Artikel getaggt mit Santillana del Mar

Galicien, Asturien, Cantábrien, Baskenland 1

1. Tag: Sonntag, 23. Oktober 2011

Santiago de Compostela – Noia – Muro – Kap Fisterra

Schon um 7.10 Uhr startet die Maschine der Air Europa mit uns vom Flughafen Teneriffa Süd. Nach zwei Stunden 40 Minuten Flugzeit – eine Stunde Zeitverschiebung – landen wir um 10.50 Uhr Ortszeit  in Santiago de Compostela. Gepäck haben wir schnell und am Eurocar-Schalter bekommen wir für den bei TUI Cars bestellten Mietwagen, nach kurzer Wartezeit, die Papiere ausgehändigt. Wir lassen mich noch als Mitfahrerin für einen Kostenpunkt von 48.- Euro eintragen und finden sofort unseren knallroten, fast neuen Polo, der gerade mal 1.100 km gelaufen hat, in der Tiefgarage.
Elisabeth übernimmt das Fahren und  schnell – Sonntag – sind wir – bei Nieselregen und 17°C Grad –  im Zentrum von Santiago de Compostela. Ein Hinweisschild „Parador de los Reyos Católicos“ reicht aus, um das älteste Hotel der Welt, das 1498 als Hospiz angelegt wurde, ohne Umwege zu finden. Als „Privilegierte“ können wir bis auf den Kathedralenplatz fahren, an dem sich der Parador befindet.
Eingecheckt, Garage bestellt, unser Auto wird für uns geparkt und so können wir kurz nach 12 Uhr an der Pilgermesse in der Kathedrale teilnehmen.
Hier in der Kathedrale endet die Pilgerreise auf dem Jakobsweg. Ziel der Gläubigen ist das Grab des Apostels Jakobus (span. Santiago Apóstol)  bzw. die Apostelfigur in der Capilla Mayor über dem Grab, die am Ende der Reise umarmt wird.
Hatten wir befürchtet, vor lauter Menschenmengen nicht mehr in die Kathedrale zu kommen, so ist dies umsonst. Zwar sind noch einige Pilger mit ihren Rucksäcken anwesend, jedoch, man merkt also schon hier, es ist absolute Nachsaison.
Nach der Messe reihen wir uns in die Schlange ein, um im Chorumgang die silberne Büste des Apostels Jakobus zu berühren und in der Krypta, unter dem Hauptaltar, die schöne Silberurne pflichtgemäß zu bestaunen, in der sich die Überreste des Apostels befinden sollen. Er gilt als Symbolfigur für die christliche Rückeroberung Spaniens.
Den riesigen Weihrauchkessel, den berühmten Weihrauchwerfer,  der bei liturgischen Feierlichkeiten auf spektakuläre Weise durch das Querschiff bis in die Höhe der Kuppel geschaukelt wird (und wohl auch dazu dient, die „Gerüche“ der Pilger zu übertünchen), können wir nicht in Aktion erleben.
Ein kurzer Rundgang in der Kathedrale – reinste Frühromanik –  und um die Kathedrale – deren Bau 1075 begonnen wurde und  im 16. und 17. Jh. von außen umgestaltet wurde –  bei Sturm und Regen Einkehr in einer kleinen Bar zum Café. Dort beschließen wir, trotz des Wetters, unsere geplante Tour zum „Ende der Welt“ heute durchzuziehen.

