Archiv für Juni 2008

Rhone-Flussfahrt Tag 1

Rhone & Saone

Mit A-ROSA auf dem Fluss

Vom 31. Mai bis 7. Juni 2008

So las es sich im Prospekt:
„Es ist dieses strahlende Licht, das den Himmel so unglaublich blau und die Landschaften der Provence so einmalig erscheinen lässt. Dichter und Denker fühlen sich inspiriert, Maler schufen unvergleichliche Werke, die das Flair des Südens und die ungebremste Lust am Leben widerspiegeln. Es waren die Römer, die das fruchtbare Tal von Rhone und Saone von den Sümpfen im Delta bis zu den Weinbergen Burgunds kultivierten, prächtige Städte anlegten und Amphitheater, Tempel, Thermen und Aquädukte bauten, die bis heute stehen. In diesen mediterranen Gefilden mit scheinbar endlosen Platanenalleen, Sonnenblumen- und Lavendelfeldern, vor der Gebirgskulisse des Lubéron und der Vaucluse, werden Licht und Farbe täglich neu erfunden.

Wo Rhone und Saone zusammenfließen, entstand 43 v. Chr. Lyon, Geburtsort und Wirkundsstätte von Paul Bocuse, einem der Päpste kulinarischer Genüsse. Nördlich fließt die Saone, vorbei an den malerischen Weinbergen des Beaujolais, nach Trèvoux und Macon. Nah dem Ufer liegen die Ruinen von Kloster Cluny, Mittelpunkt der geistlichen Reformbewegung im Europa des 10. Und 11. Jahrhunderts. Die Glocken der Abteikirche St. Philibert in Tournus hört man am Fluss, sie zählt zu den schönsten romanischen Kirchen in Burgund und auch Chalon-sur-Saone mit malerischen Fachwerkhäusern rund um die gotische Kathedrale Saint-Vincent umgibt noch immer die Aura des Mittelalters.

Zart kolorierte Berg und Täler begleiten die Rhone von Lyon auf ihrem Weg in südlichere Gefilde. Über den Gebirgen hängt der Duft wilder Kräuter, in kleinen Dörfern dösen die Bewohner mittags im Schatten ihrer Häuser. Bunt und quirlig ist das Leben am Morgen auf den Wochenmärkten und am Abend beim Boulespiel. In der ersten Flussschleife im Süden liegt Vienne. Kaiser Caligula machte es zur römischen Kolonie und hinterließ prachtvolle Bauwerke wie der „Place du Palais“, errichtet um 25 v. Chr. Steinerne Zeugen anderer Epochen finden sich flussabwärts. Chateauneuf-du-Pape war Sommersitz der Päpste, die im 14. Jh. im nahen Avignon residierten und die guten Tropfen der Region zu schätzen wussten. Ihre trutzige Festung hoch über der „pont d’Avignon“ beherrscht bis heute das Stadtbild am Ufer des Stromes, während in Nimes und Arles, einst wichtige römische Provinzhauptstädte, antike Stätten, Tempel und Arenen, von Perioden großer europäischer Geschichte bezeugen.

Im Delta der Rhone, im Schwemmland der Camargue, ersetzt würzige Salzluft des nahen Mittelmeeres den Duft der Kräuter. Weiße Pferde und schwarze Stiere sind selten geworden, grazile Flamingos sind in den Brackwassern häufiger zu finden. Les Saintes-Maries-de-la-Mer, der charmante kleine Pilgerort mit der schwarzen Sara und Marseille, die alte Seefahrerstadt geben schließlich den Blick frei auf La Grande Bleu, wie die Franzosen „ihr“ Mittelmeer liebevoll nennen.“

So klang es im Prospekt und dies inspirierte uns, diese Flussfahrt zu machen.

Und so war die Wirklichkeit:

Samstag, 31. Mai 2008

Der Wecker ging um 3.15 Uhr (tatsächlich: drei Uhr und fünfzehn Minuten).
Um 3.45 Uhr saßen wir in meinem Auto und waren um 4.15 Uhr in Siegburg am Parkhaus am Bahnhof. Um 4.37 Uhr ging der ICE nach Frankfurt-Flughafen. Um 8.05 Uhr sollte Boarding sein, um 8.45 Uhr war es so weit. 9.15 Uhr in der Luft und 10.05 in Lyon gelandet. Wir wurden mit noch 28 Personen von einem A-ROSA-Mitarbeiter zum Transfer-Bus gelotst und um 11.30 Uhr waren wir am Anlegesteg der A-ROSA-Luna. Wir erhielten einen Hafenführer Lyon mit Stadtplan und wir beide zogen los. Überquerten die Rhone, bummelten aufs Geradewohl durch die Altstadt, ich holte im Verkehrsbüro Informationen ein und nun schlenderten wir noch über die Saone-Brücke und landeten in der malerischen Altstadt. Das Wetter war herrlich, Sonnenschein, warm, vor der Kathedrale war mittelalterlicher Markt, aus der Kathedrale kamen die Erstkommunionkinder, vor dem Delikatessengeschäft „Epicerie Comptoir“ standen zwei Tische, die bereits besetzt waren und es wurde gerade ein phantastisch aussehender Teller mit Leckereien serviert. Den wollten wir auch haben. Die Besitzerin lotste uns durch das Geschäftchen und stellte uns im Hof – gleichzeitig der Hof vor dem Museum für Miniaturen – einen Tisch parat. In diesem Hof war offensichtlich eine Matinee mit einer guten Sängerin, die sowohl Jazz als auch Chansons sang. Wir waren rund um zufrieden. Unser „Assiette Brunch“ sah nicht nur gut aus, er schmeckte auch gut. Mit dem Auftakt waren wir sehr zufrieden.
Um 15 Uhr konnten wir unsere sehr schöne Kabine auf Deck 2 beziehen. Leider war es jedoch die letzte vor den Motoren und der Lärmpegel entsprechend.

Um 18.30 Uhr fand in der Lounge Bar die Demonstration der den internationalen Vorschriften entsprechende Schiffssicherheit statt. Die Teilnahme ist Pflicht. Auch wurde das Leben an Bord vorgestellt und die diversen Landausflüge erläutert. Ab 19.30 Uhr war Abendessen angesagt. Alle Mahlzeiten finden als Büfett statt und es gibt keine festen Sitzordnungen.
Kann von Vorteil sein, muss aber nicht, da jedesmal die Sitzplatzsuche auf’s Neue los geht.
21.30 Uhr wurde beim Welcome Drink in der Lounge die Mannschaft vom Kapitän bis zum Koch vorgestellt.
Und los ging die Flussfahrt auf der Rhone, die mit 812 Kilometern nach der Loire Frankreichs zweitlängster Fluss ist, sie entspringt in einem Gletscher in 1.800 Metern Höhe über dem Meeresspiegel im Schweizer Kanton Wallis und mündet bei Montreux in den Genfer See, den sie dann bei Genf wieder als Fluss verlässt. Nachdem sie sich an den östlichen und südlichen Ausläufern des Juras entlang schlängelt, wird die Rhone erst ab Lyon für große Passagier- und Frachtschiffe schiffbar.
Nach bereits 30 Kilometern gelangen wir in die Saone, die in den Vogesen bei Viomènil entspringt und nach 482 Kilometern in Lyon in die Rhone mündet.

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Rhone-Flussfahrt Tag 2

Sonntag, 1. Juni 2008
Spaziergang durch Chalon-sur-Saone
Fahrt nach Dijon

Um 7.30 Uhr legen wir in Chalon-sur-Saone an. Bedeckter Himmel. Nach dem Frühstück spazieren wir in die Stadt (ca. 75.000 Einwohner), folgen einer Dame mit großem Einkaufskorb, die uns auch zielgenau zum Obst-, Gemüse-, Käse- und Spezereien-Markt führt.
Bei unserem Rundgang besichtigen wir die ehemalige Abteikirche von St. Pierre aus dem 17. Jahrhundert. Sie wurde in einem eher strengen Barockstil ganz neu aufgebaut (1684-1713) und der Fassadenumbau stammt um 1900. Das Rathaus mit seinem achteckigem Glockenturm stammt zum Teil aus dem 15. Jh. während der pompöse Justizpalast (19.Jh.) und der benachbarte Neptunbrunnen von 1744 moderner sind. Die ehemalige Kathedrale (bis 1790) von St. Vincent (12. – 16. Jh. erhielt im 19. Jh. eine neugotische Fassade und weist darüber hinaus einen prächtigen gotischen Kreuzgang und ein Stiftshaus auf.
Als wichtiger Inlandshafen in der Römerzeit profitierte Chalon-sur-Saone Ende des 18. Jh. vom Bau des Canal du Centre, einer wichtigen Verbindung zu der Industriestadt Le Crusot und der Loire. Die moderne, 350 m lange Brücke über die Saone gilt als die schmalste in ganz Frankreich. Obwohl Chalon eine wichtigte Industriestadt ist, hat es einen gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern mit zahlreichen eleganten Fachwerkhäusern und historischen Gebäuden aus dem 14.-18 Jh. Davon können wir uns überzeugen.
Natürlich hat auch diese Stadt einen berühmten Sohn: Nicphore Niepce, den Erfinder der Phographie. Ihm zu Ehren hat man ein Museum erbaut.
Auf unserem Rückweg zum Schiff müssen wir den Schirm aufspannen. Es regnet.

Auf dem Schiff angekommen, erhalten wir die Nachricht: Wir liegen länger als geplant fest – wie lange ist noch nicht bekannt – da die nächste Schleuse defekt ist und das Ersatzteil angefertigt werden muss.

Nach dem Mittagessen startet um 14 Uhr der Ausflug nach Dijon.
Wir fahren durch Weinberge, über die „Route des Grands Crux“. Wir werden über den Burgunder-Wein aufgeklärt, dass er auf die Römer und Gallier zurückgeht. Bereits aus dem Jahre 312 nach Christi existiert die erste schriftliche Aufzeichnung über Weinberge, hierin fordern die Winzer von Kaiser Konstantin einen Steuernachlass, da die Weinberge in so schlechtem Zustand sind.
Im Jahre 1880 und 1890 setzt hier das Sterben der Reben durch die Rebblattlaus ein. Die Reben mußten ausgerissen werden, da es kein Heilmittel dagegen gab. Die amerikanischen Rebwurzeln erwiesen sich als resistent gegen die Rebblattlaus; so wurden diese eingeführt und man pfropfte französische Weinsorten darauf.
Die letzten Weinberge wurden in dieser Art noch im Jahre 1944 erneuert. (Uns ist ja auch bekannt, dass man in der Pfalz mit dem selben Problem zu kämpfen hatte und es ebenso löste.)
Vom Bus aus sehen wir Charolais-Rinder, die hier aus dem Burgund stammen und die, – wie witzig – die erste Verbindung für die Verschwisterung zwischen unserer Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid und Les Essarts herstellten und nun auch bei uns auf diversen Weiden gesehen werden können. Wir werden von der Reiseleiterin aufgeklärt, dass man diese Rinder, berühmt wegen ihres guten Fleisches, inzwischen in 96 Ländern der Erde gezüchtet.
Ein Fotostopp wird am Renaissanceschloss „Clos du Vougeot“ eingelegt und wir werden aufgeklärt, dass von hier der sehr geschätzte und hoch bezahlte Wein „La Romanee-Conti“ kommt. 1 Jahr im voraus zu bestellen, dann nur im Karton mit 4 Flaschen und die Flasche so um die 3.000 bis 4000 Euro. Na bitte! Prost!

Während der Fahrt sehen wir neben den Weinreben auch viele Sträucher der schwarzen Johannisbeere. Daraus wird der bekannte Cassis hergestellt, der als Grundlage für den Aperitif Kir (mit Weißwein) und Kir royal (Burgunder Schaumwein) dient. Den Namen hat dieses Getränk dem Bürgermeister von Dijon Felix Kir zu verdanken, der das bei den Weinbauern beliebte Getränk Blanc-Cassis bei offiziellen Empfängen im Rathaus ausschenken ließ.

In Dijon verlassen wir den Bus am Jardin Darc. Wir laufen auf die Skulptur eines Eisbären zu, geschaffen von dem Bildhauer Pompon, der diesen zur Herbstmesse 1922 in Paris ausstellte und damit Anerkennung gewann. Das Original steht im Louvre. Somit ist der Eisbär eines der zwei Wahrzeichen von Dijon. Unser Rundgang durch die Stadt führt uns an dem Platz Darcy mit seinem Arc de Trimph vorbei, ein Blick fällt auf das Stammhaus des Dijon-Senfs „Maille“. Wir schlendern über den Platz Francoes Rude, im Volksmund „Platz der rosa Strümpfe“ genannt mit seiner Brunnen- skulptur des Winzers beim Keltern. Da diese Angelegenheit des Kelterns mit nackten Beinen zu geschehen hatte, dies jedoch sonntags nicht schicklich war, zogen die Winzer weiße Strümpfe an und durch das Zertreten der Trauben wurden die Strümpfe rosa – so entstand die volkstümliche Bezeichnung des Platzes.Wir bleiben vor dem Palais des Ducs et des Etas de Bourgogne stehen, lassen uns den Renaissance-Bau Hotel de Vogüe (Herrschaftshaus der Vogües) erklären, schreiten durch einen engen Flur und befinden uns in einem Innenhof mit prunkvollem Wohnhaus, eine Wendeltreppe führt von außen in die anderen Stockwerke des Wohnhauses und oben ziert die Skulptur eines Gärtners mit einem großen Strauß Blumen das Ende der Treppe.
Wir betreten die aus dem 13. Jahrhundert stammende gotische Kirche Notre Dame mit der aus Holz geschnitzten „Schwarzen Muttergottes“ und bewundern an der Fassade die vielen Figuren und Wasserspeier, die teils Tier, teils Mensch sind und die schlechten Eigenschaften des Menschen darstellen sollen.
Wir umrunden die Kirche und sehen einem Künstler zu, der eine in der Wand eingelassene Eule aus Ton nachformt. Diese Eule ist das zweite Wahrzeichen der Stadt Dijon. Wir haben sie bereits auf unserem Stadtrundgang verschiedentlich auf dem Gehweg gesehen und sie führt den Besucher an die sehenswerten Stätten.
Im Laufe des Rundgangs erfahren wir, dass Dijon für fast 500 Jahre die Hauptstadt des mächtigen Herzogtums von Burgund war, bevor es im Jahre 1493 in das Französische Königreich einverleibt wurde. Es ist nach wie vor eine der wichtigsten Kunst- und Kulturmetropolen Frankreichs. Seine Altstadt (97 Hektar) ist der größte städtische unter Denkmalschutz stehende Sektor des Landes.
Natürlich hat auch Dijon einen berühmten Sohn: Gustav Eiffel! Seine Großeltern hießen Böhninghausen und lebten in der Eifel. Als sie nach Frankreich zogen, wandelten sie ihren Namen in Eiffel, mit zwei „f“ um.

