rührt sicher, dass man den früheren Weg zum Campamento Madre del Agua am Fuße dieser phantastischen Vulkangebilde  nicht mehr gehen darf.

Nummer 10:
Neue Wanderer auf alten Wegen
Heute sind es vor allem die Wanderliebhaber, die den alten Königsweg mit Leben füllen.
P1200889Das Gebiet ist unter dem Namen Los Llanitos bekannt. Die alten Mauern dieses Hauses waren noch bis vor wenigen Jahrzehnten das Heim einer Familie von Bauersleuten. P1200887
Ganz in der Nähe beobachtet schweigend eine jahrhundertealte Kiefer wie die Zeit seither alles verändert hat.

Fazit:
Diese Region fasziniert!
Egal ob man nun die Forsstraße geht oder fährt, über Vilaflor aufsteigt, von den Cañadas über die schwarze Mondlandschaft über paisaje lunar, die weiße Mondlandschaft, absteigt der von der Degollada de Guajar auf der Rückseite der Mondlandschaft auf dem Weg Richtung Cruz de Tea wandert, immer wieder sind wir beeindruckt und begeistert.
Ganz besonders wenn man so wunderbare Wetterbindungen wie wir heute antrifft: Sonne pur, azurblauer Himmel, allerdings nur 10 Grad, Fernsicht phantastisch und das Glück hat, als Wolken aufzogen, gerade im rechten Moment die weißen Vulkan-Formationen von der Sonne angestrahlt werden.

Da fällt mir nur ein:

Spot on für eine der spektakulärsten Attraktionen Teneriffas!