Also, um 14.15 Uhr Auto kommen lassen und nach einem kleinen Umweg haben wir die Straße erwischt, Nr. 543,  die uns zur Förde von Muros und Noia – der „Ría de Muros y Noia“  bringen soll.
Erstmal wird Noia angepeilt. Autobahn und Landstraße gehen nahtlos ineinander über. Kaum ein Fahrzeug, dafür mit Eukalyptusrinde und Blätter übersäte Straßen, Sturmböen und es regnet wie aus Kübeln.
Nein, in Noia können wir wegen des Wetters nicht aussteigen. Schade! Es hat einen schönen mittelalterlichen Ortskern, der uns nun verborgen bleibt.
Weiter am Meeresarm des Atlantik, der Ría, entlang, den „ertrunkenen Flusstälern“, den Förden. Sie sind infolge des Meeresspiegelanstiegs oder durch Landabsenkung vom Ozean überflutet worden und ziehen sich teilweise weit, weit ins Landesinnere hinein und werden zum Teil von schönen Brücken überspannt.
Der nächsten Ort – nachdem wir rechts einen spektakulären Wasserfall gesehen haben – ist Muros. Darüber haben wir gelesen „seemännisches Flair“. Leider bekommen wir davon nichts, aber auch gar nichts mit. Unser kurzer Spaziergang bis zum Hafen beschert uns am laufenden Band umgestülpte Regenschirme, Elisabeths Schirm gibt den Geist auf,  der Wind und Regen peitscht um unsere Beine und wir sind froh, nach Befragung, überhaupt um 15.30 Uhr ein offenes Restaurant  „El Muelle“ zu finden. Natürlich bestellen wir uns als eine der Vorspeisen „Pimientos de Padrón“, die kleinen, grünen Paprikaschoten, die gebraten werden. Denn: Wir haben unterwegs das Hinweisschild auf den Ort „Padrón“ gelesen, der diesem Gemüse seinen Namen gibt. Unterschiedliche Muscheln runden das „Mahl“ ab.
Nun geht es auf der Landstraße 550 weiter. Unterwegs sehen wir bei fast jedem Haus die berühmten „horreos“, die eigenartigen Bauten auf Steinstelzen, die zum Trocknen und Reifen von Mais dienen.
Raus aus dem Auto, ein Foto, rein ins Auto, Kamera trockenreiben und weiter.
In Carnota befindet sich wohl der Größte seiner Art. Er ist 35 Meter lang.
Nicht zu fassen, in Carnota nieselte es nur und so können wir fast trocken zum „horreo“, dicht bei der Kirche und dem Friedhof  spazieren.
Beeindruckend! Beides!
Malerisch auch die ganze Umgebung, das Pflaster und die in den Boden eingelassenen Grabsteine rund um die Kirche glänzen in ihrer Nässe. Die die Straße säumenden Kamelienbäumchen sind voller Blüten.
Und:
Kaum sind wir im Wagen, gießt es wieder.
Und weiter geht die Fahrt mit Sturm und Regen.
Cabo Finisterre oder auch Cabo Fisterra – Kap Fisterra –  ist unser angesagtes Ziel. Hierhin wollen wir unbedingt,  gilt es doch unter den Römern als „Das Ende der Welt“, Finis Terrae“.
Die Straße schlängelt sich an der Küste entlang, vorbei an der nächsten Förde, der Ría de Corubión. Es ist die am besten geschützte Förde und der westlichste Punkt der Pyrenäenhalbinsel. Wir durchfahren die Orte Cee und Corubión und die Straße führt uns direkt zum Parkplatz am Kap.
Wir glauben es fast nicht: Es hat aufgehört zu regnen! Und, die Krönung: Über dem Meer scheint ganz zaghaft die Sonne!
Wir fühlen uns als Glückskinder!
Wir befinden uns an einem geschichtsträchtigen Ort: Bis nach Finisterre reicht die Milchstrasse, der Weg der Sterne, der sich in der Frühgeschichte als Verkehrsweg der Zivilisationen vom Atlantik zum Mittelmeer etablierte.
Und da man bis zur Entdeckung Amerikas davon ausging, dass die Welt eine Scheibe sei, stand fest: die Sonne geht im Osten auf und versinkt im Westen im Atlantik. Also hier!
Vom Leuchtturm ab stürzen die Klippen steil ins Meer, das viele Schiffbrüche erlebt hat, die einer im Westen liegenden, zerklüfteten Felseninsel,  Centolo de Fisterra, zu verdanken sind.
Kein Wunder, dass sich zwischen dem Kap Fisterra und der Punta Roncudo die raue Costa da Morte erstreckt.
Eine deutsche Pilgerin erzählt uns, dass sie in ihrer 6 wöchigen Wanderung von den Pyrenäen über Santiago de Compostella  bis hierher erst heute den Regenumhang benötigt. Wie tröstlich für uns?!?
Nach diversen Fotos bei km 0,00, Blick in die Tiefe und die Weite treten wir gegen 18 Uhr  auf dem selben Weg die Rückfahrt entlang der Rías Baixas, der „Untere Förden“ an. Wir wollen keine Experimente eingehen und einen neuen Weg zurück suchen.
Wir haben für 20.30 Uhr im Restaurant des Paradors einen Tisch bestellt und glauben uns von der Zeit her auf der sicheren Seite.
Jedoch: Die Rückfahrt verläuft genauso ungemütlich wie die Hinfahrt und da wir nun von einer anderen Seite nach Santiago de Compostela reinfahren, treffen wir zwar auch auf ein Hinweisschild zum Parador, jedoch bringt dies uns leider kein bisschen weiter, da wir irgendwie im Kreis fahren und stets auf Einbahnstraßen stoßen. Nach Fragen und letztendlich durch Elisabeths Intuition erkennen wir dann das Gebäude von der Anfahrt wieder und kommen dann um 20.15 Uhr im Hotel an.
Geduscht, „fein gemacht“ und um 21 Uhr, nach diesem erlebnisreichen Tag, haben wir das vorzügliche Degustationsmenü, das uns in kleinen Portionen die Vielfalt der galizischen Küche darbringt, mit einer guten Flasche Weißwein aus der Region genossen und es ist der krönende Abschluss.