Um 17.30 Uhr ist wieder die Rückfahrt nach Chalon-sur-Saone.

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Rhone-Flussfahrt Tag 3

Montag, 2. Juni 2008
Fahrt zum Kloster Cluny

Eigentlich sollte unsere Fahrt ja von Macon aus starten, da jedoch die Schleuse noch nicht repariert ist, erfolgt sie noch von Chalon-sur-Saone mit entsprechend längerer Anfahrt.
Geplante Abfahrt mit dem Bus: 8.15 Uhr, tatsächlich 8.35 Uhr.
Leichter Nieselregen und es hat ganze 15 Grad.
Die Fahrzeit wird ca. 1 Stunde betragen.

Natürlich werden wir im Bus wieder „schlau gemacht“.
Im Burgund gibt es zwei bevorzugte Rebsorten: für den Rotwein den Pinot Noir und Chardonay für den Weisswein. Der Wein wird in 5 Trinkqualitätsstufen eingeteilt usw.
Wir fahren Landstraße und bestaunen wieder die rechts und links der Straße liegenden Weinanbauflächen. Fahren durch beschauliche Örtchen und an malerische Burgen vorbei.
Rechter Hand sehen wir das kleine Dorf Taiz‚ mit ca. 160 Einwohnern, das weltweit bekannt ist durch die Gemeinschaft von Taiz‚ ein ökumenischer Männerorden der 1940 von Frére Roger (bürgerlicher Name: Roger Louis Schutz-Marsauche) gegründet wurde und sich 1949 in diesem Ort ansiedelte. Nach dem gewaltsamen Tod von Frére Roger im Jahre 2005 wird die Gemeinschaft von Frére Alois weiter geführt.

Bei strömendem Regen kommen wir am Kloster an.
Wir steigen den Hang hinauf, und betrachten erstmal ein Modell der ehemaligen Anlage. Heute kann man sich kaum noch vorstellen, dass Cluny vor rund 1.000 Jahren das geistliche Zentrum Europas verkörperte. Die Klosterkirche Cluny war bis zur Fertigstellung des Petersdoms in Rom die größte Kirche der Christenheit. Da sie unter dem Schutz der Heiligen Petrus und Paulus und somit auch Roms stand, war sie von jeder anderen als der päpstlichen Oberhoheit unabhängig. Heute können wir noch die Überreste der fünfschiffigen Kirche betrachten und uns vorstellen, dass im Mittelalter zu Normalzeiten in Cluny etwa 400 Mönche lebten.

Unsere Reiseführerin, die trotz strömenden Regens sehr langatmig die Geschichte des Klosters in monotonem Tonfall vortrug, konnte bei uns keine Begeisterung wecken.
In Kurzform die Geschichte des Klosters:
Das 910 gegründete Benediktinerkloster von Herzog Wilhelm dem Frommen von Aquitanien war Anfang des 10. Jh. Ausgangs- und Mittelpunkt der cluniazenischen Reform. Die Abtei verdankt ihren weitreichenden Einfluss der strengen Beachtung der benediktinischen Ordensregeln von mehr als 1000 Klöstern mit über 10.000 Mönchen.
915 wurde die 1. Kirche, Cluny I, geweiht.
954 wurde die 2. Kirche errichtet, Cluny II.
1088 war die Grundsteinlegung für die 3. Kirche, Cluny III, die am 30. Oktober 1095 von Papst Urban der II. eingeweiht wurde.
Mit Papst Urban II., der 1095 den ersten Kreuzzug ausrief, ging mindestens einer in dieser Hinsicht besonders hervorragender Papst aus dieser Abtei hervor.
Das Kloster wurde zum wichtigsten Träger des Kreuzzuggedankens im Osten und der Reconquista in Spanien.
Von 927 – 1157 wurde Cluny von 7 einflussreichen Äbten regiert, die zugleich Freunde und Ratgeber von Kaisern, Königen, Fürsten und Päpsten waren.
Im Vergleich dazu waren in derselben Zeitspanne in Rom 42 Päpste an der Macht.
Im 16. Jahrhundert führten die Religionskriege wie überall in Frankreich zum Niedergang der Abtei. Obwohl Richelieu und Mazarin als Äbte von Cluny bestellt wurden, gelang es erst durch eine Reform im 18. Jh. der Abtei wieder ihren Glanz zu verleihen.
Diese Bemühungen wurden durch die Revolution von 1789 wieder zunichte gemacht.
1790 erfolgte die Auflösung des Klosters und dies war hier das Ende des geistlichen Lebens. Die ganze Anlage wurde 1798 staatliches Eigentum und an ein Abrissunternehmen aus Macon verkauft. 1810 wurden große Teile der Anlage gesprengt und bis 1823 war das Gelände der Kirche eine große Abbruchstelle.

Glücklich sind wir als wir im trockenen Gebäude eine vor einem Jahr von Studenten fertiggestellte dreidimensionale Videoschau über das ehemalige Kloster sehen können. Phantastisch. Jedoch ärgerlich ist, dass nur in französisch erklärt wird. Weder gibt es Untertitel noch Übersetzungshilfen.
Von unserer Reiseleiterin erfahren wir, dass es sich bei diesem größten Kirchenbau der Christenheit um ein fünfschiffiges Langhaus von 187 m Länge und 2 Querschiffen handelte. Besonders beeindruckend war das Gewölbe mit einer Spanne von 12,20 m bei einer Höhe von 30.48 m. Der Bau hatte 7 Türme, 301 Fenster und ein Chorgestühl mit 225 Sitzen.
Tatsächlich in Augenschein nehmen können wir noch die Reste von 2 Querschiffen und von den 7 Türmen sehen wir noch zwei: den Weihwasserturm und den Uhrturm. Zudem können wir noch barocke Wohngebäude und den gotischen Speicher sehen, in dem 10 Säulen mit wunderschönen Kapitellen von den Chorsäulen untergebracht sind. Auf diesen wird z. B. die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies, die Opferung Isaaks, Allegorische Figuren die Glaube, Hoffnung, Liebe und Gerechtigkeit darstellen und auf einem erkennen wir die diversen Bäume, wie Mandel, Olive, Kirsche und Apfel.

Nach 2 Stunden Besichtigung geht es um 11.35 Uhr wieder zum Schiff zurück.
Bei schönem Wetter wäre man sicher aufnahmefähiger gewesen, aber so waren wir nur nass und durchfroren.
Jedoch die Rückfahrt verlief nicht so glatt. Um 12.00 Uhr fuhr unser Busfahrer einen Parkplatz an und die Reiseleiterin teilt uns mit, dem Busfahrer geht es nicht gut, er kann nicht weiterfahren.
Es wurde ein Herzinfarkt vermutet. Zum Glück kam der zweite Bus von unserem Schiff kurz darauf und in dem war eine Ärztin, die sich um den armen Mann kümmerte. Sie bestand jedoch darauf, dass die Ambulanz gerufen wurde und dies dauerte dann eine gute halbe Stunde. Glücklicherweise war es wohl nur eine Kreislaufschwäche, er konnte jedoch nicht weiterfahren und wir stiegen in den anderen Bus um, in dem wir noch alle Platz hatten.
Zurück auf dem Schiff eine erfreuliche Mitteilung: die Schleuse ist repariert, die Fahrt geht um 14 Uhr weiter.
Den Nachmittag verbringen wir lesend im Bett – um uns aufzuwärmen – haben dabei auch einen schönen Blick aus den großen, bis zum Boden reichenden Fenstern und können so gemütlich die Landschaft an uns vorbeiziehen lassen.

Um 23.30 Uhr passieren wir Lyon. Die beleuchtete Stadt ist ein wunderschöner Anblick!

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Rhone-Flussfahrt Tag 4

Dienstag, 3. Juni 2008
Viviers
Südliche Ardéche

Durch die defekte Schleuse wurde der Fahrplan etwas durcheinander gewirbelt, so dass wir keinen Landgang in Macon bekamen.
Da heute die Sonne scheint, sitzen wir doch tatsächlich mal auf Deck und machen bei einem Blumen-Quiz mit. Die 25 Fragen waren ganz schön knifflig. Nur ein Beispiel: „Vaters etwas klein geratene 2. Frau ?“ = Stiefmütterchen. Immerhin hatten wir 23 richtig.
In Viviers kamen wir um 11.30 Uhr an. Um 11.45 Uhr gab es bereits Mittagessen. Ich nutzte die Zeit bis zur Abfahrt um 13.30 Uhr um im Schnelldurchgang das hübsche Städtchen mit seinen alten Steinhäusern, verwinkelten Gässchen, bis zur Kathedrale oben auf dem Berg zu besichtigen. Da endlich auch die Sonne schien, war das besonders schön.
Über Viviers kann ich nachlesen:
„Trotz seiner bescheidenen Größe von nur 3.000 Einwohnern ist Viviers seit dem 5. Jh. Bischofssitz. Die Kathedrale St. Vincent (12./15. Jahrhundert) dominiert den auf einem Felsplateau gelegenen Kirchenbezirk. Der separat stehende Turm mit seiner Kapelle St. Michael und den niedrigeren Wänden des Mittelschiffs sind romanischen Ursprungs, während der Hauptteil der Kathedrale aus der Gotik stammt (14. Jh.) Die Kanzel wurde im 16. Jh. überschwenglich im Flamboyant-Stil der Spätgotik renoviert. Von hier oben hat man einen schönen Blick auf das am anderen Flussufer gelegene Chatenauneuf-du-Rhone, das von der Ruine der Festung dominiert wird und früher dem Bischof von Viviers gehörte. Er war somit in der Lage, beide Ufer der Rhone zu kontrollieren.
Das Maison des Chevaliers (1546) mit seiner reich verzierten Fassade im italienischen Stil wird von vielen als das prächtigste Wohnhaus der Renaissance in Frankreich angesehen. Der Kontrast zwischen Unter- und Oberstadt und dazu die dramatische Lage am Eingang zum Défilé de Donzère – der einstmals gefährlichsten Rhone-Passage – machen den Reiz des kleinen Städtchens aus. Dank seiner entrückten Lage blieb die Stadt von den Verschandelungen der Industrialisierung verschont und bezaubert die Besucher mit seinem intakten mittelalterlichen Stadtbild.“
Das stimmt!
Und wie heißt es in einer Beschreibung ? Viviers ist seines reichhaltigen Gutes wegen unter Schutz gestellt worden und ist einer der drei Bezirke der Region Rhone-Alpes.“

Pünktlich um 13.30 Uhr geht die Bus-Fahrt Richtung südliche Ardéche los.
Selbstverständlich werden wir im Bus von der örtlichen Reiseleiterin wieder etwas über die Region aufgeklärt. So erfahren wir, dass die südliche Ardéche zu den ärmsten Regionen Frankreichs gehört. Sie hat weder einen Bahnhof, noch einen Flughafen und auch keine Autobahn.
Das Schulsystem funktioniert hier so, dass bereits die Dreijährigen in die Schule kommen und von Montag bis Samstag Mittag ganztags 8.30 Uhr – 11.30 Uhr sowie von 13.30 Uhr bis 17.00 Uhr betreut werden. Jedoch ab nächstem Jahr gibt es samstags keinen Unterricht mehr. Bis zu einem Alter von drei Jahren werden sie in einer Krippe oder von einer Tagesmutter betreut und daher gehen 80 % der 25 bis 40jährigen Frauen ganztags arbeiten. Fremdsprachen werden im Kolleg (ab 10 Jahre) in Englisch, Spanisch, Italienisch und Deutsch unterrichtet.

Wir fahren hier durch eine grüne Region und sehen wir erstmals Olivenbäume und sogenannte „grüne Eichen“, später erfahren wir dass es sich um Steineichen handelt. Wir befinden sich auch in einer sehr ergiebigen Trüffellandschaft. Die Trüffel werden „schwarze Diamanten“ genannt und bringen horrende Preise – für 1 kg werden bis zu 1.000 Euro bezahlt.
Wir nähern uns der spektakulären Landschaft des Tals der Ardéche. In dieser Region hat sich der Fluss im Laufe der Jahrmillionen bis zu 300 Meter tief in den weichen Kalkstein und in den Untergrund gegraben und dabei steile Schluchten und Canons hinterlassen und damit eine der schönsten Landschaften Frankreichs geformt. Zahlreiche beeindruckende Höhlen wurden durch seine Wasser ausgewaschen in denen sich Stalaktiten und Stalagmiten gebildet haben.
Unsere Reiseleiterin erklärt uns auch den Unterschied zwischen einer Höhle und einem Karstloch. Bei einem Karstloch verläuft der Eingang vertikal und bei einer Höhle horizontal. Hier gibt es 700 Höhlen oder Karstlöcher, jedoch nur 7 davon sind zur Besichtigung eingerichtet und zugelassen.
Wir steuern die Grotte von „Madeleines“ mit ihren unterirdischen Sälen an.
Diese Höhle wurde 1887 von einem Hirten entdeckt, der seine verloren gegangene Ziege suchte. Nur mit Holzschuhen und einer Kerze betrat der diese Höhle und bewegte sich auf einer 250 m langen Galerie. Die Größe und Schönheit erschloss sich ihm nicht. Er wahr nur froh, seine Ziege wieder gefunden zu haben.
Erst 1969 wurde diese Höhle zur Besichtigung eingerichtet als man beim Bau einer Straße erneut darauf stieß und einen Tunnel als Zufahrt schuf..
Die Höhle oder auch Grotte trägt den Namen zu Ehren von „Madeleine“ Magdalena, die die Schutzpatronin der Leprakranken war. In der Nähe gab es ein Krankenhaus und man holte aus der Höhle die Tonerde, mit der die Leprakranken arbeiteten.
Die Entstehung der Höhlen in langer Vorzeit geschah als die Hitze der Vulkane mit der Kälte der Gletscher zusammenstieß.
Für uns heißt es zuerst mal Hosenbeine aufkrempeln, denn durch den vielen Regen in den letzten Tagen ist es sehr nass und schlammig und wir begeben uns gespannt auf den Abstieg über viele Treppen. Unterwegs erhalten wir Informationen über den Ausbau der Höhle. Auf dem unteren Plateau angekommen wird es erstmal stockdunkel um uns dann eine Lichtinstallation vorzuführen, die uns den Hirten auf der Suche nach seiner Ziege zeigt, alles untermalt mit der eindrucksvollen Musik von Carl Orff „Carmina burana“, deren Liebhaber wir sind. Der Lichtkegel hellt immer wieder phantastische Gebilde der Stalaktiten und Stalagmiten auf. Phantastisch. Wir haben schon einige schöne Tropfsteinhöhlen gesehen, aber so etwas noch nicht.
Wir fahren entlang der Ardéche und erfahren, dass es hier das Eldorado der Kajakfahrer ist. Über 3000 Kajaks können hier an den verschiedenen Stellen geliehen werden. Die Fahrt auf der Ardéche soll angeblich ungefährlich sein.
Ein Stopp gibt uns die Möglichkeit die Macht des Wasser zu bewundern, die dazu geführt hat, dass sich eine natürliche Brücke gebildet hat.
Die Fahrt hat sich auf alle Fälle gelohnt.

Unser nächstes Ziel ist ein Lavendelproduzent im Ardéche-Gebiet. Wir werden über die 3 unterschiedlichen Lavendelarten aus den verschiedenen Regionen mit ihren unterschiedlichen Wirkungsweisen aufgeklärt. In der Gegend von Nizza wächst der „feine“ oder auch „echte“ Lavendel, der gegen Migräne und Einschlafstörungen helfen soll. Im Süden der Alpen, in Höhen von ca. 800 m, wächst der Lavandin, aus dem Arznei gegen Insektenstichen oder Angina hergestellt wird, in der Ardéche wächst der Lavande aspic, auch „gemeiner“ Lavendel genannt, der ca. 70 % Kampfer enthält und hieraus wird Arnzei gegen Arthrose fabriziert.

Interessant ist der Gang durch das Museum und die anschließende Demonstration der Destillation zur Gewinnung des Lavendelöls und so nebenbei bekommen wir auch noch Tipps, wie wir zu Hause unsere Lavendelbüsche schneiden müssen und wie wir sie vermehren können.

Das mit dem Lavande aspic muss wohl stimmen, denn wir haben von Freunden den Auftrag bekommen, ein größeres Fläschchen dieses „wilden“ Lavande aspic zu besorgen, da es tatsächlich Linderung bei Arthrose bringt.
Wir erstehen für uns lediglich losen getrockneten Lavendel für diverse Kissen für die Kleiderschränke und eine spezielle Knoblauchreibe, die die Reiserführerin im Bus vorstellte und lobte.
Insgesamt ein lohnender, interessanter Ausflug. Leider sind wir in der Jahreszeit zu früh, so dass es unserer Phantasie überlassen bleibt, sich die riesigen Lavendelfelder in Blüte vorzustellen.

Und das Schönste an diesem Tag ? Wir haben schönes Wetter! Sonne !

Um 19 Uhr legen wir ab und um 19.30 Uhr gehen wir neugierig zum separat gebuchten Abendessen, das unter dem Motto „Weinwirtschaft“ läuft und eine Weinprobe beeinhaltet. 28 Personen nehmen daran teil. In der „Day Lounge“, hier essen wir normalerweise täglich, findet das Ganze statt.

Uns hatte gereizt, sich einmal nicht am Buffet zu drängeln, sondern bei einem „Fünf-Gänge-Menu mit passenden Weinen aus der Region“ am Tisch bedient zu werden. Der Restaurant-Chef stellte jeden Gang und jeden Wein sehr wortreich vor. Man kann das Essen aber auch kurz beschreiben. Das Essen war nicht schlecht – aber auch nicht überragend. Die servierten Weine erinnerten an die Hochzeit von Kanaan – nur in umgekehrter Reihenfolge. Der zum Hauptgang gereichte Rotwein war fast nicht trinkbar. Schwamm drüber.

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Rhone-Flussfahrt Tag 5

Mittwoch, 4. Juni 2008
Avignon
Camargue m
it dem Bus

Nachts um 3.30 Uhr erreichen wir Avignon und unser erster morgentlicher Blick – um 6.30 Uhr klingelte der Wecker – fällt auf die Stadtmauer von Avignon. Heute ist die Fahrt in die Camargue angesagt, auf die wir schon sehr neugierig sind.

Um 7.45 Uhr sitzen wir im Bus – wie bei ARD und ZDF: in der ersten Reihe.

Es ist frisch, sehr windig, aber sonnig.
Die Fahrt führt uns durch einen fruchtbaren Landstrich. Viel Wein, Aprikosen- und Kirschbäume, Auberginen und Erdbeeren werden angepflanzt. Die Felder werden durch Zypressen- und Tamariskenhecken vor dem kalten Nord-Ost-Wind, dem Mistral geschützt. Dieser hat jedoch auch sein Gutes: er trocknet die Blätter des Angebauten schnell ab, schützt sie so vor diversen Krankheiten und es muss weniger Chemie zum Einsatz kommen.
Unser örtlicher Reiseleiter klärt uns während der Fahrt über die „La Camargue“ auf:
„Der im Rhone-Delta gelegene, 86 300 ha große Naturpark erstreckt sich über die Gemeinden Arles und Les Stes-Maries-de la Mer, die einzigen Orte darin. Die Camargue ist das Produkt der gegenläufigen und zusammenwirkenden Kräfte von Rhone, Mittelmeer und Winden. Vor etwa 10 000 Jahren reichte das Meer noch bis zum Nordufer des Vaccarés-Sees. Jahrhundertlang wechselte der Verlauf der Rhone (erst seit dem 15. Jh. entstand das heutige Flussbett), die durch mitgeführtes Geröll Wälle zwischen den Sümpfen aufschob, während Küstenströmungen durch Anschwemmungen Lagunen bildete. Alljährlich trägt die „Große Rhone“ etwa 20 Mio. cbm von seinen Ufern losgerissenes Geröll, Sand und Lehm ins Mittelmeer: Während des Zweiten Kaiserreiches (1852-1870) gelang es durch den Bau eines großen Deichs, des Digue la mer und mehrerer Rhone-Dämme, diese Naturkräfte in gewissem Maß unter Kontrolle zu bringen. Indessen schiebt sich die Küstenlinie an verschiedenen Punkten, Pointe de Espiguette, jährlich um 10 – 50 m ins Meer. An anderen Stellen holt sich das Wasser seinen Tribut: Der Faraman-Leuchtturm, der 1840 noch 700 m weit im Landesinneren errichtet wurde, lag schon 1917 im Meer und wurde von Stürmen und Wasser zerstört. Ein neuer Leuchtturm hat ihn ersetzt. Der Ort Les Stes-Maries-de-la-Mer war früher mehrere Kilometer von der Küste entfernt, jetzt musste man zu seinem Schutz Deiche errichten.
Die Camargue wirkt recht einheitlich, lässt sich jedoch in drei Zonen unterteilen:
Die landwirtschaftlich genutzte Zone – im Norden ihres Deltas und an den beiden Mündungsarmen hat die Rhone feines Schwemmland abgelagert, auf dem sich das beste Ackerland befindet. Nach dem zweiten Weltkrieg weitete man die Anbauflächen durch Trockenlegung der Salzsümpfe und Drainage des Wassers erheblich aus. Heute werden in extensiver Landwirtschaft vor allem Getreide, Wein, Obst, Gemüse, Mais, Raps und Futterpflanzen angebaut.
Wir fahren durch die „Kleine Camargue“ und sehen große Felder mit Reis. Hier hat man aus der Not eine Tugend gemacht. Der Reisanbau sollte zunächst nur dem Boden Salz entziehen, um ihn für andere Nutzpflanzen vorzubereiten.
Zwei große Salinen sind in der Camargue in Betrieb, eine im Süden von Aigues-Mortes, die andere südlich von Salin-de-Giraud.
Zwischen März und September wird Meerwasser, das hier 36 g Salz/l enthält, durch große, sehr flache Becken gepumpt, bis nach einer Strecke von etwa 59 km der Sättigungsgrad erreicht ist und Chlornatrium ausfällt. Dies geschieht in 12 cm tiefen Becken (Salzgärten), die sich über 9 ha erstrecken. Von Ende August bis Anfang Oktober, vor der Regenzeit, findet die Ernte statt. Das Salz wird zu 21 m hohen Bergen, den sogenannten Camelles, aufgetürmt, bis es in Fabriken veredelt bzw. zu Brom und Magnesiumsalz verarbeitet wird.
Im Süden des Deltas liegt eine unfruchtbare Ebene. Die Naturlandschaft ist durchsetzt mit Seen, Lagunen und Sümpfen, die durch zahllose Wasserrinnen mit dem Meer verbunden sind. Diese Naturlandschaft bildet ein eigenes Ökosystem, das vor willkürlichen Eingriffen geschützt wird, da die traditionelle Weidewirtschaft erhalten werden soll. Der Boden dieser ausgedehnten Ebene ist rissig vor Trockenheit, weiß durch das ausblühende Salz und nur mit einer kargen Vegetation bedeckt, die im Frühling grün, im Sommer grau und im Winter rot ist. Es sind Pflanzen, die auch salzhaltige Erde vertragen, vor allem die kugeligen Büsches des Quellers, die den wilden Rinderherden als Nahrung dienen.
Wir durchfahren das Gebiet der berühmten Camargue mit ihren angeblich wilden Pferde- und Stierherden. Wir müssen uns jedoch sagen lassen, dass seit dem 19. Jahrhundert diese Tiere hier gezüchtet werden und ausnahmslos alle einen Besitzer haben und mit Brandmalen gekennzeichnet werden. Jedoch, sie leben das ganze Jahr über draussen in diesem riesigen Gebiet. Die Besonderheit der uralten Rasse der Camargue-Pferde ist, sie werden schwarzgrau oder braun geboren und bekommen erst im 5. oder 6. Lebensjahr ihr weißes Fell.
Wir halten an einem Hof und können aus nächster Nähe schwarze Stiere und weiße Pferde betrachten sowie schwarze Schweine. Die Herden (mandes) bestehen im Allgemeinen aus Stieren und Pferden auf einer Weide.
Wir werden aufgeklärt, dass zwei Arten von Stieren gezüchtet werden; die ursprünglich aus Andalusien stammenden und die, die immer schon hier gelebt haben. Sie unterscheiden sich durch ihr Gewicht und die Form ihrer Hörner. Die Stiere der Camargue sind leichter und haben Hörner in der Form einer Lyra, aufrecht, wogegen die andalusischen Stiere schwerer sind und die Hörner nach vorne gerichtet haben.
Unser Reiseleiter erläutert uns, dass hier in der Region zwei Arten des Stierkampfes durchgeführt werden: die bekannte spanische Corrida, hier ist der Torero der Held, der Stier wird getötet. Bei der provencialischen Form bekommt der Stier zwischen die Hörner Karkaden gesetzt und die muss der Stierkämpfer entfernen. Gelingt es ihm nicht, hat der Stier gewonnen, also ist beim provenzialischen Stierkampf der Stier der Held und er wird nicht getötet. Ihm setzt man ein Denkmal, wenn er viele Siege errungen hat im Gegensatz zu den berühmten Toreros Spaniens, die in einem Denkmal verewigt werden.
Wir befinden uns in der Region der Londoge und nachdem wir den Rhone-Arm der „Kleinen Rhone“ überfahren, kommen wir in die „Große Camargue“ und wieder in die Provence.

Im Vorbeifahren sehen wir einen seltenen Purpur-Reiher und einige Kuh-Reiher und wie schön, an den Salzseen: Flamingos. Jedoch ist pures Gegenlicht, so dass ein Fotostopp nicht lohnt. Wir erfahren, dass sich ca. 40.000 Flamingos hier aufhalten. Davon lebt ungefähr die Hälfte ständig hier, während die andere Hälfte hier nur Station auf ihrem Flug nach Afrika macht.
Wir werden verwöhnt: ein Nutria wird ebenfalls gesichtet.
An einer Stelle, an der die weißen Pferde mit ihren braunen Fohlen dicht am Zaun weiden, findet noch ein Fotostopp statt.
Wir nähern uns der Stadt Les-Saintes-Maries-de-la-Mer (die heiligen Marien am Meer) an der Mittelmeerküste, dem vielbesuchten, quirligen Wallfahrtsort der Roma und Sinti, die hier ihre Schutzpatronin, die heilige Sara verehren. Gerade erst am letzten Mai-Wochende war hier das große Fest und das große Treffen.
Bis wir das Städtchen erreichen, erzählt uns unser Reiseführer die Legende:
„In den 30er Jahren des 1. Jahrhunderts kam ein Schiff ohne Segel und Ruder aus Palästina übers Mittelmeer. Auf dem Schiff waren eine ganze Reihe bekannter Persönlichkeiten: Maria Salome, die Mutter der Apostel Johannes und Jakobus, Maria Jakobäa, die Schwerster der Mutter Gottes, mit ihrer dunkelhäutigen Bediensteten Sara, Lazarus und seine Schwestern Marta und Maria Magdalena sowie Maximin, der einer der ersten Bischöfe von Arles wurde. Als sie an Land kamen errichteten sie eine einfache Gebetskapelle zu Ehren der Muttergottes, dann trennten sie sich. Lazarus ging nach Marseille, Maria Magdalena zog sich zur Buße in eine Grotte zurück, Marta ging nach Tarascon, tötete dort ein Ungeheuer, und die beiden Marien blieben mit Sara in der Camargue und wurden am Ende ihres Lebens dort beerdigt. Schon damals gab es das fahrende Volk der Zigeuner, die die Sara zu verehren begannen. So wurde der Wallfahrtsort geboren. Jährlich findet nunmehr das große Treffen statt, das zugleich Familientreffen – mit Hochzeiten und Taufen – von ca. 15.000 Sinti und Roma ist. Sie bleiben 10 Tage. Am 24. Mai wird die Statue aus der Kirche geholt und ins Meer, aus dem sie kam, gebracht und anschließend wieder in die Krypta gestellt. Alle drei, vier Jahre nutzen die Pilger ihr Treffen auch dazu, nach der religiösen Zeremonie ihre Königin zu wählen. Am 25. Mai kommen auch die Leute aus der Camargue dazu und es findet eine 2. Prozession statt, dabei werden die Reliquien der beiden Marien durch den Ort getragen.“
Wir haben 1 1/2 Stunden „Freigang“ und können die Kirche besichtigen, die einer Festung gleicht. Die Reliquien sollten vor Sarazeneneinfällen geschützt werden.
Im Inneren der Kirche muss man sich erst an die Dunkelheit gewöhnen und bis zur niedrigen Krypta vortasten.
Wir machen einen Rundgang bis zum Meer, es ist ewig her, dass wir am Mittelmeer waren, spazieren zwischen den Geschäftsgassen durch, erstehen für uns und unsere Kinder „fleur de sel“, die Salzblume, da unser selbstgeschürftes Salz von Teneriffa zu Ende geht. In einem kleinen Café trinken wir Milchkaffe und probieren Crepes mit Maronenmus. Geht so.
Da wir rechtzeitig zurück sind, treffen wir unseren Reiseführer am Denkmal „Mireille“ das für den Nobelpreisträger in Literatur Fredéric Mistral errichtet wurde. Ich klage dem Reiseführer unser Leid, dass wir durch die Pannen mit den Schleusen nicht nach Arles kommen und er verspricht, ist die Gruppe pünktlich, einen Schnelldurchgang durch Arles mit uns zu machen.