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Galicien, Asturien, Cantábrien, Baskenland 5

5. Tag, Donnerstag, 27. Oktober 2011

Fuente Dé – Potes – Kloster Toribio – Kirche Santa Maria de Lebeña – Hermida – San Vicente de la Barquera – Comilla – Museum Altamira – Santillana del Mar
105 km, 1 Stunde 46 Minuten, so sagte uns der Routenplaner.
Was dann schlussendlich dabei herauskommt, werden wir am Abend sehen.

Erster Blick aus dem Fenster: Es regnet, es ist trübe, die Wolken hängen tief.
10 Grad. Brrrr.

Nun, dann mal erst zum Frühstücken und dann sehen wir weiter.

Gegen 10.30 Uhr haben sich die Nebel etwas gelichtet, es nieselt nur noch, jedoch wir stellen fest: Es macht keinen Sinn auf den Berg zu fahren.

Wir hatten diesen Parador in Fuente Dé in Kalabrien ausgewählt, da er in einer grandiosen Naturkulisse am Ende eines Hochtalkessels liegt, sozusagen „am anderen Ende der Welt“, denn hier endet die Straße, es verkehrt nur noch eine Seilbahn (Teleférico).

Im Reiseführer heißt es:

„Im Hinterland des Atlantiks ragt eine der attraktivsten Gebirgswelten Südwesteuropas bis zu 2648 m hoch auf: die zum Nationalpark erklärten, Picos de Europa ein Paradies für Naturliebhaber.

Im 16. Jahrhundert waren die ewig weißen Berggipfel, die „Picos de Europa“, die  „Gipfel Europas“ der hellste, höchste und sicherste Leuchtturm für die Seefahrer, die diesen schon 200 Kilometer vor der Küste ausmachen konnten.“

Geplant war, dass wir bis zum Mirador del Cable (1840 m über dem Meer) hinauffahren und uns einen Überblick über dieses außergewöhnliche Gebiet, die Berge von Liébana,  verschaffen und vielleicht eine kleine Wanderung anschließen.