Die Gruppe ist pünktlich, der Busfahrer spielt mit und so werden wir in Arles aus dem Bus gelassen.
Zügig geht unser Reiseführer mit uns durch die Altstadt und erläutert uns, dass 1975 bei Ausgrabungen unter dem „Wintergartern“ die Reste einer keltoligurischen Siedlung gefunden wurden, die im 6. Jh. v. Chr. zu einer Kolonie der Griechen aus Marseille wurde. 123 v. Chr. wurde Arles von den Römern erobert und wurde schließlich unter Constantin (308) Kaiseresitz und war von 395 bis 400 Hauptstadt von Gallien (inklusive Spanien und Britannien). Aus dem bewegten Auf – und Ab der Stadt ist noch hervorzuheben, dass sie im 12. Jh. einen erneuten wirtschaftlichen und politischen Aufschwung durch die Krönung des Kaisers Friedrich Barbarossa zum König von Arles (1178) in der neuen Kathedrale St. Trophime ausgelöst wurde.
Uns blieb nur die Zeit, im Eilschritt vorbeizugehen am berühmten Cafe, das Vincent van Gogh während seines zweijährigen Aufenthalts hier in Arles malte, durch verwinkelte, malerische Gässchen zu „rasen“, staunend vom Platz der Republique auf die Fassade von St. Trophime zu schauen, auf das spätromanische, herrliche Portal, an dem das Jüngste Gericht dargestellt ist. Um die romanische Kirche von innen zu besichtigen, blieb keine Zeit. Ein Blick auf den Obelisk, der aus dem römischen Zirkus von Arles stammt und im 17. Jh. hier aufgestellt wurde um dann den Blick noch auf der klassizistischen Rathausfassade ruhen zu lassen und durch die Eingangshalle des Rathauses mit seinem interessanten flachen Gewölbe (es galt früher als ein Meisterstück der Handwerkskunst) und den diversen Statuen eilten wir hindurch um noch einen Augenblick vor dem römischen Amphitheater (136 m x 107 m, das wahrscheinlich gegen Ende des 1. Jh. entstand und Platz für 26.000 Zuschauer hatte, zu verweilen. Die Arena (69 x 40 m) war von den Zuschauertribünen durch eine Schutzmauer getrennt und von einem Holzboden bedeckt, darunter befanden sich die Maschinerie, die Kulissen und die Käfige der Raubtiere. Im Mittelalter siedelte sich unter den Arkaden, auf den Galerien und in der Arena ein kleiner Ort mit über 200 Häusern und zwei Kapellen an. 1825 begannen die ersten Aufräumungs- und Restaurierungsarbeiten.
Vom Bus aus wird uns noch die Stelle gezeigt, an der das „gelbe Haus“ stand, in dem Van Gogh lebte.
Na, wenigstens haben wir einen klitzekleinen Eindruck von Arles bekommen.

Pünktlich zum Mittagessen waren wir zurück, hatten noch Zeit zum Relaxen – ich: bei heftigem Mistral und Sonnenschein an Deck – mein lieberMann: lesend in der Kabine – bis die nächste „Aktion“: Stadtrundgang durch Avignon um 16.30 Uhr, stattfand.
Wir hatten Glück und mit einem kleinen „Trick“ konnten wir wieder mit dem örtlichen Reiseleiter gehen, der bereits die Vormittags-Tour leitete.

Stadtrundgang Avignon
Papst-Palast

Von der Anlegestelle halten wir uns erstmal Richtung Stadtmauer, wandern durch die Innenstadt am Papst-Palast vorbei auf Rocher des Doms. Auf diesem Kalkfelsen wurde ein hübscher Park angelegt und wir haben von hier oben auf der einen Seite einen guten Blick auf die Rhone und die Brücke Pont St.-Bénézet, die ihre Existenz vermutlich einer himmlischen Vision des Schäfers Bénézet im Jahre 1177 verdankt. Sie ist wohl durch das Chanson „Sur le Pont d’Avignon“ eine der bekanntesten Brücken der Welt. Die früher 900 m lange Brücke verband Avignon mit Villeneuve, wo sie am Fuß des Philippe-le-Bel-Turms endete. Von ihren 22 Bögen stehen heute nur noch vier und auf einem der Brückenpfeiler erhebt sich die zweistöckigte Chapelle St. Nicolas. Ein Stockwerk ist romanisch, das andere gotische.
Spazieren wir hier oben weiter, sehen wir auf der anderen Seite auf den bekannten Ort Chateauneuf-du-Pape, nachdem der bekanntesten Weine des Rhonetals benannt ist und – wie der Name schon sagt – eine päpstliche Residenz war.
Durch den Mistral haben wir eine gute Sicht, aber es ist auch ganz schön ungemütlich und so sind wir nicht böse, als es heißt:
Auf zur Besichtigung des Papst-Palastes, zudem wird es auch Zeit, da um 18.00 Einlass-Schluss ist.
Wir bekommen erstmal Geschichtsunterricht:
„Bis zum Beginn des 14. Jh. blieb Avignon recht unbedeutend. Dann rückte die Stadt für einige Jahrzehnte (1309 – 1377) in den Mittelpunkt der christlichen Welt, als sie während des Schismas (Kirchenspaltung) zum Sitz der Exilpäpste gewählt wurde.

Als der Erzbischof von Bordeaux, Betrand de Got, 1305 als Klemens V. den Papstthron bestieg, nahm er die problematische und gewaltsame politische Situation in Rom zum Vorwand und die Einladung von Philip le Bon an, sich in Frankreich niederzulassen, wo der heilige Stuhl schon seit 1274 die Grafschaft Vernaissin besaß. 1309 zog er feierlich in Avignon ein. Er residierte aber nicht ständig in der Stadt, sondern zog vielmehr die Ruhe des Priorats Groseau bei Malaucéne oder der Burg Montereux bei Carpenteras vor. Sein Nachfolger Jaques Duése, er ging als Papst Johannes XXII in die Geschichte ein, war es, der Avignon definitiv zum Sitz des Papsttums erkor. So wirkten von 1309 bis 1377 sieben Päpste in der Stadt. Benedikt XII. ließ den Palast erbauen, und Klemens VI. erwarb von seiner Vasallin, Königin Johanna von Neapel und Gräfin der Provence, das Gebiet um Avignon.
Im Jahre 1377 kehrte Papst Gregor XI. nach Rom zurück, doch residierten noch bis 1403 Gegenpäpste im Palast. Die Spaltung der Kirche wurde erst mit der Wahl Martins V. und der Absetzung der Gegenpäpste durch das Konzil von Konstanz (1414-1418) endgültig beseitigt.
Nachdem die Päpste Avignon verlassen hatten, regierten Legaten (Gesandte) die Stadt und das Comtat Venaissin. Sie prägten das lockere, recht ausschweifende Leben und ließen zahlreiche Palais nach italienischem Vorbild errichten.
Das Avignon der Päpste veränderte damals ihr Gesicht. Überall entstanden Klöster, Kirchen und Kapellen, prächtige Kardinalsresidenzen. An der 1303 von Bonifatius VIII. gegründeten Universität waren tausende von Studenten eingeschrieben. Der Papst wollte als mächtigster der weltlichen Fürsten gelten.
Zum Schutz vor Neidern und Räubern wurde der Palast zur Festung ausgebaut, die Stadt mit einer Mauer umgeben.
Wir kämpfen uns erstmal durch den Innenhof, der bereits mit Stühlen für die Festspiele von Avignon eingerüstet ist. Dieses 1947 gegründete Festival ist weit über Frankreichs Grenzen hinaus bekannt und zieht Jahr für Jahr die Freunde von Schauspiel, Ballett, Musik und Film in die Stadt.
15 000 qm groß ist der Palast des Papstes. Er besteht aus dem Palais Vieux (Alter Palast) im Norden und aus dem Palais Neuf (Neuer Palast) im Süden, dessen Errichtung fast 30 Jahre in Anspruch nahm.
Die Räume sind gigantisch in ihrem Ausmass. Mit 48 m Länge und 10,25 Breite gehört der Große Festsaal zu den größten Palasträumen. Gobelins schmücken die Wände. Die getäfelte Zimmerdecke stellt das Himmelsgewölbe dar. In der oberen Küche, im Küchenturm, befindet sich ein mächtiger Kamin in Form einer achteckigen Pyramide. Alles ist so riesig. Beeindruckend finde ich das sogenannte „Hirschzimmer“. Das ehemalige Arbeitszimmer Klemens VI., das von italienischen Künstlern mit eleganten Fresken ausgemalt, die Szenen aus Jagd, darunter der Hirsch, der dem Raum seinen Namen gab, Fischerei und Landwirtschaft darstellen. Auch die Holzdecke ist schön verziert. Das hier ist noch alles original.
Wir durchqueren die Sakristei, die in zwei mit Kreuzrippengewölben überspannte Joche unterteilt ist. Im östlichen Joch endete einst die für Innozenz VI. errichtete Brücke, die den Privaten Speisesaal mit der Klementinischen Kapelle verband.
Erwähnenswert ist noch der Konklave-Flügel. Hier wurden tatsächlich Türen und Fenster so lange verschlossen, zugemauert, bis ein neuer Papst mit Zweidrittelmehrheit gewählt worden war.
Um alle Räume zu beschreiben die wir durchwanderten, ist ein eigener Bericht anzufertigen. Darum jetzt: Kurzschluss!

Um 19.15 Uhr stehen wir wieder auf der Straße und wandern auf dem Weg zum Schiff noch an diversen Sehenswürdigkeiten vorbei: Die Kirche St. Pierre mit prachtvollen Türen, interessant ist die Markthalle – die Frontseite komplett begrünt -, in der Rue de la Balance stehen alte Adelshäuser neben modernen Gebäuden mediterranen Stils, der Plaqce de l’Horloge mit seinem Rathaus, dem Uhrturm und noch einer von vielen Kirchen. Und, und, und

Zum Barbecue an Deck sind wir um 19.30 Uhr eingeladen. Nett gedacht, jedoch es ist so kalt und windig, dass man nur hoch gehen kann und sich etwas vom Grill holen und unten in der Day Lounge essen kann. Jedoch, da der Wind so weht, ist es auf den kalten Tellern, bis man unten ist, total kalt.
War wohl nix!
Ab 21.30 Uhr konnten wir uns auf dem „Sonnendeck“ von französischen Chansons verzaubern lassen. So gut hätte bei dieser Kälte gar nichts sein können, dass man es für längere Zeit ausgehalten hätte. Nach 2 Stücken zogen wir es vor, noch einmal in die Altstadt bis zum Place d’Horloge zu spazieren, diesen zu umrunden und in der Nähe einen Kir zu uns zu nehmen. Aber bei allem müßte es halt wärmer sein.

Auf alle Fälle war es war ein äußerst interessanter Tag!

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Rhone-Flussfahrt Tag 6

Donnerstag, 5. Juni 2008
Nimes

8 Uhr ist die Abfahrt, das heißt wieder Wecker stellen.
Mein lieber Mann hat von vorneherein abgewunken, nicht noch eine Stadt. Er wollte gemächlich durch Avignon bummeln.
Nach 45 Minuten sind wir in Nimes und der Busfahrer quält sich durch den dichten Verkehr bis zum Jardin de la Fontaine. Hier werden wir aus dem Bus entlassen und gehen durch ein majestätisches Gitter in die barocke Parkanlage des 18. Jh. am Fuße der Ausläufer des von der Tour Magne gekrönten Mont Cavalier. Die keltische Nemaususquelle, aus der das in den umliegenden Kalkhügeln der Garrique eingesicherte Regenwasser wieder zu Tage tritt, war ein Quellheiligtum.
In der gallorömischen Epoche umfasste dieser heilige Bezirk außer der Quelle ein Theater, einen Tempel und Thermen. Wir wenden uns der Ruine des römischen Temple de Diane zu. Er wird zwar Dianatempel genannt, seine wirkliche Funktion ist jedoch unbekannt.
Auf unserem Rundgang macht uns die Reiseleiterin auf die diversen Phylone aufmerksam, die das Stadtwappen von Nimes zeigen: ein an eine Palme angekettetes Krokodil.
Wir kommen an das Carrè d’Art. Dieses imposante Gebäude, das Sir Norman Forster als Heimstätte für die Mediathek und das Städtische Museum für zeitgenössische Kunst entwarf, erhebt sich gegenüber dem Maison Carrè, deren schlichte Linienführung sowie einige architektonische Elemente übernommen wurden. Diese Verbindung erschließt sich mir nicht so klar, da das Maison Carrè‚ eingerüstet ist.
Bei dem Maison Carrè handelt es sich um den besterhaltenen römischen Tempel überhaupt. Er wurde Ende des 1. Jh. v. Chr. unter Kaisere Augustus nach dem Modell des Apollotempels von Rom errichtet. Der einst von einer offenen, schön verzierten Säulenhalle umgebene Forumsplatz diente wahrscheinlich dem Kaiserkult und war den jung verstorbenen Enkeln des Augustus, Caius und Lucius, geweiht.
Von hier biegen wir in die schmale Rue de l’Horloge ein und kommen auf auf die Rue de la Madeleine, die Hauptgeschäftsstraße. Das Haus Nr. 1, mit seinem schönen Fassadenschmuck, ist das älteste Haus der Altstadt. Von hier ist es nicht weit bis zum Place aux Herbes und wir betrachten die Fassade von der Cathèdrale Notre-Dame-et-St-Castor mit seinem romanischen Fries mit Szenen des Alten Testaments.
Vor dem Amphietheater erhalten wir 10 Minuten „Freigang“. Ratzefatz erstehe ich in einem hübschen Geschäft für unsere Enkelin und mich Nickitücher im Provencestil und lege einen Sprint hin, um einen Blick in das Amphitheater zu werfen. Später kann ich nachlesen, dass dies wahrscheinlich aus der gleichen Zeit (Ende 1. Anfang 2. Jh.) stammt wie das von Arles und auch ähnliche Dimensionen hat und zu den besterhaltenen römischen Theatern gehört. Eine Besonderheit: An seinem oberen Rand sind noch durchlöcherte Kragsteine zur Aufnahme der Masten für das Sonnensegel zu sehen. Außen ist das Bauwerk in zwei übereinanderliegende Arkadenbögen gegliedert, mit jeweils 60 Arkaden, darüber liegt das Attikageschoss. Das können wir vom Bus aus noch betrachten und bekommen es auch noch erklärt.
Im Bus ärgere ich mich noch über die örtliche Reiseleiterin und mich, dass ich ihr nicht Kontra gegeben habe: sie erklärt, dass sie 1 Jahr in München war, um deutsch zu lernen. Da man da aber nicht deutsch spricht, hat sie einen italienisch Kurs gemacht. Da fällt mir nichts mehr ein.

12.45 Uhr sind wir zurück und ich werde schon von meinem Mann erwartet, der sich wegen des scharfen Mistrals damit begnügt hatte ein Stück an der Rhone entlang zu spazieren, den kleinen „Wasserbewohnern“ zuzusehen und Fotos von der berühmten „Pont de Avignon“ zu machen.

Um 14 Uhr heißt es Leinen los und die Fahrt geht retour nach Lyon.

Den Nachmittag verbringen wir lesend, saunierend und ich beteilige mich am Quiz in der Lounge mit Fangfragen und mit der Unterstützung meines lieben Mannes sind alle richtig beantwortet. Wir sind immerhin 4 von vielleicht 60 die es geschafft haben und erhalten dafür ein A-ROSA-Band für Schlüssel.

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Rhone-Flussfahrt Tag 7

Freitag, 6. Juni 2008
Vienne
Stadtrundfahrt Lyon
Lichterfahrt Lyon

Heute Morgen legen wir in Vienne an und um 8.30 Uhr startet von hier aus unsere Stadtrundfahrt durch Lyon. Unsere heutige örtliche Reiseleiterin läßt es sich nicht nehmen, uns ausführlich über Vienne zu berichten, dass es sich um die Hauptstadt des keltischen Allobroger Stamms handelte und dass während der Herrschaft von Augustus (31 v.Chr. bis 14 n.Chr.) die Wichtigkeit dieser Siedlung durch den Bau einer Verteidigungsmauer und den Tempel von Augustus und Livia betont wurde. Dieser Tempel soll das am besten erhaltene romanische Gebäude Frankreichs sein. Da jedoch noch nicht einmal ein Stopp hier gemacht und nichts besichtigt wird, möchte ich auch gar nicht weiter auf die tolle Stadt Vienne eingehen.

Mit Lyon verhält es sich da schon anders. Mit ca. 1,35 Mio. Einwohnern ist sie die zweitgrößte Stadt Frankreichs und hat eine stolze Geschichte die sich über 2000 Jahre erstreckt. Die Stadt wurde 43 vor Christus als Lugdunum von den Römern gegründet und wurde später die Hauptstadt Galliens. Obwohl Lyon sich bereits im Mittelalter großer Bedeutung rühmte, erreichte es erst im 16.-17. Jh. seinen absoluten Höhpunkt als es sich auf den Bereich der Seidenspinnerei und auf das Druckereiwesen spezialisierte.
Auf dem Weg zu unserm ersten Stopp, oben auf dem Hügel Fourviére, fahren wir an dem römischen
Theater vorbei, wo wir die Vorbereitungen für ein am Wochenende stattfindendes Spektakel betrachten

können. Oben angekommen haben wir – unter Regenschirmen hervor – einen guten Überblick über die Stadt zwischen Rhone und Saone mit ihren vielen Brücken und können uns schon einmal an den herausragenden Gebäuden etwas orientieren.
Wir sehen den Place Bellecour, der mit einer Fläche von 319 m mal 20 m einer der größten in Frankreich ist. Hier gibt es auch ein Verkehrsbüro, in dem ich mir am Samstag Informationen holte. Die Besonderheit: ein großes Touristenbüro und niemand spricht deutsch und englisch sehr eingeschränkt!
Wir sehen auf Cathedrale St. Jean, die im 12. bis 15. Jh. erbaut wurde und wir ebenfalls am Tag unserer Ankunft das Glück hatten, davor einen mittelalterlichen Markt und den Auszug der Kommunionkinder zu erleben.
Weiter werden wir auf den Platz vor dem Rathaus aufmerksam gemacht, daneben befindet sich das
Museum „Beaux-Arts“ und dahinter ragt der moderne Aufsatz des Opernhauses auf.

Zu Entstehung der Basilika Notare Dame de Fourvière, die 1872-96 errichtet wurde, ist zu berichten: 1870 erbitten die Lyoner und ihr Erzischof die Fürsprache der Jungfrau, um zu verhindern, dass die preußischen Armeen in die Stadt eindringen. Diese Bitte wird erhört und als Dank beschließt man den Bau der Basilika.

Hiervon gibt es mehrere Besonderheiten zu berichten: Sie ist eine Kirche, die nur Maria geweiht ist. Man wird – lt. Reiseführerin – kein einziges Kreuz darin finden. Es ist eine private Kirche, die nicht der „Kirche“ gehört und auch heute noch von Privatleuten, bzw. einem großen Chemiekonzern in Stand gehalten wird. Kann man sagen, es ist eine „stillose“ Kirche, da sich byzantinische, romanische und gotische Elemente
vermischen? Boden- und Wandmosaiken – zwei dieser großen Mosaike, auf der Linken Seite der Kampf der Christen gegen die Türken und auf der rechten Seite der Einzug von Jean d’Arc – erklärt uns unsere Reiseleiterin. Vielfarbiges Fensterglas, bunter Marmor, Holzschnitzereien, Stuck, Säulen und Säulchen. Wie heißt es so schön: „Es gibt tatsächlich kein Fleckchen, das zu zieren man vergessen hätte.“

Wir freuen uns schon auf den Bummel durch die pittoreske Altstadt. Wir werden am Saone-Ufer vor dem Justizpalast aus dem Bus entlassen und spazieren in das Alt-Lyon „Vieux Lyon“. Wir betrachten pittoreske Gebäude, kommen in Innenhöfe, in die wir uns am Samstag alleine nicht hineingetraut hätten, da wir annahmen, das ist privat. Und wir „trabulieren“. Das will heißen, dass die zahlreichen Quergassen, „Traboules“ genannt, vom Lateinischen: „trans ambulare“ = hindurchgehen , eine echte Besonderheit der Altstadt von Lyon ist.
In Ermangelung von ausreichend Platz für ein Straßennetz wurden Dutzende dieser quer zur Saone verlaufenden Gassen angelegt, die durch spitzbogige Gänge mit vielen Gebäuden, Innenhöfen und Galerien im Renaissancestil führen. So „trabulierender-weise“ gelangen wir wieder zum Bus, um die Stadtrundfahrt fortzusetzen.
Wir fahren wieder über die Saone und an ihrem anderen Ufer – mit den „Verkaufskisten“ der Buchhändler vorbei – retour. Betrachten unterwegs die Illusionsmalerei an den diversen Häusern, fahren an der Markthalle vorbei und steigen am Place des Terreaux aus, um gleich neben dem Rathaus die Werkstätte einer Seidenweberei zu besichtigen. Wir bekommen demonstriert wie die Seide bemalt wird und im oberen Stockwerk die Entstehung von Schals in Pannesamt und Seide – doppelt gewebt – entsteht.
Wir haben danach noch etwas Gelegenheit einen Blickzu werfen auf den Bartholdi Springbrunnen, der eigentlich 1887 für die Stadt Bordeaux geschaffen wurde und die Garonne mit ihren Nebenflüssen darstellt. Bordeaux weigerte sich, ihn zu kaufen. Das Modell wurde auf der Weltausstellung 1889 gezeigt und von Dr. Gailleton, dem damaligen Bürgermeister, bemerkt und erworben, zu einem Gelegenheitspreis.
Ein paar Schritte weiter kann man den schönen ehemaligen Klostergarten vom Palast St. Pierre betrachten. Hier ist das Museum der Schönen Künste untergebracht.
Von hier aus geht es direkt zum Schiff retour.

Den Nachmittag verbringt mein lieber Mann lesend auf dem Schiff und ich wandere in ca. 20 Minuten nochmal zurück in die pittoreske Altstadt, um auch einmal einen Bummel durch einige der
hübschen Geschäftchen zu machen. T-Shirts für die Enkelkinder und für mich einen Schal, das ist das Ergebnis des Streifzuges. Zudem entdecke ich noch einige hübsche Innenhöfe.

Abends um 21.30 Uhr findet die Lichterfahrt statt.
Vom Veranstaltungsleiter werden wir darauf aufmerksam gemacht, doch Badelaken und die Wolldecke aus der Kabine mitzunehmen, da es auf dem offenen Doppeldeckerbus doch recht frisch werden könnte.
Wir sind 16 Personen, die sich das mit großer Erwartung antun, da Lyon auch als Stadt der Illumination betitelt wird und 200 Denkmäler, Sehenswürdigkeiten und Brücken indirekt angestrahl werden.
Im Grunde genommen ist die Rundfahrt identisch mit der Tagestour. Zuerst hoch zur Basilika
Notre-Dame-de-Fourviére. Zwanzig Minuten haben wir Zeit, die beleuchtete Stadt von oben zu
betrachten. Zugegeben: etwas enttäuschend. Vielleicht liegt es aber auch an uns, da wir Moskau bei Nacht noch in guter Erinnerung haben und davon begeistert waren.
Ja, mehr muss ich darüber gar nicht berichten, da wir die Sehenswürdigkeiten, die wir bereits tagsüber bei der Rundfahrt gesehen haben, nun illuminiert sehen.
Nach 1 1/2 Stunden kommen wir total durchgefroren wieder an Schiff an. Eine heiße Dusche soll die
Lebensgeister wieder wecken.

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Rhone-Flussfahrt Tag 8

Samstag, 7. Juni 2008
Lyon
Rückflug Lyon-Frankfurt
ICE-Fahrt Frankfurt-Siegburg
Pkw-Fahrt Siegburg-Neunkirchen

Frühstück um 8 Uhr, mal kein Wecker, Koffer um 9 Uhr vor die Türe und was nun? Es regnet! Um 12.30
Uhr findet der Transfer zum Flughafen statt.
Mein lieber Mann beschließt: Bei dem Wetter spaziere ich nicht nocheinmal durch Lyon: “ Ich lese“.
Da ich meine zwei Bücher schon aus habe, beschließe ich noch die Markthallen von innen zu
besichtigen und wenn noch Zeit bleibt, das Museum der Schönen Künste zu besichtigen. Inzwischen kenne ich mich ja gut im inneren Kern von Lyon aus und bin nach ca. 20 Minuten in den Markthallen. Wunderschön. Ganz edel. Wahnsinns Angebot, aber auch zum Teil Wahnsinns-Preise.
So, die Zeit reicht noch für das Museum. Also wieder über eine der vielen Brücken, diesmal die Pont Lafayette, an der Börse vorbei, dem Opernhaus, dem Rathaus und schon bin ich da. 6 Euro Eintritt, eine kurze Orientierung, was ich mir ansehe und auf in den Saal mit den Künstlern des 20.Jahrhunderts. Auf dem Weg dorthin bleibe ich bewundernd vor einem Bildnis von Louis Janmot (vorher noch nie etwas von ihm gehört) stehen. „Fleur des champs“ von 1845.
Das Museum umfaßt neunzig Säle und es soll eine äußerst bedeutende Sammlung französischer,
italienischer, spanischer, flämischer und holländischere Malerei untergebracht sein.
In „Chapell“ befinden sich die Skulpturen. Vergeblich suche ich nach wenigstens einer von Camille Claudel, viele jedoch von Auguste Rodin. Ich empfinde das sehr ungerecht!

Auf meinem Rückweg zum Schiff komme ich an einer Skulptur vorbei die die Rhone und Saone darstellt. Da erinnere ich mich an die Ausführung der Lyoner-Reiseführerin, die sie bei unserer Fahrt von Vienne nach Lyon beim Zusammenfluss, 30 km vor Lyon, zu den beiden Flüssen machte: „Die Deutschen sagen ja „die“ Rhone. In Frankreich heißt es „der“ Rhone, also männlich, so wie der Fluss ist: wild, stark, unberechenbar, launisch. Im Gegensatz zur „die Saone“, die auch im französischen „die“ heißt: anschmiegsam, lieb, geduldig usw.“

Um 12 Uhr bin ich zurück und nun kommt noch das letzte Abendteuer dieser doch pannenreichen Reise.

Der Bus steht um 12:30 bereit, um uns mit weiteren ca. 28 Gästen zum Flughafen zu bringen. Alle sind pünktlich und der Busfahrer startet am Quai entlang, um nach etwa einem km festzustellen, dass er dort keine Chance hat, vom Quai auf die Straße zu kommen. Also im Rückwärtsgang – wenden ist nicht möglich – zurück. Einige Damen geraten in Panik, da sie den Eindruck haben, der Bus könnte in die Rhone stürzen. Halt. Allgemeines Aussteigen. Nach einem kurzen Stück steigen die meisten – auch wir – wieder ein und nach einigem Rangieren erreichen wir, mit fast einer halben Stunde Verzug, die Straße. Nun folgt die Aufregung: „Erreichen wir rechtzeitig den Flughafen ? Wer verständigt die Lufthansa ?“ Wir waren rechtzeitig am Flughafen – nur hatte unser Busfahrer keine Ahnung, wo er denn Fluggäste abzuliefern habe. Nach einigen Irrungen und Wirrungen entschied er sich gegen die Fahrtrichtung eine Rampe hochzufahren und uns dort aussteigen zu lassen. Das war nicht einmal ungünstig für uns. So waren wir recht schnell bei den Abfertigungsschaltern.