Der Prospekt führt weiter aus:

„Mit der Bahn schwebt der Besucher über Täler und Bergrücken und hat dabei einen wunderbaren Ausblick auf die Berge, Täler und Flüsse, mit den unterschiedlichsten Färbungen zu allen Jahreszeiten. Auch kann er bei diesem Ausflug die Zeichen der Zeit nachvollziehen: Die Erosion ist eines der Wunder dieser Gipfel des westlichen Bergmassivs.“

Zwar haben sich nach dem Frühstück die Wolken etwas gelichtet, es nieselt nur noch, wir sehen die Bergstation der Seilbahn, darüber schweben zwei Adler, da aber rundum alles zu ist, macht es keinen Sinn hochzufahren und Seilbahn sind wir beide allemal schon mehr als einmal gefahren.

Schade!

Aber immerhin haben wir gestern einen wunderbaren Weitblick vom Mirador de la Reina aus gehabt und  haben einen Eindruck der Picos de Europa bekommen.

Also nur einen kurzen Spaziergang zur Seilbahn. Zwei junge Männer wollen tatsächlich rauffahren. Kostenpunkt Berg- und Talfahrt 19.50 Euro. In der Hauptsaison sollen Schlangen anstehen. Kann man sich gut vorstellen.
Wir treten gegen 11 Uhr unsere Rückfahrt bzw. Weiterfahrt an.

Erstmal die 23 km bis Potes zurück, dem Hauptort des Landstriches Liébana.

Gleich am Ortseingang finden wir einen Parkplatz und erkunden dieses hübsche Städtchen mit seinem malerischen Ortskern. Eine der vier Brücken hier im Ort über das Flüsschen Deva bringt uns ins Geschehen.

Die vielen Geschäfte mit den Produkten und Erzeugnissen dieser Region – besonders fallen die Säcke mit kleinen Kichererbsen und den dicken, weißen Bohnen auf –  lassen darauf schließen, dass dies hier ein gutbesuchter Touristenort ist.

Wir haben jedoch den Eindruck, nur Einheimische sind auf ihrer Einkaufstour. Da wir uns in DER Orujo-Region befinden, nehmen wir für unsere daheimgebliebenen lieben Ehemänner je eine Flasche mit.
Mitbringsel für die Enkelkinder werden noch erstanden und wir bummeln unter Arkaden an großen Körben mit frischem und getrocknetem Tee Silvestre de Roca vorbei zum Ortsausgang bis zum alten Kloster San Raimundo.

Auf dem Rückweg zum Wagen besichtigen wir einen der als sehenswert beschriebenen Türme, den „Torre del Infantado“, aus dem 15. Jahrhundert.
Sofort werden wir von einer Dame in Empfang genommen, die uns den Aufbau des Gebäudes erklärt, für uns den Liftknopf zur Terrasse drückt und uns dann alleine lässt.

War dieser herrschaftliche Wohnturm ursprünglich der Familiensitz von Lobez de Mendoza, Markgraf von Santillana und seiner Nachkommen des herzoglichen Hauses Del Infantado, so diente er zwischenzeitlich auch als Rathaus und ist heute nur noch eine Touristenattraktion mit Ausstellungen.

Uns gefällt sehr, wie dieser alte, aus robusten Bruchsteinen errichtete Bau nunmehr mit viel Glas und Holz modernisiert wurde.
Einen schönen Blick auf das Städtchen haben wir von hier oben und im Untergeschoss treffen wir eine umfangreiche Ausstellung der früher hier praktizierten Bärenjagden an.

Den zweiten, als sehenswert angepriesenen Turm, Torre Orejón de Lama, ebenfalls aus dem 15. Jhdt., kann man nicht besichtigen, da er in Privatbesitz ist.

Wir schlendern weiter – wohin wohl? – zur Touristinformation, um zu sehen, ob wir etwas ganz Wichtiges übersehen haben. Hier erfahren wir, dass wir wieder 3 km retour fahren müssen, wenn wir das Kloster von Toribio besichtigen wollen. Ja, das wollen wir.

Jedoch zuerst besichtigen wir noch die Kirche „Antigua Iglesia de San Vicente“ und laufen dann an einem Denkmal vorbei, das die Produzenten des Tresterschnaps 2007 dem Bürgermeister von Potes gesetzt haben als Dankeschön für die Initiative für „die Fiesta de Corujo“.

Erst nach Befragen finden wir den nicht ausgeschilderten Abzweig hoch zum Monasterio de Santo Toribio.

Und wieder sind wir die einzigen Besucher. Ein Mönch huscht durch die Kirche, Musik erklingt sehr stimmungsvoll und wir sind mutterseelenalleine in  dem ganzen Komplex, der im 6. Jahrhundert gegründet worden sein soll.
Die heutigen Bauteile sind romanisch-gotisch und barock.

Berühmtheit erlangte das Kloster aus zwei Gründen:

Die Gläubigen verehren hier das größte Teilstück des Golgatha-Kreuzes, das der Bischof von Astorga, Santo Toribio, nach Kantabrien gebracht haben soll.

Im  9. Jahrhundert erlangte das Kloster große Bekanntheit, weil dort Beato de Liébana wohnte, der Autor der Kommentare zur Apokalypse, einem Meisterwerk der mittelalterlichen Miniaturenkunst.

Wir wandeln noch unter dem Kreuzgang her, der rundum üppig mit Hortensien und Rosen bepflanzt ist.

Einen kurzen Abstecher machen wir zur Erimita San Miguel und haben von hier einen ausgezeichneten Blick auf das unten liegende Potes und auf die teilweise von Wolken verhangenen Berge rundum.

 

13 Uhr ist es inzwischen schon.

Keine Müdigkeit vorschützen, weiter geht es Richtung La Hermida.
Immerhin erwartet uns wieder die wunderbare 19 km lange Strecke am Fluss Deva entglang, die sogenannte „Desfiladero de la Hermida“, die bis Unquera verläuft. Dieser enge Canyon mit seinen steilen Wänden ist beeindruckend, das haben wir gestern auf der Hinfahrt schon bewundert.

Kurz vor La Hermida biegen wir rechts ab und fahren Richtung „Lebeña“ hoch.

Hier ist die im 10. Jahrhundert erbaute präromanische Kirche Santa Maria das beste Beispiel der mozarabischen Architektur in Katabrien.

Wir haben nachgelesen:

Unter „Mozarabischem-Stil“ versteht man den Baustil- (Frühromanik, Romanik), der im Mittelalter unter maurischer Herrschaft lebenden Christen.

Im Gegenzug: der „Mudéjar-Stil“ ist der Baustil (Gotik), der im Mittelalter unter christlicher Herrschaft lebenden Mauren.

Malerisch, von Bergen umgeben, liegt das Kirchlein. Eine Besonderheit gibt es noch: Einen Olivenbaum, der Baum der Bäume, gilt doch die Olive als Symbol der Jungfrau Maria.

Ich glaube, es verwundert nicht, wenn ich wieder sage, wir sind die einzigen Besucherinnen.

Die „Aufpasserin“ erzählt uns, dass im Normalfall ganz, ganz wenige Touristen kommen. Lediglich am letzten Wochenende waren rund 50 Personen hier, da in der Gegend ein großes Fest stattfand.

Da wir nicht fotografieren dürfen, gibt sie uns den Tipp, wir sollen doch mal im Internet nachsehen, da würden wir Fotos vorfinden.

Für die Weiterfahrt hat Elisabeth eine Route ausgesucht, die grün, also besonders schön in der Straßenkarte eingezeichnet ist.