Um 14.55 fliegen wir mit der Deutschen Lufthansa nach Frankfurt, landen um 16.25 Uhr.

Die Gepäckausgabe ist super schnell und wir gehen zum Flughafen-Bahnhof.

Um 18.09 Uhr fährt der ICE 104 nach Siegburg, Ankunft 18:47 , quer über die Straße ins Parkhaus zu unserem Auto und kurz nach 19 Uhr sind wir froh, wieder zu Hause zu sein.

Fazit:

Wir haben viel gesehen, jedoch das Geruhsame der Flusskreuzfahrt – wie wir es von Petersburg nach Moskau und mit Hurtigrouten von Bergen nach Kirkenes empfunden haben – war hier nicht gegeben.
Einmal, die täglich Platzsuche im Restaurant, dann, ständig den Wecker stellen um rechtzeitig bei den Landausflügen parat zu sein. Und natürlich das schlechte Wetter mit Kälte und Regen beeinträchtigte die Reise sehr.
Ich denke, wir werden erstmal eine längere Pause mit Flusskreuzfahrten machen.

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La Palma 2002

Samstag, 9. März 2002

Der Wecker riß uns um 06:00 in unserer Ferienwohnung in Chayofa (Teneriffa) aus dem Schlaf und nach einem Minifrühstück fuhren wir um 07:00 hinunter zum Hafen. Irmgard besorgte die Bordkarten und ichHafen Los Cristianos versuchte ein paar Fotos vom erwachenden Los Cristianos zu machen.
Es ging zügig an Bord und 08:05 legte die Fähre Vor Los Cristianosab. Nach ein paar weiteren Fotos habe ich mich aber dann auch lieber nach drinnen verzogen, da es ziemlich windete und die Schiffsbewegungen dort, wo wir uns Plätze gesichert hatten, relativ gut zu verkraften waren. Ganz unplanmäßig machte die Fähre im Hafen von La Gomera einen Zwischenstopp, so daß wir statt um 12:00 erst um 13:00 in Santa Cruz de La Palma von Bord rollen konnten.la palma
Wir nahmen die Route nach Süden und legten nach nur 1/4 Stunde bereits einen Halt in Mazo ein, wo laut Irmgards Reiseführer Samstags und Sonntags ein Bauernmarkt stattfinden sollte.
Wir hatten Glück, daß noch einige Stände offen hatten, denn eigentlich war bereits Mittagspause. So konnten wir etwas Obst uns Käse erstehen. Außerdem gab es für Irmgard eine schöne, einbruchsichere Umhängetasche aus weichem schwarzem Leder. Von Mazo ging es weiter nach Am KraterFuencaliente, wo wir zunächst zum Vulkan Antonio fuhren und diesen nach einem Besuch im Visitor-Center auf dem Kraterrand zur Hälfte umwanderten. Bis vor einiger Zeit konnte man den Krater wohl ganz umrunden, doch hat man die zweite Hälfte inzwischen durch eine massive Mauer abgesperrt. Der Blick in den Krater, der sehr beeindruckend war, löste bei Irmgard irgendwelche seltsamen Gefühle aus. Fast als fühle sie sich hinabgezogen. Leider können die Fotos, die ich machte, die Eindrücke nur unvollkommen wiedergeben.
Es ging gleich weiter zur nächsten dortigen Attraktion, dem Vukan Teneguía, der erst 1971 ausgebrochen war und damals viele Auf dem VulkanWissenschaftler und Schaulustige angelockt hatte. Der Teneguía hat damals ca. 300.000 m³ Lava ausgespuckt, die sich zum Teil sehr spektakulär ins Meer ergoß und damit die Fläche der Insel vergrößerte. Wir sind über eine Schotterstraße bis zum Fuß des Vulkans gefahren und haben ihn auch zum Teil bestiegen. Irmgard hat immer wieder – für sie leider vergeblich – nachgefühlt, ob es nicht noch warme Gesteinsstellen gäbe.
Da ich Wert darauf legte, nicht allzu spät beim Hotel anzukommen, fuhren wir nun fast ohne Zwischenstopp nach Puerto Naos. Da der Zufahrtshinweis zum Hotel wegen Straßenauarbeiten nicht erkennbar zur Seite gelegt worden war, fuhren wir zunächst in den Ort und stellten dann fest, daß das Hotel von dort aus mit dem Wagen nicht zu erreichen war. Wir haben die richtige Zufahrt dann aber doch gefunden, einen Parkplatz gleich bei der Rezeption ergattert und dann unser Appartement bezogen. Berauschend war das nun für den geforderten Preis  wirklich nicht. Für unser Frühstück (nicht nur :-)) sind wir in den Ort gegangen und haben Wein und Wasser eingekauft. Bei Gino Ginelli gab es auch noch ein Eis. Zurück im Appartement mußten wir feststellen, daß der Kühlschrank nicht funktionierte. Da an der Rezeption ziemlicher Andrang war, als wir zum Abendessen den nächsten Gang in den Ort machten, verschoben wir die Reklamation bis zu unserer Rückkehr.
Die Suche nach einem Restaurant, wie wir es uns vorstellten, gestaltete sich etwas schwierig und schließlich landeten wir im „Don Quichote“ auf der Terrasse. In Wirklichkeit war das wohl eine gute Wahl gewesen. Irmgard kam hier endlich dazu, einmal Merluza (Seehecht) zu essen und war wirklich hoch zufrieden, ich hatte Spanferkel bestellt und konnte auch nicht klagen. Später hat Irmgard irgendwo gelesen, das „Don Quichote“ als das beste Restaurant von Puert Naos gilt.

Sonntag, 10. März 2002

Gegen 07:00 waren wir beide wach. Irmgard war es kalt geworden und sie suchte verzweifelt ihren Bademantel – erfolglos und nahm dann meinen. Mein Versuch zum Frühstück Tee zu bereiteten scheiterte zunächst daran, daß ich nicht in der Lage war, Wasser zu kochen, da die Kochplatten nicht funktionierten. Meine/unsere Suche nach einem Zentralschalter o.ä. blieb erfolglos. Den Tee habe ich dann in der Kaffeemaschine bereitet. Als Irmgard dann irgendwo las, daß aus Energiespargründen der „Zimmer-Chip“ bei der Zimmertüre einzuführen sei, um die Einheit mit Strom zu versorgen, ging ich nochmals auf die Suche. Wir hatten zwar keinen Zimmer-Chip sondern einen ganz normalen Schlüssel, aber ich fand bei dieser Suche den Sicherungskasten und sah, daß ein Schalter auf „aus“ stand. Nach Betätigung des Schalters funktionierte – oh Wunder – sowohl der Kühlschrank als auch die Kochplatten.
Nach dem Frühstück fuhren wir los. Ich hatte die Nordroute – in unserem Reiseführer als Route 3 beschrieben – vorgeschlagen. Über Todoque, La Laguna nach Los Llanos. Auf dem Weg zum Mirador El Time machten wir dann bei der kleinen Kirche „Nuestra Señora de la Agustas“ einen 119-1932_wAbstechen nach Puerto de Tazacorte und – da wir einmal in der Ecke waren – nach Tazacorte. In Tazacorte nahmen wir uns auch Zeit für einen kleinen Spaziergang und ein paar Fotos. So auch das Panorama von der Promenade aus über die Bananenplatagen.
Weiter ging es über viele Serpentinen in die Höhe Richtung Mirador El119-1933_img Time. Unterwegs waren wir von einer „Geranien-Wand“ so begeistert, daß ich anhielt und ein Stück zurückging, um ein Foto zu machen. Nach einem kurzen Stopp beim Mirador, von welchem aus man die komplette Ostküste Richtung Süden sehen kann, fuhren wir weiter. Hier und da versuchten wir einen Abstecher ans Meer zu machen bzw. auf diesem Wege einen malerischen Ort zu finden, waren dabei ohne nennenswerten Erfolg. Lediglich bei Puntagorda fanden wir hochinteressante „Säulen-Pinien“ – ein hoher Stamm, nur in einem Durchmesser von vielleicht einem knappen Meter begrünt. Später haben wir gelesen, daß Pinien, die von einem starken Brand heimgesucht wurden, nach zwei Jahren so aussehen. Nach einer langen Fahrt über eine Nebenstraße (?), die durch offensichtlich unbewohnte Gegend führte, kamen wir nach Santa Domingo de Garafia. Nach einer PflichtgemäßenKirche in Garafia Besichtigung der Kirche stärkten wir uns nach unserem etwas dürftigen Frühstück mit Milchkaffee und Bocadillos mit Käse und Schinken in bzw. vor der „Taberna Santi 16“.

Im Reiseführer hatte Irmgard gelesen, daß es kurz vor dem Ort einen Abzweig zum Friedhof gebe, von wo aus man über einen Trampelpfad zu den Petroglyphen von El Calvario komme: Felsblöcke mit eingritzten Spiralmustern, die den Altkanariern wahrscheinlich als Kultplatz dienten. Wir haben den Friedhof gefunden, nicht aber den Trampelpfad oder irgendeinen Hinweis. Wir sind Mini-Insel bei Garafiadie Holperstrecke ein gutes Stück weitergefahren und wurden mir herrlichen Ausblicken auf tolle Felsen ganz vorne im Meer- fast kleine Inseln – belohnt. Hier mußte ich einfach ein paar Bilder machen.
Unsere Fahrt ging dann weiter – oder besser wieder hoch – nach Llano Negro von wo aus wir nach kurzer Zeit Fuente de la Zarza, eine archäologische Fundstätte mit Besucherzentrum erreichten. Im Besucherzentrum sahen wir uns zunächst ein gut gemachtes und aufschlußreiches Video (in deutscher Sprache) an, in welchem versucht wurde zu den unterschiedlichen Formen – Spiralen, Wellen etc. – die dort Kultische Zeugen ?in die Felsen geritzt sind, Erklärungen zu geben. Tatsächlich ist man bis heute auf Vermutungen angewiesen und man nimmt an, daß diese „Felsgravuren“ kultische Bedeutungen hatten. Anschließend machten wir einen Spaziergang in herrlicher botanischer Umgebeung zu den Funden. Für den Rundgang sollte man – auch je nach Interesse – eine halbe bis eine Stunde einplanen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Uns haben die Gravuren zwar genau so wenig sagen können wie den Archäologen, aber es war interessant und der Gedanke, daß diese vermutlich mehr als 1000 Jahre alt sind, macht es richtig spannend.

Eigentlich sollte die Tour – wenn man sich an den Reiseführer hält, wozu ich nun wirklich nicht immer neige – jetzt nach El Tablado gehen und dort enden bzw. von dort zum Hotel zurückgehen. Wir entschieden uns gegen El Tablado (wir sind wirklich nicht dort gewesen :-)) und dafür unsere Fahrt zu einer Rundfahrt zu gestalten, d.h. weiter bis Santa Cruz und von dort zurück nach Puerto Naos.
Somit war unser nächstes Ziel der Lorbeerwald von Los Tilos. Hinter Los Wald von TilosSauces  geht es in ein sehr enges Tal. Da, wo viele Autos parkten, parkten wir auch und sahen uns um. Von dort geht ein Wanderweg los. Da die Wanderung aber mehrere Stunden beansprucht, verzichteten wir darauf und fuhren noch ein kleines Stück weiter bis zum dortigen Besucher- und Informationszentrum, welches aber eigentlich nicht viel zu bieten hatte. Wir sind dann eigentlich nur ein ganz kurzes Stück von dort aus spaziert. Dabei hörten wir ein Vogelkonzert, wie wir es beide noch nie in der Natur erlebt hatten. Dies alleine hat den Abstecher unbedingt gelohnt.

Und dann – dann hatten wir so richtig Hunger !

Ich hatte nach der Karte San Andres ausgesucht, weil ich einfach von der Lage her erwartete, dort etwas nettes zu finden. Haben wir auch. Drei große Ausflugsbusse, die ihre Fracht in die Gassen und Restaurants von San Andres entlassen hatten. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Ohne die Touristenmassen ist dies bestimmt ein wirklich netter Ort, aber so nichts für unsere Vorstellungen. Somit fuhren wir in den Nachbarort Puerto Espignola, wo es laut Reiseführer (mal wieder) ein gutes Fischrestaurant geben sollte. Wir haben das Restaurant auf Anhieb gefunden (der Ort hat kaum mehr als 10 Häuser) und tatsächlich, da gerade eine Familie aufbrach, einen Tisch auf der schmalen Terrasse im 1. Stock ergattert. Irmgard war sehr beunruhigt, weil unsere Tankuhr bei fast 500 gefahrenen km immer noch einen halb vollen Tank anzeigte. Als ich – während wir auf unseren Fisch warteten – die Karte wegen der Weiterfahrt aus dem Wagen holte, habe ich einmal den Tankverschluß geöffnet, um einen möglichen Unterdruck abzubauen. Das hat Irmgard von unserem Tisch aus dokumentiert.

Mit dem Essen waren wir wirklich zufrieden
und sind dann gut gesättigt zu unserer für diesen Tag letzten Teilstrecke aufgebrochen. Bei Santa Cruz wäre Irmgard zwar sehr gerne die Schleife über Las Nieves gefahren, aber wir haben die Abzweigung beide nicht gesehen und waren dann plötzlich schon in Santa Cruz. Von dort haben wir die Strecke Richtung El Paso gewählt. Als nach einer Weile ein Tankstelle auftauchte, bat mich Irmgard inständig, nicht der Tankuhr zu vertrauen, sondern nachzutanken. Ihr Wille war mir natürlich – wie fast immer – Befehl. Leider war mein Versuch aber erfolglos, weil der Anschluß der Zapfsäule einfach nicht in unseren Tankstutzen paßte. Da ich an der zweiten Säule auch kein Glück hatte, mußten wir unverrichteter Dinge weiterfahren. Wir wollten Puerto Naos via El Paso und Los Llanos erreichen. Nach El Paso sah ich aber zum Glück in Todoque den Hinweis nach Las Manchas und da ich mir eingeprägt hatte, daß es von dort gar nicht mehr weit nach Puerto Naos war, nahm ich diesen Abzweig und tatsächlich waren wir um 19:05 zurück am Hotel. Dort mußten wir – fast erwartungsgemäß – feststellen, daß auf dem Hotelgelände oder der Zufahrt kein Plätzchen mehr für unseren Wagen war. So blieb mir nichts übrig, als weit draußen auf der Straße bei den Bananenplantagen zu Parken.