In La Hermidad biegen wir deshalb rechts ab Richtung Puentenansa.
Schnell schrauben wir uns auf einem schmalen, engen Gässchen, gesäumt von Bäumen und viel Grün und Felsen empor.

In dem Örtchen Torre de Linares legen wir einen „Schaustopp“ ein. Freier Blick auf Berge und nochmals Berge, das Massiv der Peña Sagra liegt vor uns, mit Bouganville umrankte Bruchsteinhäuser schmücken den Ort. Imposant und malerisch.

Und: Es regnet nicht!

Nächster Stopp ist bei der Iglesia de Santa Juliana en Lafuente, in der Gemeinde Lamasón. Nicht zu fassen, so abgelegen ein solches Kleinod. Auch dies hier wurde 1984 als „Bien de Interés Cultural“  deklariert.
Hübsche, in Bruchstein gebaute Häuser umrahmen die Kirche und die schneebedeckten Gipfel leuchten jetzt im Sonnenschein.

Vorbei an weiten Wiesen mit vielen Rinderherden. Eine Rasse, schwarz glänzend mit großen Hörnern haben wir noch nie gesehen.

Nach 30 km gelangen wir nach Puentenansa. Bis hierher ist uns ein einziges Auto entgegengekommen. Wir waren mal wieder Allenherrscherinnen.
In Puentenansa  biegen wir auf die Straße 181 ab und um 14.30 Uhr erreichen wir in San Vicente de la Barquera wieder die Küste. Auch auf diesem Abschnitt waren wir alleine unterwegs.

Dies ist jetzt die „Costa de Cantabria“, die zwischen der asturischen Küste „Costa Verde“ im Westen und der baskischen Küste „Costa Vasca“ im Osten liegt.

Vom Seefahrerort San Vicente de la Barquera wird gesagt, dass  er den schönsten Altstadtkern der spanischen Küste zu bieten hat mit Kirche, Burg und Resten einer alten Stadtmauer.

Es wird Zeit für eine Kaffeepause und den täglichen Zwischenbericht nach Hause. In einem Restaurant über dem Hafen sitzen wir wie bei ARD und ZDF in der ersten Reihe und haben einen traumhaften Blick auf den Atlantik mit seinen imposanten Wellen und das Hafengeschehen.

Unser Wunsch ist es, möglichst dicht entlang der Küste Santillana del Mar zu erreichen. Über eine vielbogige, alte  Brücke fahren wir über den Meeresarm und stellen fest, die erst gewählte Straße N 634 ist nicht die, die wir wollen. Also nochmal bis zum Kreisel des Ortes zurück, nach Befragen von Ortskundigen wird uns dann die Zufahrt zur kleinen Straße – CA 236 beschrieben.

Zuerst passieren wir einen Ortsteil von San Vicente de la Barquera, dann erreichen wir die Küste. Natürlich müssen wir halten und den feinsandigen, goldgelben Strand in Augenschein nehmen. Möwen baden ihre Füße, und für uns ganz ungewöhnlich, die grasgrünen Wiesen reichen bis ans Meer. Dann sind wieder Klippen auszumachen und etwas später sehen wir sogar dicht am Meer grasende Kühe. Lange Badestrände und winzige Buchten wechseln sich ab.

Die Straße schlängelt sich durch einen Eukalyptuswald und wir stoßen auf die Landstraße 131, die bis nach Santillana del Mar führt.

Unser nächstes Ziel, das wir ansteuern, ist jedoch Comilla, das an der Küste, aber noch im Schutz der Picos de Europa liegt.

Da haben wir uns im Vorfeld nicht ganz so schlau gemacht. Wir erwarten einen kleinen, hübschen Badeort. In der Realität finden wir einen netten Hafen- und Fischerort mit nur 2000 Einwohnern aber mit herausragenden Bauten.

Unterhalb des ersten Prachtbaus, dem Palacio von Sobrellano, parken wir. Erstmal sind wir ganz geschockt von diesem Palast im Zuckerbäckerstil.
Wir steigen auf den Hügel und stellen fest, die Besichtigungszeit für den Palacio passt nicht in unser Zeitkorsett.

Wir helfen uns, wenigstens etwas vom Inneren zu sehen, indem wir durch die Fenster fotografieren. So können wir immerhin einen Billardsaal, ein Kaminzimmer und einen Raum mit vielen Ausstellungsstücken ausmachen.
Wir umrunden das Objekt und bestaunen auch die dazugehörende Kirche

Wir lesen nach, dass der neogotische Palast von Sobrellano die Residenz des Markgrafen von Comillas war, der die Königsfamilie im Sommer 1881 und 1882 aufnahm.

Vorbei an der links liegenden Kirche, unter einem Bogen hindurch, folgt die nächste Überraschung.

Die Villa Quijano, auch bekannt als  „El Capricho“ , „Die Laune“ wurde von dem Jugendstilmeister Gaudi für den wohlhabenden Geschäftsmann Máximo Día de Quijano entworfen und von 1883 – 1885 errichtet. Auffallend ist neben einigen frühen Elementen des Modernisme der Mudéjar-Stil.

Kein Wunder, dass sich einem sofort der Vergleich zu den Güell Pavillons  in Barcelona aufdrängt, wurden diese doch zur selben Zeit errichtet.

Der markante Aussichtsturm springt ins Auge! Die mit Sonnenblumen-Fliesen dekorierten Außenwände, die
wunderschönen Holzdecken im Innern, jede anders gestaltet. Was gibt es nicht alles zu sehen. Das reinste Bilderbuch.

Ich greife nur noch das Glasfenster mit dem klavierspielenden Raben heraus.
Ein Führer demonstriert das Zuschieben der Schieberolladen, die beim Bewegen Musik ertönen lassen.

Die fertige Villa hat Gaudí nie gesehen, da er die Ausführungen seinem Studienfreund Cristóbal Cascante überließ.

Zurück zum Auto blicken  wir auf dem gegenüberliegenden Hügel auf die mächtigen Gebäude der Päpstlichen Universität.

Noch eine kleine Rundfahrt durch den Ort und nun aber wirklich weiter.
Wir wollen doch noch das Museum von Altamira besichtigen.

Inzwischen ist es kurz nach fünf Uhr und um halb sechs Uhr sind wir am Museum. Auf dem Weg zur Kasse ein paar Happen gegessen, Eintrittskarten gekauft und die Besuchserlaubnis für 18.45 Uhr ausgehändigt bekommen. Das nenn’ ich Timing.

Als wir die Menge „Mayores“ „Ältere“ sehen, haben wir so unsere Befürchtungen. Jedoch, wir sind nur 6 Personen, die mit einem Faltblatt mit Erklärungen ausgestattet eingelassen werden.

Die eigentlich Höhle, die „Cueva de Altamira“ wurde 1879 entdeckt und von der UNESCO zum Menschheitserbe erklärt. Sie ist seit 2002 für die Allgemeinheit geschlossen, da die Besucherströme überhand nahmen.

Ich zitiere auszugsweise den Baedeker:

„Die Höhlen von Altamira bewahren eines der großartigsten Kulturzeugnisse der Menschheit, verbergen sich darin in ihnen doch vor etwa 20 000 – 15 000 Jahren von Menschen der Altsteinzeit geschaffene Felsbilder, die in ihrer Darstellungsweise und Farbkraft einzigartig sind.“

„Die Höhlen wurden erst 1869 zufällig von einem Jäger entdeckt. In der Folgezeit erforschte der Besitzer des Geländes, Don Marcelino Saz de Sautuola, das unterirdische Felslabyrinth und entdeckte auch die Säle mit den uralten Malerein und Gravuren. 1879 erkannte seine achtjährige Tochter an der Höhlendecke Stiere. Die Einschätzung des Grundherrn, Zeugnisse einer prähistorischen Kultur gefunden zu haben, wurden von der Fachwelt heftigst angezweifelt. Erst als man 1901/1902 im südfranzösischen Font-de-Gaume ähnliche Bilder entdeckte, hat man die Echtheit der Höhlenmalereien von Altamira nicht mehr bestritten.“