Da wir – es war ja Sonntag – keine geöffnete Paneria und auch keinen geöffneten Supermarkt gefunden hatten, gab es auf der Terrasse Nesperos (Mispelfrüchte) sowie Käse und Wein mit einem ganz kleinen Stück Brot, welches Irmgard beim Essen in Garafia gerettet hatte.
Keine Ahnung, woran es lag. Wenig später wurde es mir vom Magen her seltsam. Ich habe mich ausgezogen und nur mit dem Bademantel bekleidet aufs Bett gelegt. Nach einer kleinen Weile war es soweit, daß ich ins Bad gehen konnte/mußte und mir alles noch einmal „durch den Kopf gehen“ ließ. Da war es schon besser und nach einem zweiten „Durchgang“ bin ich, nachdem mich Irmgard fürsorglich zugedeckt hatte, sofort eingeschlafen.

Montag, 11. März 2002

Es war schon 08:00, als ich mich nach einer guten und problemlosen Nacht aus dem Bett bequemte. Nach dem Rasieren und Duschen bin ich in den kleinen Supermarkt hier auf dem Hotelgelände gegangen und habe für das Frühstück eingekauft. Die Auswahl war nicht groß – nur abgepackte (meist deutsche) Wurst und Käse – aber recht gutes „krosses“ Brot. Nachdem ich den Tee bereitet hatte konnten wir in aller Ruhe – nur bin ich Irmgard zu schnell und hastig – auf der Terrasse frühstücken.
Nach dem Frühstück sind wir dann gleich losgefahren. Richtung El Paso zum Besucherzentrum für die Calderas. Dort haben wir sehr freundlich unwesentliche Informationen erhalten und sind dann von dort aus in den National Park hochgefahren bis zum Parkplatz La Cumbrecita – nur um dort abgewiesen zu werden, da der Parkplatz voll war. Wir fanden dann aber nur 100 m unterhalb eine gute und sichere Möglichkeit, den Wagen am Straßenrand abzustellen und sind zum Parkplatz hochgegangen.

Caldera 1Von dort hatten wir einen ersten imposanten Ausblick. Vom Parkplatz sind wir dann – mit etlichen Fotostopps – zum Mirador de las Chozas gewandert und haben dort eine Wasser- und Las ChozasOrangenpause gemacht. Beim Rückweg entschied sich Irmgard für einen anderen Weg – 1 km länger – , der mir sehr beschwerlich erschien und den ich mir nicht antun wollte. Als wir uns beim Parkplatz wieder  trafen – Irmgard hatte nur 1/4 Stunde länger gebraucht als ich, meinte Irmgard, ich habe sehr gut daran getan den anderen Weg zu wählen. Ihr Weg war wohl zum Teil sehr eng, teilweise Auf getrenntem Wegetwas kritisch – ein Mädchen wäre um Haaresbreite abgestürzt – und im letzen Teil mächtig steil. Sie war gut durchgeschwitzt und froh, beim Wagen ein frisches Shirt anziehen zu können. Insgesamt waren wir mit unserem kleinen Trip aber sehr zufrieden – es hatte sich bestimmt gelohnt.
Unser nächstes Ziel war die Stadt Los Llanos, die bei der Kirche eine sehr schöne Plaza haben sollte. Wir fanden unser Ziel fast problemlos und – was viel verwunderlicher ist – ganz in der Nähe einen Parkplatz. (Es muß der einzige freie Parkplatz der Stadt gewesen sein.) Da  Irmgard ein paar Geschäfte verunsichern wollte, ließ ichPause mich auf der wirklich schönen und beschaulichen Plaza nieder und bestellte mir einen Café leche und ein Bocadillo con queso de la cabra. Als Irmgard von ihrer Tour zurückkam, bekamen wir beide einen Cafe  leche und für sie eine Tortilla. Als Imbiss reichte uns dieses, denn „richtig“ Essen wollten wir erst am Abend.
Irmgards Idee war es, nun einen Versuch zu starten, zur „Schlucht der "Schlucht der Ängste"Ängste“, dem Barranco de las Angustias, zu fahren. Mit nur einmal Nachfragen haben wir den Weg  gefunden und ich scheute mich nicht, über eine unbefestigte Piste tief hinunter bis auf den Grund der Schlucht zu fahren. Von oben hatte das ziemlich kriminell ausgesehen und das war es wohl auch – aber erstens hatte es sich unbedingt gelohnt und zweitens brauche ich ja lautIm Geröllbett Irmgard solche Pisten. Es ist schon beeindruckend von der Talsohle – dem Geröllbett – nach oben und nach unten zu schauen. Auf dem Rückweg nach oben mußten wir einfach einen Stopp einlegen, um hinunter zu schauen, wo wir gewesen waren.
Nun ging es auf meinen Wunsch hin auf fast direktem Weg zurück zum Hotel. Ich wollte nur in Las Manchas das Restaurant auskundschaften, welches uns Erich und Ursula Bruderer so sehr empfohlen hatten. Das Restaurant haben wir problemlos gefunden, allerdings war es verriegelt und verrammelt. Es ließ sich auch nicht erkennen, ob  Ruhetag war oder nur am Nachmittag geschlossen. (Im Reiseführer fand Irmgard später, daß Montag Ruhetag ist.) Jetzt wollte Irmgard noch unbedingt zur Plaza Plaza GloriettaGlorietta, zu der wir auf der Strecke nach Puerto Naos einen Hinweis gesehen hatten. Wir sind richtig abgebogen und fanden anschließend nie mehr einen Hinweis. Nach einer ziemlich langen Strecke kamen wir wieder auf die Hauptstraße und wählten von Las Manchas aus einen anderen „Einstieg“. Diesmal fanden wir die  Plaza – nicht durch einen Hinweis sondern mehr per Zufall. Sie ist wirklich vor Ort in keiner Weise Plaza Glorietta 2beschildert. Schön ? Auf jeden Fall aber sehenswert. Für die Fotos fehlte leider die Sonne. Nachdem auch dieses abgehakt war, wollte ich gerne noch den kurz vor Puerto Naos dierekt am Meer liegenden kleinen Ort Playa Bombadilla erkunden, da ich dort evtl. ein uriges Lokal zu entdecken hoffte. Erst nach 5 oder 6 vergeblichen Versuchen haben wir die richtige Einfahrt gefunden. Urig ? Oh ja ! Aber so urig hatten wir es gar nicht gewollt. Eigentlich nur primitive Hütten. Wir haben die nächste Wendemöglichkeit genutzt und waren ohne jeden noch so kurzen Halt auf dem Weg zum Hotel.
16:00 – da hatten wir ein Chance fast noch auf dem Hotelhof einen Parkplatz zu ergattern. Oben habe ich Tee bereitet und Irmgard nahm die Gelegenheit wahr, eine Zehn-Minuten-Runde im Meer zu schwimmen.
Gegen 18:00 starteten wir unsere Fahrt zum Abendessen. Zunächst fuhren wir Richtung Süden nach El Remo. Wir dachten (haha) das könnte so abgelegen sein, daß es unseren Vorstellungen entspräche. Es war rappelvoll dort – es gab keinen Platz mehr – es war sehr windig und es gab nur Fisch (nach dem Erlebnis von gestern stand mir da der Sinn nicht nach). Also umkehren und – das war mein Vorschlag – nach Las Manchas. Erfolglos.  Das einzige Restaurant neben der „Bruderer Empfehlung“, die ja Ruhetag hatte, öffnete erst ab 20.3. – somit war die nächste Wahl Todoque. Dort hatten wir das „Restaurante El Excelente“ gesehen, was eigentlich nicht unserer Vorstellung von einem urigen Lokal entsprach. Dies war aber auch das einzige Restaurant im Ort. Irmgard blieb im Wagen während ich einen Blick ins Lokal und auf die Speisekarte warf. Mein Eindruck: Edel, teuer aber scheinbar angemessen. Ich habe Irmgard geholt und wir haben es nicht bereut. Mein erster Eindruck war absolut korrekt gewesen. Wir entschieden uns für ein Menu (ca. 17,50 €) und waren rundum zufrieden. Am Essen gab es absolut nichts auszusetzen und das Ambiente war besser als alles was wir bisher auf den Kanaren kennengelernt hatten. Für La Palma fast nicht verwunderlich: Bedienung und alle Gäste (bis auf ein Paar aus NL) deutsch. Ich hatte am Morgen bereits oben in den Bergen gesagt: „Auf der Zugspitze hört man bestimmt mehr fremde Sprachen als hier.“
21:15 waren wir wieder auf unserem Zimmer.

Dienstag, 12. März 2002

Geschlafen haben wir beide mit einigen grundlosen Unterbrechungen. 07:30 bin ich aufgestanden und zum Rasieren und Duschen ins Bad gegangen. Anschließend habe ich im Supermarkt Wasser und Brot geholt – Teewasser hatte ich schon aufgesetzt. Wir haben zügig auf der Terrasse gefrühstückt, damit wir so früh wie – für uns – möglich losfahren konnten.  Wir wollten zum Roque de los Muchachos und es heißt, daß man so früh wie möglich dort sein soll, weil sonnst alles in den Wolken versteckt sei. Wir haben also die Abkürzung via Tazocorte genommen und sind auch zügig vorangekommen, bis es uns kurz hinter Puntagorda erwischte. Die Straße war wegen Bauarbeiten bis 11:00 total gesperrt. Da es 09:45 war, machte Warten keinen Sinn und Irmgard ließ sich von dem die Sperre beaufsichtigenden Bauarbeiter eine Umfahrung erklären. Wir wurden aber auch gewarnt, daß die Straße schlecht sei. Wir fanden die Straße gar nicht so schlecht, nur schmal und sehr kurvig. Vielleicht hatte der gute Mann das ja gemeint. Ja, bis die Asphaltierung zu Ende war und wir die nächsten 5 km über eine wirklich schlechte „Naturstrecke“ fahren mußten. Als endlich wieder Asphalt kam, sahen wir ein Schild –> Hoya Grande. Nach unserer Karte mußte von dort die Straße zum Roque de los Muchachos abgegehen. Also sind wir abgebogen und in einem Mininest gelandet, von wo nicht mehr weiterging. Also zurück und den Abzweig mißachtend weiterfahren. Plötzlich und absolut unerwartet kam nach nur 200 m der richtige Abzweig zum Roque de los Muchachos. Den hatten wir noch gar nicht an dieser Stelle erhofft. Nun ging es 12 km mit bis zu 15%iger Steigung nach oben und unser Außenthermometer zeigte auch ganz deutlich, daß es ins Hochgebirge ging. Vorbei an vielfachen La Palma SternwarteAstronomischen Einrichtungen der dortigen  Sternwarte ging es  hoch bis auf über 2400 m. Der absolute Gipfel, den wir auch bei 6° C erklommen, ist 2426 m hoch. Wir bestätigten uns selbst ein ums andere Mal, welches Glück wir hatten, da die Wolken immer wieder mal aufrissen und uns tolleAusblick Ausblicke (und viele Fotos) gestatteten. Nach unserem Ausflug zum Gipfel waren wir sehr froh, wieder im warmen Wagen sitzen zu dürfen.
Wir wollten eigentlich bei der „Abfahrt“ noch ein paar eindrucksvolle Bilder aus der Nähe von den Observatorien und Spiegelreflektoren machen aber inzwischen waren die Wolken lückenlos dicht und wir hatten keine Chance mehr. Deshalb waren wir froh, daß wir einen Blick von oben festgehalten hatten. Um zurück zum Hotel zu kommen schlugen wir einen großen Bogen nach Osten, Richtung Santa Cruz, und nahmen die Kirche von Las NievesGelegenheit wahr, über Las Nieves zu fahren. Dort sahen wir uns zunächst  bei und in der Kirche um. Im vielge- priesenen Restaurante ChipiChipi haben wir dann  zu Mittag zu gegessen. Wir erwischten einen schönen Tisch draußen im vielfätigen Grün – gleich neben einem Kameliaherrlich blühenden Kamelia-Baum. Von den Preisen der angebotenen Speisen waren wir auch sehr angenehm überrascht. Wir wählten 1x Chicharrones und 1x Salat als Vorspeise. Als Hauptgang nahm Irmgard Leber (Kaninchenleber !) mit ‚Fritten‘ und ich Schweinerippchen vom Grill mit papas arrugadas. Dazu gab es eine große Flasche Mineralwasser und eine kleine Flasche Hauswein. Das Ganze für knapp 20 €.
Zum Hotel war es jetzt nur noch eine knappe Stunde und ich dachte dort Wärme und Sonnenschein vorzufinden. Nach all dem Wetterglück, das uns bisher hold war, gab es jetzt eine kalte Dusche; d.h. es war kalt und gegen 16:00 gab es sogar ein paar Tropfen Regen.
Gegen 17:00 spielte Irmgard mal wieder Arzt, Krankenschwester und Pflegerin. Mein linkes Bein spielte wieder verrückt und die Venenentzündung, die sich eigentlich schon seit letzten Freitag leicht bemerkbar machte, war nun doch so intensiv geworden, daß etwas unternommen werden mußte. Die Salben waren aufgebraucht und Irmgard ging nach Puerto Naos in den Ort zur Apotheke. Die Salben, die wir bisher benutzt hatten, hatte man dort nicht vorrätig aber eine andere, die von gleicher Wirkung sein sollte. Irmgard brachte aber nicht nur die Salbe sondern auch noch Eis von „Gino Ginelli“.
Nachdem das Bein versorgt war, machten wir uns auf den Weg nach Las Manchas zu der von den Bruderer’s empfohlenen Bodega. Zuvor riefen wir von einer Telefonsäule noch Margitta an, die sich per SMS erkundigt hatte, ob es uns denn auch gut ginge. Kaum saßen wir dann im Wagen, begann es so richtig zu regnen. Als wir aber vor der Bodega ankamen, hatte es bereits wieder aufgehört. Im Gegensatz zu mir war Irmgard erstaunt, daß vor der Bodega ein Menge Autos parkten. Einen solchen Betrieb hatte sie nicht erwartet. Drinnen fanden wir keinen freien Tisch mehr, wohl aber Platz an einem großen Tisch, an welchem schon Leute saßen. Es war schon witzig, daß uns genau gegenüber ein holländisches Ehepaar saß, das am Abend zuvor im Restaurante Excelente am Nachbartisch gesessen hatten. Wir haben uns ganz nett unterhalten und fanden es toll, daß die Leute – immerhin 76 – so etwas unternahmen, nachdem sie 10 Jahre keinen Urlaub gemacht hatten, weil sie ihren Hund nicht alleine lassen konnten. Die Empfehlung von Bruderer’s war in Ordnung, obwohl ich das Lokal nicht unbedingt als absolutes „muß“ einstufen würde.