„Die schönsten Malerein schufen die Menschen der Altsteinzeit in der Sala de Pinturas, (Saal der Malereien), die heute als „Sixtinische Kapelle der Felsmalerei“ bezeichnet wird.“

An Videodemonstrationen können wir nachvollziehen, mit welch großem Aufwand die Nachgestaltung der Höhle mit ihrem 9 x 18m großen Saal, der mit mehrfarbigen, teilweise recht plastischen Tierdarstellungen versehen ist, vorgenommen wurde. Mehrere Wisente, ein rotes Wildpferd, ein Wildschwein und eine Hirschkuh sind ohne weiteres auszumachen. Die vorherrschenden Farben sind Rot, Ocker und Braun, die man aus mit Wasser vermischten Mineralien gewann und mit dem Finger, einem Stift oder direkt abgerieben auftrug. Die Umrisse der Tiere sind mit Holzkohle ausgeführt.

Videodemonstrationen finden wir mehrfach. Zum einen wird uns vor Augen geführt, wie die Menschen früher lebten, zum anderen die Entwicklung unserer Art.

Insgesamt ist die „Nuevacueva“, der Nachbau der Höhle von Altamira eine sehenswerte Sache. Ist aber ein Museum.

Elisabeth und ich sind uns einig, auch wenn die Höhle von Tito Bustin in Ribadesello nicht diese Bekanntheit und diese Vielfalt an Zeichnungen hat, aber sie ist authentisch und damit hatte sie für uns eine stärkere Ausstrahlung.

Eine gute Stunde haben wir dort zugebracht und nun noch schnell die letzten 2 Kilometer bis Santillana del Mar.

Am Ortseingang befindet sich sofort ein Tourismusbüro und dort erklärt man uns, dass wir, da wir im Parador Santillana del Mar Gil-Blas die Übernachtung gebucht haben, wir bis zum Parkplatz des Parador fahren dürfen. Der Ort ist normalerweise für Besucherautos gesperrt. Die freundliche Dame erklärt: Erste Straße links, dann rechts, am Parador links hoch und dort befindet sich der Parkplatz. Problemlos gefunden und wir fragen uns nur, ist es der Parador zur Linken oder der etwas tiefer gelegene zur Rechten. Wir vermuten, der auf Parkplatzhöhe gelegene ist vielleicht eine Depandance und ziehen unseren Trolli über uriges Pflaster nach unten.

Wir sind richtig. Wie üblich: Eingecheckt, Tisch für das Abendessen um 20.30 Uhr bestellt, Zimmer bezogen, geduscht, umgezogen und neugierig noch einen Rundgang bei leichter Dämmerung durch diesen zauberhaften Ort gemacht. Selbst bei diesem Licht einige Aufnahmen
gemacht, da es nicht regnet und wer weiß wie es morgen aussieht.

Das Abendessen? Wir hatten das Herbstmenü bestellt, das u.a. gekochtes Kaninchen beinhaltete. Dazu lässt sich sagen: Das Fleisch war gut und zart, das Gemüse völlig grau und das einsame kleine grüne Brokkoliröschen war eiskalt.
Es heißt nicht umsonst: Das Auge isst mit!

War das heute wieder ein Tag! Fantastisch was wir alles gesehen haben.
Aus diesem Tagesprogramm ließen sich ohne Schwierigkeiten einige Tage gestalten und man würde sich nicht langweiligen.

Der Routenplaner hatte 105 km vorgegeben tatsächlich sind wir 157 km gefahren.

Gute Nacht!

 

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