Mittwoch, 13. März 2002

Nach einer für beide guten Nacht stand am Morgen wieder die Sonne am Himmel und für Irmgard Packen auf dem Programm.
Das Frühstück auf der Terrasse gestalteten wir – eine andere Möglichkeit gab es auch nicht – ganz schlicht mit Dinkel und der restlichen Milch sowie Brot und Butter (aus Restaurantbesuchen aufgespart). Anschließend, wir hatten es in aller Ruhe angehen lassen, ging ich vor zur Straße, um den Wagen zu holen und fürs Beladen näher zu parken. Mit einem Gepäckwägelchen holte ich dann die schwere Tasche – laut Irmgard macht nur der PC das Gewicht – zum Wagen. Mit dem nächsten Gang (ohne Wägelchen) brachen wir gemeinsam den Rest hinunter. Obwohl wir uns wirklich nicht gehetzt hatten, waren wir ca. 09:30 unterwegs.
Wir hatten uns vorgenommen die südliche Route nach Santa Cruz zu nehmen und dabei die absolute Südspitze der Insel zu erkunden, die uns noch fehlte. Den ersten Stopp legten wir aber schon nach gut 10 MinutenLavafeld ein, um ein paar Fotos von dem dortigen riesigen „Strick-Lava“-Feld zu machen. Wenig später bot sich dann noch einmal ein Blick die Küste hoch zum Leuchtturm bei Roque de Becerro und unser wenig geliebtes Hotel in Puerto Naos. Überraschend schnell waren wir dann schon in Fuencaliente, der südlichsten Ortschaft von La Palma.
Ein Ausflug wäre für uns ja kein Ausflug gewesen, hätten wir keinen Wein eingekauft. Folglich statteten wir der dortigen großen Bodega (mit den deutschen Weinge- nossenschaften vergleichbar) einen Wein-EinkaufBesuch ab, der uns gute 50 € kostete und nach einer Miniverkostung mit verschiedenen Weinen versorgte. Dazu gehörten auch Malvasia dulce und Malvasia secco – die Wein-Besonderheiten der Insel. Der Malvasia dulche ist ein Dessertwein (wie der Name schon sagt süß) und der Malvasia secco ist mit einem guten, trockenen Sherry vergleichar. Eigentlich suchten wir jetzt nach einer Bar um eine Kleinigkeit zwischen die Zähne zu bekommen. Wir waren aber so wählerisch, daß wir nichts passendes fanden und fuhren dafür aber auch den letzten Winkel an der Südküste aus. Zuerst via Las Indias Richtung Norden bis nach Punta Banco, wo die Welt wirklich zu Ende ist. Auf dem Weg dahin hatte Irmgard schon Bedenken weiterzufahren, da wir zu einer sehr frisch wirkenden Steinschlagstelle kamen, bei welcher Brocken mit fast einem Meter Durchmesser auf der Straße lagen. Da gehörte wenig Phantasie dazu, sich vorzustellen, weshalb Irmgard Bedenken hatte. In Punta Banco drehten "Urige Fischbeiz"wir und fuhren ganz nach Süden zum Faro de Fuencaliente. Die dortige „urige Fischbeiz“, die uns unsere schweizer Bekannten empfohlen hatten, hatte Ruhetag. Eigentlich waren wir nicht besonders böse, da der Platz um diese Tageszeit ziemlich schattig und kühl war. Darüber hinaus gelüstete es uns beiden auch überhaupt nicht nach Fisch.
Somit fuhren wir weiter Richtung Norden – aber diesmal bereits auf der Ostseite der Insel. Inzwischen waren wir soweit, daß uns auch ein kleines Restaurant mit Plätzen in der Sonne und ein richtiges kleines Mittagessen genehm gewesen wäre. Irgendwie konnten wir uns aber für keines der am Weg liegenden Häuser entscheiden. Dafür fanden wir aber, nachdem wir eigentlich schon sicher waren den Hinweis verpaßt zu haben, die Einfahrt zur im Reiseführer angepriesenen Töpferei. Nachdem wir geparkt und den Eingang gefunden hatten, war der Schock durchaus nennenswert. Zu 90% Souvenier-Kitsch. Grausam. Der Ehrlichkeit wegen sei erwähnt, daß es auch einige schöne Stücke in schwarzem Ton (erinnerte stark an Lava) gab, die für einen Transport nach Deutschland aber wenig geeignet und außerdem auch ganz schön teuer waren.
Kurz darauf fanden wir ein Restaurant, welches uns genehm erschien, nachdem wir bereits Platz genommen hatten dann aber doch ausschied, da es uns zu windig war. Also fuhren wir weiter bis nach Los Cancajos – unmittelbar vor Santa Cruz. Dort hatten uns die Schweizer – Ursula und Erich  – das Hotel „Hazienda San Jorge“ sehr empfohlen gehabt. Wir haben uns das Hotel angesehen und uns gefragt: „Warum sind wir dieser Empfehlung nicht gefolgt ?“ Das Haus machte auf uns einen sehr guten Eindruck, mit dem Sol Elite de La Palma in Puerto Naos überhaupt nicht zu vergleichen. Irmgard hat uns zumindest mal mit Prospekten und Preislisten versorgt.
Jetzt ließ sich aber nicht mehr verleugnen, daß der Hunger deutlich wurde. Nach einem nochmaligen unentschlossenen Umherirren entschieden wir uns für „La Fontana“. Wir hatten eine Gaspacho andalus (I) und eine Tomatensuppe(M) und waren damit sehr zufrieden, daß daß wir die bestellten Pizzen in Ruhe und mit Vertrauen erwarten konnten. Unser Vertrauen war gerechtfertigt – die Pizzen waren groß, knusprig, ordentlich belegt, lecker und sogar Irmgard, die einen Bärenhunger hatte, wurde satt.

Es war nicht ganz 15:00 und damit waren noch 9 Stunden bis zur Abfahrt unserer Fähre nach Teneriffa „totzuschlagen“. Erst haben wir auf einer Bank gesessen oder auch gelegen. Dann ist Irmgard ein paar Schritte zum Strand weitergezogen und hat sich im Sand – den Kopf im Schatten der Promenadenmauer – hingelegt. Ich bin nach einer Weile gefolgt und habe dort sogar laut Irmgard 20 Minuten richtig geschlafen.
Gegen 16:30 haben wir dann die restlichen paar km nach Santa Cruz hinter uns gebracht und den Wagen gleich auf dem Hafengelände geparkt, um uns in das Leben der Inselhauptstadt zu stürzen. Nun, im Vergleich zu Santa Cruz de La PalmaSanta Cruz de Tenerife ist Santa Cruz de La Palma eine ausgesprochene Kleinstadt. Die Straße durch die ganze Stadt hat man ruhigen Schrittes in 10 Minuten durchmessen. – Bis zur Abfahrt der Fähre war immer noch verdammt lang. In einer Bar genehmigten wir uns einen Kaffee bzw. eine Cola. Dann schlenderten wir In Santa Cruz de La Palmaweiter. Irmgard las aus Wissensdurst oder warum auch immer jede Hinweistafel auf historische Gebäude etc. und sie spazierte aus Langeweile durch diesen oder jenen kleinen Laden. So richtig interessant war eigentlich nur, daß uns dort ein Anruf erreichte. Ein Herr aus Chayofa hatte unsere Anzeige im Wochenspiegel gelesen und hat ein unserer Suche entsprechendes Appartment anzubieten. Wir haben zugesagt, uns zu melden, wenn wir wieder auf Teneriffa sind. Für den Abend einigten wir uns auf eine Bodega, die im Reiseführer angegeben war (obwohl nach der Töpferei das Zutrauen gesunken war). Der Eingang war so unscheinbar, daß wir die Hilfe eines Straßenbauarbeiters in Anspruch nehmen mußten, um das Lokal zu finden. Zu unserem Glück wußte der Arbeiter auch, daß die Bodega erst ab 19:00 geöffnet sei. So sind wir zur Überbrückung eine Straßenecke weitergezogen und haben in der Bar „Sputnik“ ein Wasser bzw. ein Cola getrunken. Hier erwischte uns Walburga per Mobiltelefon, die sich über die Urkunde (Kohlsuppenvertilgung) gefreut hatte. Imgard suchte noch einmal nach einem interessanten Geschäft, während ich in der Bar bezahlte.
Inzwischen hatte „La Bodeguita del Medio“ geöffnet. Wir waren die ersten Gäste und konnten uns folglich einen Tisch aussuchen. Die Küche war noch gar nicht richtig in Betrieb, daher bestellten wir zunächst einmal eine große Flasche Wasser, eine Flasche Rosado, Käse und Serrano. Wir wurden schnell mit Getränken versorgt und konnten dann sehen, wie der Käse geschnitten und der Serrano von der Keule „gehobelt“ wurde. Das Ganze wurde mit kleinen Brotbrocken und ohne Besteck seviert. Beides, Käse und Schinken, war so ganz nach unserem Geschmack. Inzwischen Uriges Restaurantwaren weitere Gäste gekommen. Ganz eindeutig Arbeiter, die sich auf dem Weg nach Hause ein (oder auch mehr) Bier genehmigten. Aus dem Umgang miteinander sowie mit Bedienung und Koch konnte man erkennen, daß dies Stammgäste waren. So nach und nach füllte sich das Lokal und außer einem jungen deutschen Paar und uns waren keinerlei Touristen dort. Ganz typisch erschien uns, daß die verschiedensten Dinge bestellt und serviert wurden und dann alle am Tisch sitzenden vom gleichen Teller pickten und aßen. Wir nahmen uns daran ein Beispiel und Irmgard bestellte in Öl eingelegten Käse und für „meinen Mann, der darauf Appetit hat“ etwas mit Fleisch. Da man in Öl eingelegten Käse ja schlecht ohne Besteck essen kann, gab es dieses gleich doppelt, damit ich mithalten konnte. Irmgard warnte aber auch sofort, daß sie beim Fleisch auch mithalten werde. Das „etwas mit Fleisch“ entpuppte sich als eine schöne Portion in Würfeln gebratenes Rinderfilet mit grünem Pfeffer und Kapern mit Pommes frites. Ausgesprochen gut ! Da wir keinen Wein mehr wollten gingen wir beide zu Bier vom Faß über. Es hat uns ausgesprochen gut gefallen – auch die alten Bilder – in dieser Atmosphäre ein paar Stunden zuzubringen. Wir waren beide einer Meinung: „Schade, daß wir so ein Lokal nicht auf Teneriffa kennen.“ Kurz nach 22:00 verließen wir die gastliche Stätte und gingen ganz gemächlich Richtung Hafen. Gemeinsam gingen wir zum Abfertigungsgebäude um die Bordkarten zu holen, d.h. ich ging auf halbem Weg zurück, um den Wagen schon mal vorzuziehen. —

Und jetzt war es mit der Gemächlickeit vorbei. Der Wagenschlüssel war weg !
Meine Taschen habe ich sicher 10x durchforstet, Irmgard gebeten, in meinen Taschen nachzufühlen. Nichts ! Was tun ? Wo konnte ich den Schlüssel verloren haben. Es kamen nur drei Orte in Frage. Ein Geschäft, in dem wir ein paar Zigarren für Herrn Stoßberg gekauft hatten, die Bodega oder die Bar, in bzw. vor der wir Wasser und Cola getrunken hatten. Also zurück und dabei die Überlegung: „Was, wenn wir den Schlüssel nicht finden ?“
Das Geschäft hatte – inzwischen 22:30 – natürlich längst geschlossen. In der Bodega weder unter unserem Tisch noch in der Toilette, die ich zwischenzeitlich einmal aufgesucht hatte, etwas zu finden. Es war auch nichts gefunden worden. Also weiter zur Bar „Sputnik“. Wir erklärten dem Barmenschen, was los sei und er griff lächelnd hinter sich hoch auf einen Tellerstapel und überreichte mir den Schlüssel. Es ist sicher schwer unser Glücksgefühl zu beschreiben. Dem Barmenschen drückte ich vor lauter Glück und gegen seinen Willen 5 € in die Hand und schloß dann ganz fest und fast verkrampft die Hand um den Autoschlüssel. Erst als der Schlüssel dann auch noch beim Auto paßte, fiel die Anspannung langsam von mir ab.
Der Rest des Tages verlief dann vergleichsweise ereignislos. Obwohl die Fähre mit einer halben Stunde Verspätung in den Hafen einlief, waren wir mit kaum 5 Minuten Verspätung schon unterwegs. Wir bekamen einen Schlüssel und bezogen die Kabine 302. Als Irmgard dann noch zur Toilette ging, traf sie bei der Kabinen-Reception doch tatsächlich Ernesto der mit uns und Elfi und Matthias bei Ifonche gewandert war.
Obwohl die Fähre zu Beginn doch spürbar schaukelte und rollte haben wir beide überhaupt keine Probleme gehabt und Irmgard hat ganz toll geschlafen. Ich kann dies von mir leider nicht sagen, mich hat ein ständiges Knistern und Knarren in der Kabinenverkleidung nicht recht schlafen lassen.
Um 06:10 wurde heftig an die Tür gehämmert und verkündet, daß wir nun bald im Hafen seien. Wir sind aufgestanden, haben uns angezogen, unsere Sachen zusammengepackt und sind zu unserem Auto hinuntergegangen. Dort waren wir wohl so ziemlich die Ersten. Bald nach uns kamen Ernesto und Helga, deren Wagen gleich neben uns stand. Wir haben ihnen unsere Telefon-Nummer gegeben und es ging dann zügig voran. Pünktlich 06:30 rollten wir von der Fähre und waren 10 Minuten später ZUHAUSE.

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